Schachfigur
Standpunkt

Der Synodale Weg darf kein Selbstzweck werden

Der neue ZdK-Generalsekretär hat über seine Erwartungen an den Synodalen Weg gesprochen. Seine Akzentsetzung weckt wenig Hoffnung auf eine neue Aufbruchsstimmung für die Kirche, kommentiert Lucas Wiegelmann.

Von Lucas Wiegelmann |  Bonn - 09.01.2020

Einer der häufigsten Kritikpunkte, die bisher in der Debatte um den Synodalen Weg benannt wurden, ist der des sogenannten Erwartungsmanagements: Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) könnten, so eine häufige Sorge, allein durch die Themenauswahl bereits allzu große Hoffnungen unter den Gläubigen wecken, was nun bald alles geändert werde in der Kirche; das müsse zwangsläufig früher oder später zu Frustration führen.

Nun allerdings, kurz vor dem Start am 30. Januar, muss man zumindest das ZdK von dieser Kritik ausnehmen: Wer das Interview gelesen hat, das dessen neuer Generalsekretär Marc Frings soeben dem päpstlichen Onlinedienst "Vatican News" gegeben hat, mag dem Zentralkomitee vieles vorwerfen, aber sicher keine übertriebenen Ambitionen mehr bei der inhaltlichen Gestaltung des Synodalen Weges.

Ob er konkrete Prognosen zumindest für die ersten Schritte habe, wurde Frings zum Beispiel gefragt. Antwort: "Ich glaube, nicht das Ergebnis sollte im Moment das Entscheidende sein, sondern ich finde, auch das Atmosphärische und Methodische sind wichtig." Es gehe darum, "eine gewisse Synodalität zu praktizieren, um gemeinsam für Glaubwürdigkeit zu werben – das ist, glaube ich, das Entscheidende." Das ZdK startet also mit der knallharten Forderung in die Synodalität, sich für die Synodalität einsetzen zu wollen. Wenn es bei diesem Verhandlungseifer auf Seiten der Laien bleibt, können sich die deutschen Bischöfe auf geruhsame zwei Jahre einstellen.

So zahm Frings inhaltlich bleibt, so anspruchsvoll zeigt er sich freilich mit Blick auf die Form: Noch bevor auch nur die erste Sitzung der Synodalversammlung zusammengekommen ist, schlägt er vor, dass man den bisher gesetzten Zeitrahmen des Synodalen Weges schon einmal überdenken könnte, oder am besten gleich das Einziehen eines Zeitrahmens überhaupt: "Schön wäre auch", so Frings, "wenn die Synodalversammlung, die nun mehrfach im Jahr tagen wird, ein Modell erzeugt, das immer wieder auch für Beratungen, für Konsultationen heranzitiert werden darf, wenn in der Kirche hierfür Reformbedarf besteht."

Gremienarbeit ad infinitum, natürlich unter Teilnahme des eigenen Vereins – klar, dass das eine verlockende Aussicht darstellt. Für einen ZdK-Generalsekretär. Dem Synodalen Weg insgesamt wäre aber schon noch eine andere Art der Aufbruchsstimmung zu wünschen, wenn er nicht zum Selbstzweck verkommen soll.

Von Lucas Wiegelmann

Der Autor

Lucas Wiegelmann ist Chefkorrespondent Vatikan der Herder Korrespondenz in Rom.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.