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Benedikt XVI. verdient es, in Ruhe gelassen zu werden

Die Anhänger von Benedikt XVI. sollten ihn eigentlich schützen. Stattdessen spannen sie ihn für ihre eigenen Zwecke ein, kommentiert Matthias Altmann. Er fordert, den emeritierten Papst davon zu verschonen.

Von Matthias Altmann |  Bonn - 16.01.2020

Es ist traurig mitanzusehen, was auf der vermutlichen Zielgerade seines irdischen Daseins mit dem emeritierten Papst geschieht. Bestimmte Kreise scheinen Benedikt XVI. zunehmend für ihre kirchenpolitischen Ziele zu instrumentalisieren, andere sehen in ihm nun endgültig einen Gegenspieler des "Reformers" Papst Franziskus. Genau davor sollten sein Umfeld und seine Anhänger den Papa emeritus eigentlich schützen. Doch stattdessen machen sie es immer schlimmer. Die Vorfälle rund um das neue Buch von Kardinal Robert Sarah liefern erneut ein anschauliches Beispiel dafür.

An sich ist nichts Besonderes an diesem Buch. Ein als konservativ bekannter Kardinal spricht sich, wie schon öfter getan, eindringlich für den Priesterzölibat aus. Er bittet den Emeritus, einen Aufsatz über das Priestertum zu schreiben, und kündigt an, diesen in einem Buch zu publizieren. Benedikt kommt der Bitte nach. In seinem Text steht jedoch nichts Explosives: Er liefert einige theologische Grundbetrachtungen zur priesterlichen Ehelosigkeit. Sprengkraft erhielt das Ganze erst durch andere Umstände: Benedikt wurde zunächst als Co-Autor des ganzen Buches genannt, ohne es zu sein – sodass auch Sarahs radikale Schlussfolgerungen als seine aufgefasst wurden.

Dazu kommt der Zeitpunkt der Publizierung: Das Buch erscheint kurz vor der erwarteten Veröffentlichung des Schlussdokuments zur Amazonas-Synode, in dem Papst Franziskus die Priesterweihe verheirateter Männer in Ausnahmefällen beschließen könnte. Sarah dürfte bewusst gewesen sein, welche Wirkung das erzielt. Benedikt selber, heißt es, habe seinen Artikel bereits im vergangenen Sommer geschrieben und nicht gewusst, wann das Buch veröffentlicht werden soll.

Erneut werfen viele Kommentatoren die nicht unberechtigte Frage auf, warum sich der Emeritus nicht an seine Ankündigung hält, im Verborgenen leben und beten zu wollen. Man könnte aber auch anders fragen: Warum respektieren seine Anhänger, zu denen auch Kardinal Sarah gehören dürfte, Benedikts Vorsatz nicht und bitten ihn immer wieder um Wortmeldungen?

Gewiss ist Benedikt in der ganzen Angelegenheit nicht nur das Opfer. Doch der vor kurzem gesendete Film des Bayerischen Rundfunks über sein Leben im Vatikan zeigt einen alten, gebrechlichen Mann, der weiß, dass er sich auf der finalen Etappe seines Lebenswegs befindet und damit seinen Frieden gemacht hat. Ein Mann, der es eigentlich verdient hätte, in Ruhe gelassen zu werden – und von Instrumentalisierungen jeglicher Art verschont zu bleiben.

Von Matthias Altmann

Der Autor

Matthias Altmann ist Redakteur bei katholisch.de.

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