Botschaft zum Mediensonntag

Papst Franziskus gegen Medienmanipulation und Deepfakes

Aktualisiert am 24.01.2020  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Manipulation, Lüge, Hass und Instrumentalisierung: Papst Franziskus zeichnet ein düsteres Bild der Medien und der Öffentlichkeit. Doch es gebe eine Hoffnung, betont der Papst in seiner Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel.

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Das Thema Erzählen steht im Mittelpunkt des diesjährigen katholischen Mediensonntags. Der Mensch brauche Geschichten, um seine Wurzeln und seine Verbindung mit anderen zu erkennen und um Orientierung und Zukunftsmut zu finden, heißt es in der Freitag veröffentlichten Botschaft von Papst Franziskus zu dem Kampagnentag. Kritik äußerte das Kirchenoberhaupt an einer Banalisierung und Manipulation in der medialen Kommunikation. Die Menschheit verdiene "Geschichten, die ihrem Niveau entsprechen".

Der "Welttag der sozialen Kommunikationsmittel" 2020 steht unter dem Motto "'Damit du deinem Sohn und deinem Enkel erzählen kannst' (Exodus 10,2). Das Leben wird Geschichte". Er wird am Sonntag vor Pfingsten begangen, in Deutschland am zweiten Sonntag im September.

Gegen Instrumentalisierung von Storytelling

Besorgt zeigte sich der Papst über immer raffiniertere Fälschungen von Video- und Tondokumenten, sogenannte Deepfakes, und über eine Instrumentalisierung des "Storytelling" in Medien. "Wir merken schon gar nicht mehr, wie sehr wir nach Klatsch und Tratsch gieren, wie viel Gewalt und Falschheit wir 'konsumieren'", so Franziskus. Wer ungeprüfte Informationen zusammentrage, banales und manipulatives Gerede wiederhole oder Hasstiraden auf andere entlade, beraube die Menschen ihrer Würde.

Nötig sei Weisheit, um "schöne, wahre und gute Geschichten" hervorzubringen, schrieb der Papst. "Wir brauchen Mut, um die falschen und bösartigen Geschichten zurückzuweisen. Und wir brauchen Geduld und Unterscheidungsvermögen, um jene Geschichten wiederzuentdecken, die uns helfen, inmitten der Zerrissenheit unserer Zeit nicht den Faden zu verlieren; Geschichten, die die Wahrheit unseres Seins wieder ans Licht bringen - auch in der oft übersehenen Heroik des Alltags."

Jede menschliche Geschichte ist göttliche Geschichte

Jede menschliche Geschichte habe eine "ununterdrückbare Würde", so Franziskus unter Verweis auf die Menschwerdung Jesu: "Seit Gott Geschichte geworden ist, ist jede menschliche Geschichte in einem gewissen Sinne göttliche Geschichte." Weiter betonte er die heilende Dimension des Geschichtenerzählens. "Gott unsere Geschichte zu erzählen, ist nie umsonst: selbst wenn die äußeren Ereignisse unverändert bleiben, ändern sich doch der Sinn und die Perspektive."

Die Papst-Botschaft zum Mediensonntag wird jährlich am 24. Januar veröffentlicht, dem Fest des Journalisten-Schutzheiligen Franz von Sales. Darin setzt sich der Papst jeweils mit einem Aspekt der Medienwelt auseinander. Die Themen der beiden letzten Jahre befassten sich mit sozialen Medien und Fake News. (KNA)