Papst schickt angehende Botschafter in die Mission
Änderung der Ausbildung an der Diplomatenakademie

Papst schickt angehende Botschafter in die Mission

Kirchenrecht, internationales Recht, Praktika in Botschaften und im Staatssekretariat: So wurden die Diplomaten des Papstes bisher ausgebildet. Der wünscht sich nun mehr Praxis. Franziskus schickt die angehenden Botschafter in die Mission – und zwar schon sehr bald.

Vatikanstadt - 17.02.2020

Zur päpstlichen Diplomatenausbildung soll künftig ein Praxisjahr in Missionsgebieten gehören. In einem Brief an den Präsidenten der Päpstlichen Diplomatenakademie, Joseph Salvador Marino, den der Vatikan am Montag veröffentlichte, betont Papst Franziskus die Bedeutung praktischer Erfahrung für päpstliche Diplomaten. Es sei notwendig, "dass die künftigen Diplomaten des Heiligen Stuhls neben einer soliden priesterlichen und pastoralen Ausbildung und einer spezifischen Ausbildung, die von der Akademie angeboten wird, auch persönliche Missionserfahrung außerhalb ihrer eigenen Herkunftsdiözese erwerben". Die dabei gewonnenen Kompetenzen werden sowohl für die angehenden Diplomaten als auch für die Einsatzorte nützlich sein, betont der Papst.

Franziskus setzt damit ein Vorhaben um, das er im Oktober 2019 in seiner Abschlussansprache vor den Teilnehmern der Amazonas-Synode angekündigt und als "Reform, die zu prüfen ist" bezeichnet hatte. Ein Praktikum in einer Nuntiatur, wie es bereits jetzt zur Ausbildung gehöre, hatte er dabei als "auch sehr nützlich" bezeichnet, zusätzlich sollten die angehenden Diplomaten aber mindestens ein Jahr "einfach im Dienst eines Bischofs an einem Ort in der Mission" wirken.

Papst-Diplomaten sollen Brücken bauen

Schon 2015 hatte Papst Franziskus vor der Päpstlichen Diplomatenakademie betont, dass Vatikan-Botschafter nicht den Fehler machen dürften, auf die Situation vor Ort "eigene Denkmuster und kulturelle Maßstäbe" anzuwenden. Stattdessen müsse die Ausbildung darauf vorbereiten, "Brücken" zu den Menschen vor Ort zu werden.

Die Änderung der Ausbildungsordnung soll bereits für die Studenten greifen, die ihr Studium im akademischen Jahr 2020/21 beginnen. Details zu den Veränderungen im Lehrplan sind bisher nicht bekannt. Bislang dauert die Ausbildung in der Regel drei Jahre und besteht aus Studien vor allem im kirchlichen und internationalen Recht, Sprachenunterricht und Praktika im Staatssekretariat und in Nuntiaturen.

Die Päpstliche Diplomatenakademie wurde 1701 gegründet und ist seit 1850 dem Staatssekretariat des Vatikans direkt zugeordnet. Ihren heutigen Namen erhielt sie unter Papst Pius XII. Die Aufgabe der Bildungseinrichtung ist die Ausbildung von Priestern für den diplomatischen Dienst des Vatikans. Der Heilige Stuhl unterhält diplomatische Beziehungen zu 183 Staaten. (fxn)