Schachfigur
Standpunkt

Warum wir "jecke" Bischöfe brauchen

Am Donnerstag beginnt der Straßenkarneval. "Jeck" sein ist wie ein "Probeliegen im Himmel", meint Peter Otten. Denn im Karneval könnten die Mächtigen spüren, wie schön es sei, wenn alle gleich sind. Daher wünscht er sich "jecke" Bischöfe.

Von Peter Otten |  Bonn - 19.02.2020

Am Sonntag hieß es unmissverständlich im Evangelium: "Wer zu seinem Bruder (…) sagt: Du gottloser Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein." (Mt 5,22) Ist ja klar, was das bedeutet. Jetzt müssen alle Leserinnen und Leser außerhalb des Rheinlandes stark sein. Denn es bedeutet: Los, feiert Karneval, was das Zeug hält!

Denn Jesus weist auf einen klugen Gedanken hin: Es gibt Narren - und es gibt gottlose Narren. Die frohe Botschaft lautet also: "Sei ein Narr." Auf Kölsch: "Du sollst jeck sein."

Der "Jeck" ist in Köln ein wunderbarer Universalbegriff. Der Jeck sagt: "Ich habe keine Angst. Nicht mal vorm Tod. Nicht mal vor anderen Menschen. Ich bin Optimist. Ich liebe das Bunte. Ich bin tolerant. Ich mag die Menschen. Ich habe Spaß, wenn andere Spaß haben. Ich kann Miesepeter (in Köln gibt es dafür das herrliche Wort "Muuzepuckel") nicht leiden. Ich kann mich selbst auf den Arm nehmen." Wer jeck ist, ist quasi schon halb im Himmel. Karneval ist Ostern auf Kredit!

Also los! Seid jeck! Feiert Karneval. Denn Karneval schenkt noch was: Die Lust an der bunten Gleichheit. "Wir sind jeder vom Mosaik ein Stein", heißt es in einem Kölner Karnevalslied. "Zusammen sind wir eins." Buntes Mosaik statt steifer Hierarchie. Kneipenkarneval halt: Beim Tanzen passiert es durchaus, dass eine Polizistin neben einem Prinzen, ein Löwe neben einer Katze und, ja auch das, eine Päpstin neben einem Bischof zum Stehen kommt. Der karnevalistische Blick in den Himmel ist eben der Blick auf ein buntes Mosaik, einen hierarchiefreien Raum.

Im Karneval können also diejenigen, die ungern Macht aus der Hand geben, schon mal ganz wunderbar üben. Zum Beispiel ihr Bischöfe: Ihr werdet sehen, loslassen ist gar nicht so schlimm. Verantwortung wegschunkeln ist toll. Also tauscht die Kanzel mit dem Kostüm, den Pileolus mit dem Pils und die Mitra mit dem Mettbrötchen. Seid jeck! Alles andere wäre gottlos, quasi "die Hölle", sagt Jesus. Wollt ihr das wirklich? Na eben.

Von Peter Otten

Der Autor

Peter Otten ist Pastoralreferent in der Pfarrgemeinde St. Agnes in Köln. Seit einigen Jahren bloggt er unter www.theosalon.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.