Kirchliche Hochzeit: Suchen Sie sich Ihren Pfarrer jetzt online aus!
Erzbistum Freiburg veröffentlicht Hochzeitskonfigurator

Kirchliche Hochzeit: Suchen Sie sich Ihren Pfarrer jetzt online aus!

Die eigene Hochzeit ist für viele Menschen der wichtigste Tag im Leben und wird dementsprechend geplant. Das Erzbistum Freiburg unterstützt Brautpaare nun bei den aufwendigen Planungen durch einen neuen Service: den Hochzeitskonfigurator. So können etwa Kirche und Pfarrer online gebucht werden.

Von Gabriele Höfling |  Freiburg - 21.02.2020

Vom Caterer, über den Fotografen, zur Location, dem DJ und dem Floristen: Rund ums Heiraten finden Paare jede Menge Service-Angebote, auch online. Nur die Kirche ist zu diesem Thema im Internet bisher kaum präsent. Der klassische Weg zur kirchlichen Trauung führt immer noch über das Pfarrbüro. Das will das Erzbistum Freiburg jetzt ändern: Es bietet mit der Website einfach-kirchlich-heiraten.de einen Hochzeitskonfigurator an, über den Paare ihre Trauung online organisieren und sich sogar Priester und Traukirche individuell aussuchen können.

Fotos von Pfarrern und Kirchen

"Im Internet gibt es so viele Websites rund ums Heiraten. Unser Gedanke war, dass wir da auch mit einem attraktiven Angebot präsent sein wollen", erklärt Judith Weber, Leiterin des Referats Ehe, Familie und Diversität der Erzdiözese. Schließlich ist im Vergleich zum Internet die Erreichbarkeit von Pfarrbüros deutlich eingeschränkt, das Image um Jahrhunderte verstaubter.

Auf der neuen Website können sich Paare durch Fotos und Motivations-Statements verschiedener Traupfarrer klicken, dazu wird angezeigt, in welchen Kirchen die Priester und Diakone trauen, mit mehreren Fotos pro Gotteshaus und praktischen Informationen: "Blumen dürfen in der Kirche nicht gestreut werden und auf dem Vorplatz kein Reis" steht da etwa bei der Freiburger Kirche Sankt Georg, die laut der Hochzeits-Homepage im "neoromanischen Stil mit barocken Elementen" gebaut ist. Dafür kann eigener Blumenschmuck mitgebracht werden und auch ein Sektempfang in der Nähe ist möglich. Falls das Paar eine große Hochzeit plant, ist der Hinweis nützlich, dass die Kirche 300 Sitzplätze bietet. Auch ein Wunschdatum für die Trauung kann das Paar online festlegen. Die Daten werden dann an den Geistlichen weitergeleitet, der anschließend den persönlichen Kontakt sucht.

Kommentar: Der Dienstleistungsgedanke ist die Zukunft der Kirche

Das Erzbistum Freiburg bietet seit Valentinstag im Internet einen sogenannten Hochzeitskonfigurator an, über den Paare ihre Trauung online planen können. Gabriele Höfling sieht in dem Projekt nicht weniger als einen Paradigmenwechsel im Selbstverständnis der Kirche.

Das Erzbistum hat die Website in rund einem Jahr Arbeit zusammen mit dem "Zentrum für angewandte Pastoralforschung" (ZAP) an der Uni Freiburg entwickelt. Dort ist Bernhard Spielberg Theologieprofessor. "Es mag sein, dass der Dienstleistungsgedanke im Zusammenhang mit Kirche erstmal einen merkwürdigen Klang hat", gibt er zu. "Aber im Grunde gehörte er von Anfang an dazu." Das zeige etwa die Fußwaschung aus dem Evangelium: Am Vorabend seines Todes am Kreuz reinigt Jesus beim letzten Abendmahl die Füße seiner Jünger. Das wiederholen Papst und Priester Jahr für Jahr an Gründonnerstag in einer rituellen Handlung und waschen dann zum Beispiel die Füße von Gemeindemitgliedern oder Gefangenen.

Das Hochzeits-Portal soll auch den der Kirche Fernstehenden die Kontaktaufnahme leichter machen. "Viele von ihnen wollen kirchlich heiraten, haben aber keinen Bezug zu einem Kirchengebäude oder Priester", erläutert Weber. Über die Website können solche Paare nun unkompliziert einen Eindruck von beidem bekommen. Bevor sie die potenziellen Geistlichen und Kirchen sehen, müssen sie allerdings erst ein paar Fragen über sich selbst beantworten: Wollen Sie eine Hochzeit im kleinen Kreis oder ein großes Fest? Welche Werte sind ihnen in ihrer Beziehung besonders wichtig: Vertrauen, Respekt, Humor, gemeinsame Interessen und/oder Kinder? Diese Fragen hätten eine doppelte Funktion, erläutert Spielberg: Paare machten sich klar, was sie sich wünschten und wo sie möglicherweise unterschiedliche Vorstellungen hätten. Gleichzeitig habe auch der Pfarrer eine gute Grundlage, wenn er dann das erste persönliche Gespräch mit dem Paar führe.  

Doch "einfach-kirchlich-heiraten.de" wirft auch Fragen auf: Kirchenrechtlich ist es eigentlich vorgesehen, dass Paare in ihren Heimatgemeinden bei ihrem Heimatpfarrer heiraten. Alles andere ist eine Ausnahme von der Regel und braucht eine entsprechende formale Erlaubnis. Das entspricht aber immer seltener den Bedürfnissen der Paare, hat Spielberg beobachtet: "Die Art und Weise zu heiraten, hat sich in den vergangenen 50 Jahren ganz stark individualisiert. So wie es vielen sehr wichtig ist, das passende Restaurant zu finden und die Feier möglichst individuell zu gestalten, ist es eben auch mit der Eheschließung selbst." Deswegen wollen sie im Erzbistum Freiburg mit dem neuen Angebot den Paaren nun entgegenkommen. Kirchliche Mitarbeiter nehmen ihnen einiges an Formalitäten ab. "Die Bürokratie soll geschmeidig im Hintergrund laufen", sagt Spielberg. Stattdessen bekommen die Liebenden mehr Raum für die inhaltliche Vorbereitung ihrer Hochzeit.

Screenshot der Website einfach-kirchlich-heiraten.de.

Screenshot der Website einfach-kirchlich-heiraten.de.

Noch befindet sich der Hochzeitskonfigurator, der seit dem Valentinstag online ist, in einer Testphase: Vier der 26 Dekanate machen mit, rund 80 Kirchen sind erfasst, dazu 40 Pfarrer und Diakone, die allesamt freiwillig mitmachen. Wie Judith Weber berichtet, war deren Echo auf die neue Idee bisher geteilt: Einige sehen darin das Modell der Zukunft, andere waren eher zurückhaltend: "Machen sie bei dem Projekt mit, gehört es dazu sich selbst online zu präsentieren", erklärt Weber. Manche würden dadurch außerdem eine Art Konkurrenzverhältnis mit den anderen Geistlichen empfinden.

Ausweitung ist angedacht 

In den kommenden Wochen soll in sozialen Netzwerken und auf Hochzeitsmessen nun fleißig Werbung für die Website gemacht, nach drei Monaten dann ein erstes Resümee gezogen werden. Ist die Probephase erfolgreich, kann sich Judith Weber eine Ausweitung vorstellen: auf das Erzbistum, auf Baden-Württemberg – oder sogar auf ganz Deutschland. Wie sie berichtet, gibt es schon erste Anfragen aus anderen Diözesen.

Von Gabriele Höfling