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Standpunkt

Arme Diözesen haben dieselbe Pflicht zum Kinderschutz wie reiche

An diesem Freitag stellt der Vatikan die "Task Forces" vor, die die Bischofskonferenzen in Sachen Kinderschutz beraten sollen. Diese müssen großzügig ausgestattet sein, fordert Gudrun Sailer – und mit einer Sensibilität für kulturelle Unterschiede.

Von Gudrun Sailer |  Bonn - 28.02.2020

Gut Ding braucht Weile, auch wenn Eile geboten wäre: Ein Jahr nach dem großen vatikanischen Krisentreffen zum Thema Missbrauch stellt der Vatikan an diesem Freitag die "Task Forces" vor, die in Zukunft Bischofskonferenzen bei der Umsetzung von Maßnahmen zum Kinderschutz beraten sollen. Im Blick sind dabei vor allem solche Bischofskonferenzen, die erst in jüngerer Zeit auf das Problem Missbrauch aufmerksam (gemacht) wurden, besonders in Afrika und Asien.

Der kirchliche Kinderschutzfachmann Pater Hans Zollner hatte die Einrichtung solcher mobiler Einsatzgruppen vor dem vatikanischen Krisengipfel ins Spiel gebracht: Teams aus Fachleuten, die von Ort zu Ort bei den Bischofskonferenzen nachfragen, auf welchem Stand die Erarbeitung der – vom Papst zwingend vorgeschriebenen – Leitlinien zum Kinderschutz sind, was gebraucht wird und wie die wirksamsten bisher bestehenden Lösungen in anderen Ortskirchen aussehen. Zollner selbst ist auf allen Kontinenten unterwegs und steuert kirchliche Kinderschutz-Lehrgänge. Das Bewusstsein für das Thema Missbrauch sei überall enorm gewachsen, sagt er. Er verschweigt aber auch nicht, dass das noch lange nicht reicht.

Deshalb muss eine vom Vatikan ins Leben gerufene Task Force für Kinderschutz mit großzügigen Mitteln ausgestattet sein. Sie braucht genügend Mitarbeitende, und zwar solche, die mit kulturellen Unterschieden sensibel umgehen und dennoch sehr klare Ratschläge erteilen können. So lange, wie Kindesmissbrauch in der Kirche nach außen hin kein Thema war, so entschlossen und eben auch rasch muss jetzt gehandelt werden. Eigentlich selbstverständlich: Minderjährige in ärmeren Ländern haben dasselbe Recht auf Unversehrtheit wie jene in den reicheren Ländern, arme Diözesen haben dieselbe Pflicht zum Kinderschutz wie reiche. Das ist weltkirchlicher Mindeststandard.

Von Gudrun Sailer

Die Autorin

Gudrun Sailer ist Redakteurin bei "Vatican News".

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