Das bedeuten die Ostersonntage
50 Tage Festzeit

Das bedeuten die Ostersonntage

Ostern wirft einen langen Schatten: 50 Tage dauert die österliche Festzeit und jeder Sonntag hat seine ganz eigene Prägung. Katholisch.de erklärt, was es mit den Ostersonntagen auf sich hat und wie sie zu Pfingsten führen.

Von Fabian Brand |  Bonn - 12.04.2020

Mit dem Ostersonntag beginnt nach der Quadragesima der zweite Teil des Osterfestkreises, die österliche Festzeit. Sie richtet sich nach dem Osterfest und besitzt deswegen auch keinen festen Termin im Jahr, wie das zum Beispiel bei Weihnachten der Fall ist. Je nachdem, wann Ostern gefeiert wird, verlagert sich der Beginn der österlichen Festzeit von Ende März bis Ende April: Der frühestmögliche Ostertermin ist der 22. März, der späteste der 25. April.

Wie schon die Fastenzeit, so besitzt auch die Osterzeit eine feste Anzahl an Tagen und dauert jedes Jahr gleich lange, nämlich fünfzig Tage. Am Ende der Osterzeit steht das Pfingstfest, das sich nach dem Bericht der Apostelgeschichte am jüdischen Wochenfest Shavuot ereignet hat. Weil zwischen Pessach (dem biblischen Zeitpunkt der Kreuzigung und Auferstehung Jesu) und Shavuot (dem Tag, an dem die Geistsendung stattgefunden hat) im jüdischen Festkalender fünfzig Tage liegen, hat die christliche Osterfeier diesen Zeitraum übernommen.

Der Ostersonntag

Der erste Sonntag in der Osterzeit ist der Ostersonntag selbst. Er ist gewissermaßen der Sonntag schlechthin, weil an ihm in besonderer Weise die Auferstehung Jesu gefeiert wird. Die Feier des Ostersonntags schließt auch das österliche Triduum ab; die Liturgie dieses Sonntags wird häufig mit größter Feierlichkeit begangen.

Am Abend des Ostersonntags wird mancherorts die gemeinsame Vesper gefeiert, an die sich auch ein Friedhofsgang anschließen kann. Das Licht der Osterkerze wird hierbei zu den Gräbern gebracht in der Hoffnung, dass auch die Menschen, die dort bestattet sind, Anteil erhalten an der Auferstehung Jesu von den Toten.

Der zweite Ostersonntag

"Wie neugeborene Kinder" lauten die Worte aus dem ersten Petrusbrief, die über dem zweiten Ostersonntag stehen, der deshalb auch "Quasimodogeniti" genannt wird. Im Volksmund trägt dieser Sonntag aber einen anderen Namen: Weil die Menschen, die in der Osternacht getauft wurden, acht Tage lang ihr weißes Taufgewand trugen, heißt dieser Sonntag bis heute "Weißer Sonntag". Heute wird an diesem Sonntag, dem Oktavtag von Ostern, vielerorts die Erstkommunion gefeiert. Im Jahr 2000 hat Papst Johannes Paul II. diesen Tag auch als "Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit" ausgerufen.

Der zweite Ostersonntag hat ein festes Thema, das in allen drei Lesejahren wiederkehrt: Es ist die Begegnung des Auferstandenen mit Thomas. Weil er der Botschaft der anderen Jünger nicht sofort Glauben schenkt, wird er häufig als "Zweifler" oder "ungläubiger Thomas" bezeichnet.

Der dritte Ostersonntag

Die Liturgie des dritten Ostersonntags beginnt mit den Worten "Jauchzt vor Gott, alle Menschen der Erde" (Ps 66,1). Am Sonntag "Jubilate" variieren die Themen der Lesungstexte je nach Lesejahr. In diesem Jahr (Lesejahr A) lenkt das Evangelium den Blick auf die Begegnung zwischen dem Auferstandenen und den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus. Die Perikope aus dem Lukasevangelium reflektiert die urchristliche Feier der Eucharistie und zeigt, dass die Christen aller Jahrhunderte dem auferstandenen Herrn im Hören auf sein Wort und im Brechen des Brotes begegnen können.

Christus steigt als aufgehende Sonne in einem Kreis aus Licht aus dem Grab auf.

Das Zentrum des christlichen Glaubens: Die Auferstehung Jesu.

Der vierte Ostersonntag

Das Tagesgebet macht deutlich, welches Thema an diesem Sonntag angeschlagen wird: "Allmächtiger, ewiger Gott, dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen als der Gute Hirt". Weil an diesem Sonntag in allen Lesejahren ein Abschnitt aus dem zehnten Kapitel des Johannesevangeliums gelesen wird, in dem sich Jesus als der Gute Hirte bezeichnet, trägt dieser Tag auch den Namen "Guter-Hirten-Sonntag".

Vielerorts wird der vierte Ostersonntag aufgrund seiner thematischen Ausrichtung auch als Gebetstag um geistliche Berufe begangen. Die Bitte klingt wieder, der Herr möge Arbeiter in seinen Weinberg senden, damit das Gottesvolk nicht ohne Hirten sei.

Der fünfte Ostersonntag

"Singt dem Herrn ein neues Lied" (Ps 98,1) steht über dem fünften Sonntag der Osterzeit, der deshalb auch "Kantate" genannt wird.

Die Lesungen dieses Sonntags variieren; in diesem Jahr wird im Evangelium ein Abschnitt aus der Abschiedsrede Jesu aus dem Johannesevangelium gelesen. Im Zentrum steht dabei das Wort Jesu: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6).

Der sechste Ostersonntag

Der Sonntag vor dem Fest Christi Himmelfahrt heißt mit seinem lateinischen Namen "Vocem iucunditatis", was sich auf den Vers aus dem Propheten Jesaja bezieht: "Verkündet es jauchzend, damit man es hört!" (Jes 48,20) Da dieser Sonntag die sogenannten "Bitttage" eröffnet, wird er auch als "Bittsonntag" oder "Rogate" bezeichnet.

Wiederum wechseln die Schrifttexte dieses Sonntags je nach Lesejahr; in allen drei Jahren entstammt das Evangelium den johanneischen Abschiedsreden. Der Abschnitt, der in diesem Jahr gelesen wird, lädt die Hörer ein, die Gebote Jesu zu halten und dadurch die Liebe, die Jesus den Seinen geschenkt hat, auch heute an die Menschen weiterzugeben.

Ein Gemälde der Himmelfahrt von Jesus Christus in der Chiesa Nuova in Rom.

Der siebte Ostersonntag

Der siebte Sonntag der österlichen Festzeit steht noch ganz im Licht der Himmelfahrt des auferstandenen Herrn. Doch mitten in der Pfingstnovene lenkt er den Blick bereits auf das bevorstehende Fest und die damit verbundene Sendung des Heiligen Geistes.

Am Sonntag "Exaudi" (was sich vom Eröffnungsvers "Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen", Ps 27,7, herleitet) wird in allen drei Lesejahren ein Abschnitt aus dem hohepriesterlichen Gebet Jesu im 17. Kapitel des Johannesevangeliums gelesen. Die Texte der Liturgie greifen die Scharnierstellung dieses Sonntags auf: Einerseits lenken sie den Blick auf den Abschied Jesu von seinen Jüngern bei der Himmelfahrt, andererseits bringen sie die Erwartung seines bleibenden Beistands bis zum Ende der Tage ins Wort. Leitend steht hierbei der Gedanke der Geistsendung im Zentrum, der die Gegenwart des auferstandenen Herrn in der Gemeinschaft der Gläubigen präsent hält.

Der Pfingstsonntag

Fünfzig Tage nach dem Ostersonntag begeht die Kirche das Hohe Pfingstfest, das an die Geistsendung am jüdischen Erntefest Shavuot erinnert. "Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis" (Weish 1,7) lautet der Leitgedanke dieses Sonntags, der prägnant im Eröffnungsvers zusammengefasst wird.

In allen drei Lesejahren wird in der ersten Lesung das zweite Kapitel der Apostelgeschichte gelesen. Es ist die Erzählung von der Geistsendung, die beschreibt, wie der Geist in Feuerzungen auf die versammelten Apostel herabkommt und sie befähigt, das Evangelium von Jesus, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, in aller Welt zu verkünden. Pfingsten wird deswegen häufig auch als "Geburtstag der Kirche" bezeichnet. Gestärkt durch die Gabe des Heiligen Geistes können die Apostel ihrem Auftrag nachkommen, die Frohbotschaft bis zu den Enden der Erde zu verkünden.

Wie bereits am Ostersonntag, so hat sich auch an Pfingsten in der Liturgie der alte Brauch der Sequenz erhalten: Dieser Hymnus steht nach der zweiten Lesung vor dem Halleluja-Ruf und beginnt mit den Worten "Komm herab, o Heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt". Im Mittelalter gab es eine Vielzahl solcher Sequenzen, mit deren Hilfe man sich die Melodie des ausschweifenden gregorianischen Halleluja-Rufs memorierte. In der heutigen liturgischen Praxis hat sich die Sequenz nur noch an Ostern, Pfingsten, Fronleichnam und dem Gedächtnis der Schmerzen Mariens erhalten.

Mit der Vesper am Pfingstsonntag schließt der österliche Festkreis. Als äußeres Zeichen wird die Osterkerze, die während der Osterzeit am Altar bei jedem Gottesdienst gebrannt hat, zum Taufbrunnen gebracht. Der Pfingstmontag, der zumindest in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag ist, gehört liturgisch nicht mehr zur Osterzeit, sondern bereits zur Zeit im Jahreskreis. An ihm klingt in der Votivmesse zum Heiligen Geist das Pfingstgeschehen noch einmal nach.

Von Fabian Brand