Der Papst (links unten) mit Blumenkette in den Brasilien-Farben um den Hals hält die Hände von zwei begeisterten brasilianischen Frauen (rechts oben). Eine dritte Frau macht ein Foto.
Papst Franziskus wendet sich bei Favela-Besuch den Armen zu

Appell für Solidarität

Mit einem eindringlichen Appell hat Papst Franziskus bei seiner Brasilienreise die Menschheit zu mehr Solidarität und sozialer Gerechtigkeit aufgerufen. "Niemand kann gegenüber den Ungleichheiten, die weiterhin in der Welt bestehen, gefühllos bleiben", sagte er am Donnerstag beim Besuch der Armensiedlung Varginha im Norden von Rio de Janeiro. "Werdet nicht müde, für eine gerechtere und solidarischere Welt zu arbeiten!", rief er den Reicheren und den Vertretern des öffentlichen Lebens entgegen.

Rio de Janeiro - 25.07.2013

Egoismus oder Individualismus könnten eine bewohnbarere Welt nicht aufbauen, sondern eine Kultur der Solidarität. Dazu gehöre, im anderen "nicht einen Konkurrenten oder eine Nummer zu sehen, sondern einen Bruder", betonte der Papst bei seiner Ansprache auf einem Sportplatz der Favela. Er befindet sich seit Montag wegen des Weltjugendtags in Rio .

Mit Nachdruck wandte sich der Papst vor einigen Tausend Bewohnern gegen eine Ausgrenzung von Teilen der Gesellschaft, insbesondere der Armen. Er forderte die brasilianische Gesellschaft auf, bei ihrem Kampf gegen Hunger und Elend alle Teile der Bevölkerung, auch die Menschen an der Peripherie, zu erfassen und sie nicht sich selbst zu überlassen. "Nur wenn man fähig ist zu teilen, wird man wirklich bereichert", sagte der Papst. Der Maßstab für die Größe einer Gesellschaft "liegt in der Art, wie sie die behandelt, die am meisten Not leiden, diejenigen, die nichts besitzen als ihre Armut!"

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Shorty am Zuckerhut, Folge 4: Der Religionspädagoge Johannes Niggemeier stellt zwei soziale Projekte der AVICRES in Brasilien vor.

Der argentinische Papst würdigte zugleich die brasilianischen Anstrengungen im Kampf gegen Hunger und Elend. Nach den jüngsten sozialen Unruhen forderte er die junge Generation des Landes auf, sie solle nicht enttäuscht sein und nicht verzagen angesichts von Korruption und Ungerechtigkeiten, denn die Wirklichkeit könne sich ändern, und sie könnten dazu beitragen.

Spontaner Hausbesuch

In der Favela mit 1.200 Bewohnern betrat der Papst für zehn Minuten ein Haus und besuchte eine Familie. Außerdem weihte er den Altar der Kapelle "Sao Jeronimo Emiliano" ein. Als Geschenk übergab er dem Pfarrer der Gemeinde einen Kelch. Auf dem Sportplatz wurde er von einer jungen Familie begrüßt, die ihm für den Besuch dankte und über ihre Situation informierte. Auf einer Hauswand gegenüber dem Papstpodium war ein großes Porträt des 1980 in San Salvador ermordeten Erzbischofs Oscar Romero zu sehen, für den derzeit ein Seligsprechungsverfahren im Gang ist.

Die Kirche sei "Anwältin der Gerechtigkeit und Verteidigerin der Armen gegen untragbare soziale und himmelschreiende wirtschaftliche Ungerechtigkeiten", hob Papst Franziskus weiter in seiner Rede hervor. Sie biete ihre Mitarbeit zu allen Initiativen an, die eine "wahre Entwicklung jedes Menschen" beinhalteten. Dazu gehöre neben dem Kampf gegen Hunger auch der Einsatz für immaterielle Güter wie Lebensschutz, Familie, Erziehung, Gesundheit und Sicherheit.

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Shorty am Zuckerhut, Folge 6: Sarah "Shorty" Schortemeyer steht mit all den anderen am Rathaus an, wo die Papst-Kolonne erwartet wird.

Segnung der Olympia-Fahnen

Vor dem Favela-Besuch hatte Franziskus das Rathaus besucht, wo er symbolisch den Schlüssel der Stadt Rio de Janeiro erhielt. Vom Balkon aus segnete der Papst die offiziellen Fahnen für die Olympischen Spiele und die Paralympics 2016, die in der brasilianischen Metropole ausgetragen werden. Dabei wurde Franziskus auch von einigen Sportlern des Landes begrüßt. Als Geschenk erhielt er ein grünes brasilianisches Fußball-Nationaltrikot mit der Aufschrift "Papa Francesco".

Der Papst bedankte sich für die Ehrung durch die Stadt und spendete den Anwesenden seinen Segen. Zugleich bat er sie um ihr Gebet. Anders als zunächst vorgesehen legte der Papst die 14 Kilometer lange Strecke von seiner Unterkunft zum Rathaus im geschlossenen Minivan (siehe Video) und nicht im offenen Geländewagen zurück. (luk/KNA/dpa)