Kirchensteuerrückgang: Bistum Osnabrück kündigt Investitionsstopp an
Auch Auswirkungen auf Personal wegen Corona-Krise

Kirchensteuerrückgang: Bistum Osnabrück kündigt Investitionsstopp an

Auch den deutschen Bistümern bereitet die Corona-Krise finanzielle Schwierigkeiten. Nun hat das Bistum Osnabrück konkrete Konsequenzen angekündigt. Dazu gehört eine schmerzliche Ansage an die einzelnen Kirchengemeinden.

Bonn - 30.04.2020

Das Bistum Osnabrück hat als Reaktion auf die zurückgehenden Kirchensteuern in der Corona-Krise Kürzungen beim Personal und einen Investionsstopp angekündigt. In einem heute veröffentlichten Schreiben an Pfarrgemeinden und Gremien erklärt Generalvikar Theo Paul, das Bistum erwarte "merkliche Einschnitte bei den Kirchensteuereinnahmen". Deswegen dürften freie Stellen bei der Bistumsverwaltung nur noch intern besetzt werden. Bei der Ausbildung von pastoralen Mitarbeitern müsse für künftige Jahrgänge die Zahl der Ausbildungsplätze der Situation angepasst werden. Jeder, der bereits jetzt eine Zusage für einen Ausbildungs- oder Arbeitspatz habe, könne die Stelle aber wie geplant antreten. Bereits laufende Bewerbungsverfahren sollten abgeschlossen werden.

Keine finanziellen Hilfen an die Gemeinden

Kirchengemeinden, Vereine und Verbände, die von der Corona-Krise betroffen seien, könnten wegen der sich verschlechternden Lage nicht mit Finanzhilfen des Bistums rechnen, heißt es in dem Schreiben des Generalvikars. Ab dem kommenden Haushaltsjahr würden voraussichtlich zudem Kürzungen der regulären Bistumszuweisungen erforderlich.

Der romanische Dom St. Petrus in Osnabrück.

Das Bistum Osnabrück (hier der Dom St. Petrus) kündigte Einschnitte wegen der finanziellen Folgen der Corona-Krise an.

Außerdem hat das Bistum einen "Investitionsvorbehalt" beschlossen. Ausnahmen sind auch hier bereits beschlossene Projekte oder Bauarbeiten, die etwa aus sicherheitstechnischen Gründen unaufschiebbar sind. Ein Beispiel sind Brandschutzmaßnahmen.   

Paul schreibt weiter, dass die genauen finanziellen Auswirkungen der Pandemie zwar noch unklar seien. "lm Sinne einer vorausschauenden Haushalts- und Finanzpolitik" müsse das Bistum aber schon jetzt reagieren. So könne auch sichergestellt werden, dass die Diözese ihren finanziellen Pflichten weiter nachkommen kann. Das Bistum hat den diesjährigen Haushalt mit rund 189 Millionen Euro geplant, wovon gut 160 Millionen Euro als Kirchensteuereinnahmen verzeichnet sind.

Die Deutsche Bischofskonferenz rechnet unterdessen auch für andere Bistümer mit finanziellen Einbußen wegen der Corona-Pandemie. Laut Sprecher Matthias Kopp werden deren Folgen wie Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit zu einem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen führen. "Wie hoch dieser Rückgang kurz- und mittelfristig sein wird, kann aktuell nicht seriös beziffert werden", so Kopp am Donnerstag gegenüber katholisch.de. Das hänge unter anderem davon ab, wie lange der Shut-Down der Wirtschaft noch andauere.

Bätzing: Abwägen, was wir uns als Kirche noch leisten können

Schon bei einer Videokonferenz des Ständigen Rats der Bischofskonferenz Anfang der Woche hatten die Bischöfe über das Thema diskutiert. Der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing sprach von einem bevorstehenden "schmerzlichen Prozess". Durch die Corona-Pandemie werde man "abwägen müssen, was wir als Kirche finanziell künftig noch leisten können und wovon wir uns verabschieden müssen." Mit Sorge sehen die Bischöfe unter anderem die Situation der kirchlichen Akademien und Bildungseinrichtungen. (gho)