"Massiver Dissens in Kernfragen"

Synodalforenleiterin Mock kritisiert Schwaderlapp-Ausstieg

Aktualisiert am 02.06.2020  –  Lesedauer: 

Aachen ‐ Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp ist aus dem Synodalforum zur Sexualmoral ausgestiegen, weil es die katholische Sexualmoral hinterfragt. So ist es, bekräftigt die Leiterin des Forums – und kritisiert den Bischof.

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Die Vorsitzende des Synodalforums "Leben in gelingen Beziehungen" Birgit Mock weist die Kritik des Kölner Weihbischofs Dominikus Schwaderlapp an der Arbeit des Forums zurück. Gegenüber der "Aachener Zeitung" betonte sie am Wochenende, dass es ausdrücklich Auftrag ihres Gremiums sei, die kirchliche Sexualmoral auf den Prüfstand zu stellen. Dieser Auftrag gehe auf die Vollversammlung der Bischofskonferenz 2019 in Lingen zurück, bei dem sich die Bischöfe mit Konsequenzen aus der Missbrauchskrise beschäftigt hatten und sei durch die MHG-Studie zum Missbrauch in der Kirche sowie die erste Synodalversammlung des Synodalen Wegs im Januar bekräftigt worden.

Man müsse "die Möglichkeiten in den Blick nehmen, wie kirchliche Positionen zu Sexualität und insbesondere zu Homosexualität weiter entwickelt werden können und müssen", so Mock. Dass es dabei einen "massiven Dissens in Kernfragen" gebe, sei nicht überraschend.

Schwaderlapp: "Fundament auf Sand gebaut"

Schwaderlapp hatte in der vergangenen Woche erklärt, seine Mitarbeit am Synodalforum einzustellen, da er die Arbeitsgrundlage nicht teile, dass Sexualität mehrere Sinndimensionen über die von der katholischen Sexuallehre anerkannten der Fortpflanzung und Liebe hinaus habe. Daher habe er seine Arbeit beenden müssen: "Wenn das Fundament eines Hauses in Treibsand gesetzt ist, vermag ich nicht daran mitzubauen", so der Weihbischof gegenüber der "Tagespost". Mock wies die darin implizierte "Zuschreibung, nicht katholisch zu sein", zurück: "Gerade wenn wir miteinander ringen, in unserem Fall um die Frage, wie wir als Kirche glaubwürdig für gelingende Liebesbeziehungen von Paaren eintreten können, ist das katholisch."

Mock würdigte das Engagement der Forenmitglieder. Der Umgang sei offen, fair und vertrauensvoll. Den Ausstieg Schwaderlapps bedauere sie. Auch er habe sich verlässlich und konstruktiv in die Arbeit eingebracht. Zugleich kritisierte sie aber auch den Bruch der Vertraulichkeit der Beratungen durch den Weihbischof. "Inhalte jetzt in den Medien auszubreiten, bevor die Versammlung beraten hat, halte ich nicht für hilfreich."

Mock, die familienpolitische Sprecherin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken ist, leitet das Synodalforum "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft" zusammen mit dem Aachener Bischof Helmut Dieser. Dieser übernahm die Leitung im Mai, nachdem der Limburger Bischof Georg Bätzing aufgrund seiner Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz dieses Amt abgegeben hatte. (fxn)