Die goldene Marienstatue auf dem Turm der Kirche Notre Dame de la Garde in Marseille, Frankreich.
Kleriker und Laien müssten gemeinsam Weg aus Krise finden

Französische Katholikinnen fordern Synodalen Weg auch in ihrer Kirche

Die Skandale der letzten Jahre haben das Vertrauen von Frankreichs Gläubigen erschüttert: Als Ausweg aus der Krise fordern katholische Frauen einen Dialog zwischen Laien und Klerus auf Augenhöhe – und orientieren sich an einem konkreten Beispiel.

Paris - 12.06.2020

Fünf französische Katholikinnen fordern einen Dialogprozess ähnlich dem Synodalen Weg auch für die Kirche in FrankreichAls Ausweg aus der durch Missbrauchsskandale und Mitgliederschwund verursachten Krise brauche es einen Austausch auf Augenhöhe zwischen Klerus und Laien – "und Deutschland gibt uns ein gutes Beispiel dafür", schreiben die Autorinnen in einem offenen Brief, der zu Wochenbeginn in der französischen Tageszeitung "La Croix" veröffentlicht wurde.  

Der Kirche in Frankreich fehle ein Forum für (einen) Dialog, so die Verfasserinnen weiter. Im November 2019 habe die französische Bischofskonferenz zwar eine Gruppe Laien zu einer Sitzung der Vollversammlung zum Thema Ökologie eingeladen, doch die Autorinnen "träumen" von einer "nationalen Synode", um zum einen offen über die Probleme der Kirche zu sprechen, zum anderen aber auch "eine Kirche von Morgen, die fähig ist, die existenziellen Fragen der Gegenwart zu beantworten" zu denken. 

Der Synodale Weg in Deutschland könne da als Vorbild dienen: "Ins Leben gerufen auf Initiative der deutschen Bischöfe in enger Zusammenarbeit mit den Laien, befasst er sich mit heiklen Themen: Sexualmoral, die Rolle der Frau, Machtmissbrauch und Zölibat." Das strenge Protokoll für die Versammlungen folge nicht der bei Bischofstreffen üblichen, hierarchischen Ordnung, sondern ermögliche den Austausch von Argumenten zwischen Bischöfen und Laien – "und damit auch Frauen", heißt es weiter.

Eine Frau auf dem Bischofsstuhl von Lyon?

Auslöser für den Appell war die Kandidatur der Theologin Anne Soupa für das Amt des Erzbischofs von LyonDie Verfasserinnen ordnen Soupas Kandidatur als "Akt der Provokation" ein; die Skandale der letzten Jahre, in denen sexueller MissbrauchMachtmissbrauch sowie spiritueller Missbrauch ans Licht der Öffentlichkeit gelangt seien, machten aber auch in ihren Augen eine Diskussion über die Zukunft der katholischen Kirche im Land und die Rolle der Laien darin unumgänglich. Gerade die Glorifizierung von oder apologetische Haltung gegenüber Priestern und Ordensgründern in Frankreichs Kirche sei dabei ein Problem. "In einer sich rasant wandelnden Welt muss die Kirche ihren ausgetretenen Weg verlassen. Papst Franziskus lädt uns dazu ein, wenn er von einer Kirche spricht, die 'aus sich selbst herausgeht'." 

Verfasst wurde der Appell von der Präsidentin der französischen Carita"Secours catholique-Caritas France", Véronique Fayet, der Theologin Monique Baujard, der Präsidentin der französischen Pfadfinder, Marie Mullet-Abrassart, und den beiden Journalistinnen Véronique Prat und Dominique Quinio. (cst)