Bischof Stefan Oster bei einer Pressekonferenz
Es gehe nicht darum, in allem möglichst relevant zu bleiben

Bischof Oster: Kirche droht Glaubenskern zu verlieren

Mit Blick auf die eigene gesellschaftliche Relevanz verliere die Kirche gerade ihre Identität, glaubt der Passauer Bischof Stefan Oster. Aus seiner Sicht müssten die Christen sich jetzt sammeln und auf eine andere Art von Relevanz achten.

Freiburg - 25.06.2020

Der Passauer Bischof Stefan Oster fürchtet, dass die katholische Kirche durch eine Anpassung an die moderne Gesellschaft ihren "inneren Kern" und ihre religiöse Identität verlieren könnte. Es sei an der Zeit, nach Wegen zu suchen, "wie wir ernsthaft unsere eigene gläubige Identität stärken und erneuern können", schreibt Oster in einem Gastbeitrag für die Juli-Ausgabe der "Herder Korrespondenz".

Hinter der Diskussion über Zölibat, Sexualmoral und Frauenweihe erkenne er den Wunsch, die kirchliche Lehre an die moderne Gesellschaft anzupassen. Dies sei allerdings der falsche Weg. Es sei nun wichtig, sich zu sammeln und weniger nach Wegen zu suchen "wie wir als Kirche in allem möglichst relevant um der gesellschaftlichen Relevanz willen bleiben", so Oster.

Die Corona-Pandemie habe vor allem die Frage nach der Art der Relevanz von Kirche für die aktuelle Zeit und Gesellschaft nach oben gespült. Das Zweite Vatikanische Konzil habe dazu eine erneuerte Glaubensvertiefung für alle Menschen anstoßen wollen, "eine Vertiefung, die dann erst recht dazu befähigt, weit hinauszugehen", so der Passauer Bischof.

Kirche wachse dort, wo Menschen sich neu sammeln

"Ich meine festzustellen: Wo immer heute Kirche und Glaube in der Welt Wachstumsbewegungen erfahren, dann dort, wo Menschen sich neu sammeln, wo sie ernsthaft und offen und tief miteinander beten, wo sie ausdrücklich auch inhaltlich um ihren Glauben ringen", schreibt Oster. Christen, die aus einer solchen Sammlung kämen, seien häufig ansprechend für andere, brächten sich aber auch nach außen entscheidend ein.

Letztlich gehe es nicht um bloße Systemrelevanz, sondern um Heilsrelevanz. "Wo wir nicht mehr heilsrelevant sind, weil wir dieses Heil selbst nicht mehr glauben oder erfahren haben, dort wird jede andere Relevanz letztlich kraftlos und deshalb verzichtbar." Die Corona-Krise mit deRat- und Hilflosigkeit der Kirche angesichts der Not von vielen, aber auch mit den zahllosen oft kreativen Weisen des Engagements könnten den Gang in eine Sammlung nach innen und eine Stärkung erneuerter christlicher Identität von Menschen anstoßen und vertiefen, so Oster. (cbr)