Carolin Kebekus bei einem Auftritt
Deutsche Bischofskonferenz: Blasphemische Elemente können verletzend sein

Kabarettistin Kebekus nimmt erneut katholische Kirche aufs Korn

"Moses teilt das Meer, wir teilen Käsekuchen": Mit Sprüchen wie diesem kritisiert Carolin Kebekus in einem neuen Beitrag die katholische Kirche. Unterdessen reagierte die Deutsche Bischofskonferenz auf den Beitrag der Kabarettistin.

Köln - 10.07.2020

Die Kabarettistin Carolin Kebekus hat erneut die katholische Kirche aufs Korn genommen und zugleich die Forderungen der Bewegung "Maria 2.0" nach mehr Beteiligung von Frauen unterstützt. In ihrer "Carolin Kebekus Show" in der ARD präsentierte sie am Donnerstagabend ein Video, in dem sie der Kirche vor allem Frauenfeindlichkeit vorwirft. "Alte Männer am Altar, Frauen kannst Du ewig suchen", heißt es in dem neuen Rap der 40-Jährigen: "Moses teilt das Meer, wir teilen Käsekuchen."

Weiter singt sie etwa: "Bei der Priesterweihe kommen wir nicht an die Reihe, nächster Papst wird eher 'n Heide, als jemand mit 'ner Scheide." Eine schwarze "Göttin" tritt auf und betont unter anderem: "Was Vatikan, das kann Mutti schon lange". Im Refrain heißt es: "Alle Ladies in Gottes Gemeinden, es ist Zeit, unsere Stimme zu vereinen" und "alle Girls, Mamas und Mädchen, werft die Hände hoch für die erste Päpstin". Am Ende des Videos mit dem Titel "Im Namen der Mutter" wird eine junge schwarze Frau zur Päpstin gewählt.

Zuspruch für "Maria 2.0"

In der Show nahm sie außerdem Bezug auf die Forderung der Bewegung "Maria 2.0" nach mehr Rechten für Frauen in der Kirche. Zugleich erwähnte sie Papst Johannes Paul II., der 1994 erklärt hatte, die Kirche habe keine Befugnis, Frauen zu Priesterinnen zu weihen. In Zukunft, so die Kabarettistin weiter, würden vermutlich noch viele Frauen aus der Kirche austreten, obwohl sie eigentlich bleiben wollten, in ihren Gemeinden tief verwurzelt seien und ihren Glauben leben wollten.

Kebekus ergänzte, sie selbst sei zwar aus der Kirche ausgetreten, fühle sich aber weiterhin als katholisch getaufte Christin: "Also ich kann diese Verbundenheit der Frauen von "Maria 2.0" mit der Gemeinde und dem Glauben absolut nachvollziehen." Für sie sei es ein "riesiges Rätsel, warum man nicht das Engagement dieser Frauen nutzt".

Wörtlich sagte die 40-Jährige weiter: "Euer Laden geht den Bach runter, und da stehen schlaue, hochintelligente, studierte Frauen voller Liebe für ihre Kirche und wollen helfen." Zum Schluss ihrer Ausführungen appellierte Kebekus: "Ich hoffe auf Veränderungen, und ich hoffe, dass jetzt alle Frauen die Kirchen stürmen und sie zu neuem Leben erwecken."

Mit einem Facebook-Post reagierte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Freitag auf das Video der Kabarettistin. Mit Grüßen vom "ältesten Männerverein der Welt" richtetet sich der Beitrag direkt an Kebekus und dankt für die im Video vorgenommene "Zusammenfassung unserer Geschichte und Wertvorstellungen." Weiter hält die Bischofskonferenz fest, man arbeite "noch immer hart daran, unsere Verfehlungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte aufzuarbeiten."

Es sei sehr traurig, "wenn Sie selbst sagen, dass Sie aus der Kirche ausgetreten sind und damit die Beziehung zu 'unserem Maskottchen' verloren haben – um es mit Ihren Worten zu sagen. Sie können sich dennoch gewiss sein, dass 'unser Maskottchen' immer für Sie da ist. Auch wir als Kirche sind jederzeit ansprechbar", heißt es in dem Post. 

Zum Schluss wenden sich die Bischöfe mit einer Bitte an Kebekus: "Bei aller Liebe zur Satire – Äußerungen, die blasphemische Elemente enthalten, können auch verletzend sein. Vielleicht sollten Sie hier auch die Katholiken und Katholikinnen im Blick behalten, die mit ihrem Herzen in der Kirche sind und zu dem stehen, woran sie glauben." Unterzeichnet hat den Facebook-Post Julia Rosner aus der Social-Media-Redaktion der Deutschen Bischofskonferenz.

Die Katholikinnen-Initiative "Maria 1.0" kritisierte das Video. Der Clip offenbare genau, wo das katholische Grundproblem in Deutschland sei, sagte Gründerin Johanna Stöhr am Freitagabend in Schongau. "Denn wie kann man für Frauen ein heiliges Amt einfordern wollen, während man gleichzeitig zeigt, dass einem nichts heilig ist?" Unter dem Deckmantel der künstlerischen Freiheit und mit Unterstützung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks werde der katholische Glaube beleidigt und "übelste Hetze gegen die Kirche" betrieben, so Stöhr weiter. "Man darf sich fragen, ob so etwas auch gegen andere Religionen in Deutschland ohne politische Massenentrüstung möglich wäre."

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) hat das Video dagegen gelobt. "Satire spitzt zu und überzieht auch manches, aber der Kern ist wahr: Die katholische Kirche in Deutschland wird nur glaubwürdig und zukunftsfähig sein, wenn sie Frauen deutlich stärker als bisher in ihre Strukturen und in Veränderungsprozesse einbezieht", sagte KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Eine Sprecherin von "Maria 2.0" kommentierte das Video und die Show von Kebekus mit den Worten: "Kirche sollte sich freuen, so lebhaft ins Gespräch gebracht zu werden. Merke: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und nach gemeinsamen Lachen kann man sich am Kopf kratzen - und nachdenken."

Kabarettistin polarisierte bereits in der Vergangenheit

Kebekus hatte unter anderem 2013 mit dem Video "Dunk den Herrn" für Aufregung gesorgt. In dem Beitrag leckte die als Nonne verkleidete Komikerin mehrfach an einem Kruzifix. Zudem gab es Anspielungen auf den sexuellen Missbrauch durch Priester. Das Video sorgte für rund 100 Anzeigen. Die Kölner Staatsanwaltschaft stellte aber die Ermittlungen ein, da Satire im Sinne der grundgesetzlich garantierten Kunstfreiheit hinzunehmen sei. Der WDR nahm aber das Video aus dem Programm, woraufhin die Kabarettistin dem Sender Zensur vorwarf.

Für die "heute-Show" im ZDF hatte Kebekus zudem versucht, sich am Rande der Bischofsvollversammlung 2013 in Trier als Päpstin zu bewerben. Kurz zuvor hatte Benedikt XVI. seinen Rücktritt angekündigt. (cbr/mpl/KNA)

10.07. um 13.45 Uhr: Ergänzt um Stellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz und des Katholischen Deutschen Frauenbundes. 11.7. um 9.30 Uhr: Ergänzt um die Stellungnahme von "Maria 2.0" und "Maria 1.0".