Jüdische Studierende können künftig Jom-Kippur-Gebote einhalten

Uni Bochum: Alternative zu Prüfungen an religiösen Feiertagen möglich

Aktualisiert am 14.07.2020  –  Lesedauer: 

Bochum ‐ An Jom Kippur und Pessach gilt für Juden ein Fast- und Ruhegebot – auch Schreiben ist nicht erlaubt. Ein Problem für jüdische Studierende: Immer wieder fallen die Feste in Prüfungszeiträume. In Bochum können sie nun ungestört feiern.

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Die Ruhr-Universität Bochum bietet künftig Alternativen zu Prüfungsterminen an religiösen Feiertagen an. Wie die Jüdische Allgemeine (Dienstag) berichtet, hat der Senat der Universität am vergangenen Donnerstag den Beschluss gefasst, bei Prüfungsterminen, die zur "Befolgung religiöser Gebote in direktem Widerspruch stehen", grundsätzlich Ersatztermine zu ermöglichen.

Damit solle die Religionsfreiheit aller Universitätsangehörigen gewährleistet werden. Der Beschluss sei einstimmig erfolgt und bewusst religionsneutral formuliert. Mit ihm bekenne sich die Universität zu "unserer besonderen historischen Verantwortung dem Judentum und anderen verfolgten Religionsgemeinschaften gegenüber".

Auf den Beschluss berufen können sich alle Studierende, die einen Gewissenskonflikt bei Prüfungen an Feiertagen überzeugend darlegen können. Vor allem sind jüdische Studierende im Blick, die das Schreibverbot an den Feiertagen Jom Kippur und Pessach einhalten.

2019 und 2020 fallen Jom Kippur und Pessach in Prüfungszeiträume

Bereits 2019 hatte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, von Hochschulen Rücksicht auf die religiösen Gebote gefordert. Bund, Länder und Universitäten stünden in einer historischen Verantwortung, die Belange von jüdischen Studierenden zu berücksichtigen. 2019 fielen viele Prüfungen auf den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur am 8. und 9. Oktober. 2020 fiel Pessach (8.–16. April) in die Prüfungszeit. Auch die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hatte sich jüngst mit einer Kleinen Anfrage mit dem Thema befasst und die Bundesregierung zu mehr Engagement aufgefordert. Die Bundesregierung bekräftigte, dass die Arbeitsruhe an jüdischen Feiertagen grundsätzlich in den Schutzbereich des Grundgesetzes falle.

Jom Kippur, auf deutsch Versöhnungstag, ist der höchste Feiertag des Judentums und wird nach jüdischem Kalender am 10. Tischri begangen;nach gregorianischem Kalender fällt er in den September oder Oktober. Er ist als strenger Ruhe- und Fastentag zu begehen. Das Pessach-Fest erinnert an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und wird in der Woche vom 15.–22. Nisan gefeiert; er fällt in den März oder April. (fxn)