Die Broschüre "Katholische Kirche in Deutschland. Zahlen und Fakten 2019/20"
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Zahlen und Fakten 2019/20 zur katholischen Kirche erschienen

Neue Zahlen: Rekord-Hoch bei Kirchensteuereinnahmen 2019

Obwohl es immer weniger Kirchenmitglieder gibt, steigen die Einnahmen der Kirche aus der Kirchensteuer. Trotzdem hat die Kirche im vergangenen Jahr bereits weniger Geld ausgegeben als zuvor. Doch mancherorts kann die Statistik auch steigende Zahlen verzeichnen.

Bonn - 20.07.2020

2019 sind die Kirchensteuereinnahmen um 1,8 Prozent auf 6,76 Milliarden Euro gestiegen. Das geht aus der am Montag von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Arbeitshilfe "Zahlen und Fakten 2018/2019" hervor. Im Vorjahr waren es noch 6,643 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr rechnet die Kirche aufgrund der Corona-Pandemie mit einem deutlichen Einbruch der Kirchensteuern. In der Broschüre sind schwerpunktmäßig Daten zum kirchlichen Leben veröffentlicht. Die aufgeführten Statistiken seien "keine Leistungsschau, sondern ein Querschnitt dessen, wo wir präsent sind, was wir tun und wo unsere Stärken liegen", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, im Vorwort der Broschüre. Der Berichtszeitraum ist das Jahr mit den bisher höchsten Kirchenaustrittszahlen in der Geschichte der katholischen Kirche in der Bundesrepublik. Diese Zahlen wurde bereits Ende Juni in der Kirchenstatistik veröffentlicht. Zu den hohen Kirchensteuereinnahmen trotz der Austritte führte die gute Lage am Arbeitsmarkt. Auch die evangelische Kirche erzielte 2019 einen Zuwachs bei der Kirchensteuer: Mit 5,96 Milliarden Euro nahm sie 2,7 Prozent mehr ein als im Vorjahr.

Bei den Austrittszahlen und am Rückgang beim Empfang der Sakramente sei der "Prozess der Erosion persönlicher Kirchenbindung" besonders sichtbar, so Bätzing. Zwar seien die Rückgänge auch demographisch bedingt, sie zeigten aber in erster Linie, "dass wir trotz unseres konkreten pastoralen und sozialen Handelns eine Vielzahl von Menschen nicht mehr für das kirchliche Leben motivieren". Dennoch sei die Kirche "entsprechend ihrem Auftrag sehr präsent". Wie sich die Corona-Pandemie auf lange Sicht auswirke, sei noch offen. Laut dem Sekretär der Bischofskonferenz Hans Langendörfer hätten auch die Kirchen die "Erfahrung einer gewissen Hilflosigkeit gemacht". Da von der Pandemie besonders arme Länder betroffen seien, sei Solidarität nun das Gebot der Stunde.

Leichter Rückgang bei Mitteln für Flüchtlinge und andere soziale Zwecke

Das Engagement der Kirche für soziale Zwecke ist nach wie vor hoch, ging aber im Vergleich zum Vorjahr etwas zurück. Hilfswerke, Orden und Bistümer haben 2019 eine Gesamtsumme von 591,6 Millionen Euro für Hilfsprojekte zur Verfügung gestellt. Im Vorjahr waren es noch 628,3 Millionen Euro.

Ein wichtiger Bereich stellt weiter die Flüchtlingsarbeit dar. Insgesamt wurden 116,1 Millionen Euro für Flüchtlingshilfe im In- und Ausland zur Verfügung gestellt (Vorjahr: 125,5 Millionen). Die Summe gliedert sich in Hilfe im Ausland (77,4 Millionen), im Inland (38,7 Millionen, inklusive 1,8 Millionen in Sachleistungen) sowie für die Unterstützung ehrenamtlicher Flüchtlingsarbeit (5,2 Millionen). 5.100 Hauptamtliche und 44.500 Ehrenamtliche engagieren sich für Geflüchtete. Im Vorjahr waren es noch 51.000 Ehrenamtliche.

Mehr Chorsänger, keine neuen Zahlen zu Ministranten und weiblichen Führungskräften

Rückläufig sind die Teilnehmendenzahlen in der Erwachsenenbildung; sie sanken von 3,8 Millionen auf 3,7 Millionen Menschen. Insgesamt wurden 2019 172.180 Veranstaltungen mit 2,45 Millionen Unterrichtsstunden angeboten, im Vorjahr waren es noch 175.417 Veranstaltungen und 2,5 Millionen Unterrichtsstunden.

Einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete ebenfalls die Anzahl der Theologiestudierenden (von 18.824 auf 18.251). Während die Anzahl der Kinder- und Jugendchöre leicht zurückging (von 3.982 auf 3.926), stieg die Zahl der Kirchenchöre leicht von 13.579 auf 13.889, etwa 2.000 Menschen mehr als im Vorjahr sind Chormitglieder (330.965).

Einige Zahlen wie etwa zum Frauenanteil in Führungspositionen oder zur Zahl der Ministranten (360.000, 53 Prozent weiblich) werden nicht jedes Jahr neu erhoben. Sie sind daher in der Statistik mit dem letzten bekannten Wert ausgewiesen. Die Anzahl von Frauen in kirchlichen Leitungspositionen habe in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, heißt es in der Broschüre. 2018 waren 19 Prozent der oberen Leitungsebene in Bischöflichen Ordinariaten und Generalvikariaten mit Frauen besetzt, in der mittleren Ebene waren es 23 Prozent. Im Vergleich zur Erhebung 2013 sind das Zuwächse um 6 beziehungsweise 4 Prozentpunkte. Die nächste Erhebung des Frauenanteils soll nach fünf Jahren erfolgen. Auf ihrer Vollversammlung in Lingen 2019 hatten die Bischöfe eine Zielmarke von mindestens einem Drittel Frauen in Führungspositionen gesetzt. Am in Kooperation mit dem Hildegardisverein organisierten Mentoring-Programm für Frauen in Führungspositionen haben laut der aktuellen Zahlen 94 Frauen teilgenommen, weitere 64 sind angemeldet. (fxn)