Was unter den Furchen des Alltags verborgen ist
Schwester Birgit Stollhoff über das Sonntagsevangelium

Was unter den Furchen des Alltags verborgen ist

Im Sonntagsevangelium geht es um einen vergrabenen Schatz mit einer besonderen symbolischen Bedeutung. Schwester Birgit Stollhoff erinnert daran, diesen Schatz auch im eigenen Leben zu entdecken und das eigene Tun zu reflektieren. Sonst ist es leicht, die Richtung zu verlieren.

Von Sr. Birgit Stollhoff CJ |  Hannover - 25.07.2020

Impuls von Schwester Birgit Stollhoff

"Wir kriegen das irgendwie hin. Es ist ja für Kinder und Jugendliche." Diesen Satz habe ich so ähnlich in den letzten Wochen von zwei ganz unterschiedlichen Mitarbeiterinnen in der Bistumsverwaltung gehört – aus der Bauabteilung und aus der Buchhaltung. Und er hat mir imponiert: Beide Mitarbeiterinnen hatten in ihrer Arbeit zwischen Bauplänen und Kostenstellen ganz klar, worum es bei ihrer Arbeit geht: Darum, Kinder und Jugendliche in unserem offenen Jugendcafé zu unterstützen.

Beide finde ich in den Gleichnissen des heutigen Sonntagsevangeliums wieder. Alles aufzugeben für einen Schatz, für eine Perle mag töricht klingen. In einer multioptionalen Gesellschaft stellt man das eigene Leben und die Zukunft besser auch auf verschieden Säulen. Wir verteilen das Vermögen in verschiedene Fonds und Anlagen, wir haben neben der Familie noch ein Netzwerk, wir haben verschiedene berufliche Qualifikationen. Da erscheint es erstmal sehr eindimensional und leichtsinnig, all das aufzugeben. Alles zu verkaufen für das eine Stück Land mit dem einen Schatz? Oder noch schlimmer – die eine Perle, ganz ohne Nutzwert und Mehrfachverwertung? Gleichzeitig kennen und bewundern wir eine solche Fokussierung, das "alles auf eine Karte setzen": Wir bejubeln Sportler, die jahrelang auf den einen Wettkampf hin trainieren; wir lieben Musiker, die wochenlang üben, um diese eine Sequenz noch perfekter zu spielen. Wir bewundern Menschen, die mit einer Vision ein Unternehmen oder eine große Hilfsorganisation aufgebaut haben. Weil diese Menschen ein Ziel haben, eine Vision, der sie alles hintenan in den Dienst stellen.

Wer in der Kirche arbeitet, bekommt keinen Preis für besondere Leistungen, meist keinen Applaus und wird nicht im "Who's who" aufgeführt. Er kann aber etwas anderes finden, etwas das viel mehr motiviert: Sinn. Im Gleichnis Jesu ist das Reich Gottes gemeint als Schatz und Perle. Das Reich Gottes hat viele Facetten – Nächstenliebe, die Arbeit für Frieden, die Sorge um Benachteiligte, um Kranke und eben auch für Jugendliche. Und dieser Schatz ist unabhängig davon, wo ich meine Furchen im Acker ziehe – ob auf dem Boden der Buchhaltung, zwischen Baustellen, ob als Ehrenamtliche, die den Pfarrbrief verteilt, als Freiwilliger am Katholikentag, beim Singen im Kirchenchor, beim Hüten der Nachbarskinder oder einfach "nur" beim Einkauf für die eigenen hilfsbedürftigen Eltern…

Wer weiß, was das Ziel ist, kann alles andere daraufhin ausrichten. Das wird in den folgenden Sätzen Jesu klar: Der kann zwischen nützlich und unnütz, hilfreich und überflüssig aussortieren. Der weiß, was von den alten Traditionen und Verfahren er braucht und wo Neues entwickelt werden muss. Das wiederum ist eine einfache Erfahrung aus jeglichem Management und jeder Prozessarbeit. Jesus klingt hier wieder sehr modern und pragmatisch. So sind diese Gleichnisse eine Einladung, das eigene Tun zu reflektieren: Weiß ich noch, warum ich meinen Job mache? Weshalb ich einmal im Monat samstags in der Bahnhofsmission stehe? Mit welcher Liebe ich die Angehörigen versorge? Oder bin ich frustriert, weil ich vielleicht das Ziel vor den Augen verloren habe, den Schatz unter dem steinigen Acker vergessen habe? Der Sommerurlaub mag eine Zeit sein, in Ruhe nochmal über diese Fragen nachzudenken.

Von Sr. Birgit Stollhoff CJ

Evangelium nach Matthäus (Mt 13,44-52)

In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern.

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker.

Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.

Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie.

Wiederum ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das ins Meer ausgeworfen wurde und in dem sich Fische aller Artfingen.

Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, sammelten die guten Fische in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg.

So wird es auch bei dem Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten ihm: Ja.

Da sagte er zu ihnen: Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.

Die Autorin

Sr. Birgit Stollhoff CJ gehört dem Orden Congregatio Jesu (auch bekannt als Mary-Ward-Schwestern) an, arbeitet im Jugendpastoralen Zentrum "Tabor" in Hannover, studiert Theologie im Fernstudium an der Universität Luzern und ist mitverantwortlich für die Öffentlichkeits- und Medienarbeit ihres Ordens.

Ausgelegt!

Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.