Bischof Gerber: Priesterausbildung wird nicht zentralisiert
Theologin Rahner erneuert Kritik an Reformplänen

Bischof Gerber: Priesterausbildung wird nicht zentralisiert

Die Reformpläne für die Priesterausbildung in Deutschland sorgen weiter für Diskussionen: Während Fuldas Bischof Michael Gerber die angedachten Veränderungen verteidigt, erneuert Theologin Johanna Rahner ihre Kritik daran.

Freiburg - 27.07.2020

Die Diskussion um Reformen bei Ausbildung und Studium von katholischen Priestern geht weiter. In der "Herder Korrespondenz" (August) verteidigte der Fuldaer Bischof Michael Gerber die vorgeschlagenen Veränderungen. Dass die Zahl der Priesterseminare reduziert werden soll, bedeute keineswegs Zentralisierung oder Vereinheitlichung der Ausbildung. Vielmehr sei eine "stärkere Diversität" der Priesterausbildung beabsichtigt, so Gerber.

"Leben wird die Kirche in einer künftigen Gestalt nur dort, wo in ihrer Mitte Menschen in der Tiefe ihrer Seele um ihr 'Warum' und ihr 'Wozu' wissen", so der Bischof. Gesucht seien Menschen, die sich vom "Sendungsauftrag Jesu" berühren ließen und gleichzeitig "existenzielle Erfahrungen des Wachsens und des Scheiterns" machen könnten. Das von der Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz vorgelegte Arbeitspapier bezeichnete Gerber als Grundlage für weitere Diskussionen. Zwar seien keine endgültigen Entscheidungen gefallen, das Papier zeige aber eine Richtung an. Verfasst wurde der Entwurf von Gerber sowie den Bischöfen Felix Genn, Heinrich Timmerevers und Udo Bentz.

Rahner erneuert Kritik

Die Vorsitzende des Katholisch-Theologischen Fakultätentages, Johanna Rahner, erneuert in ihrem Beitrag in der "Herder Korrespondenz" ihre Kritik an den Plänen. Statt "exklusiver" Priesterseminare brauche es Orte, um Austausch und Debatten zu fördern und alle zukünftig in der Seelsorge Tätigen gemeinsam auszubilden, schrieb die Tübinger Theologin. "Priesterliche Berufungen klären sich heutzutage nicht in einem abgeschirmten, behüteten, exklusiven, homogenen Milieu, sondern in der Begegnung unterschiedlicher Lebensformen und Lebensentwürfe, die sich herausfordern, ergänzen und so zur Klärung der eigenen Lebensentscheidung führen", so Rahner.

Die Vorschläge der Bischofskonferenz-Arbeitsgruppe sehen vor, die Priesterausbildung auf wenige Standorte zu konzentrieren und in Abschnitte aufzuteilen. Die Phase vor dem Hauptstudium soll demnach künftig nur noch in Freiburg und Bamberg stattfinden, das eigentliche Hochschulstudium in München, Münster und Mainz. Für die abschließende Ausbildung im Pastoralkurs schlägt die Gruppe eine Zusammenarbeit von Paderborn mit Erfurt und Rottenburg-Stuttgart sowie einen bayerischen Standort vor. Gegen die Pläne gibt es Widerstand. Mehrere Universitäten befürchten eine Schwächung ihrer theologischen Fakultäten und eine Aufteilung in Hochschulen erster und zweiter Klasse. Zudem wandten sich auch Bischöfe gegen das Papier. (KNA)