Der Marienwallfahrtsort Medjugorje in Bosnien.
Franziskus: Durch Veranstaltung kann "andere Lebensweise" entdeckt werden

Jugendfestival in Medjugorje überraschend mit Papst-Grußwort eröffnet

Zu Medjugorje äußert der Vatikan sich meist nur bedeckt. Jetzt schrieb Papst Franziskus jedoch ein Grußwort an die Teilnehmer des Internationalen Jugendfestivals des Marienwallfahrtsortes. Dieses trage dazu bei, "eine andere Lebensweise zu entdecken".

Vatikanstadt/Medjugorje - 03.08.2020

Überraschend ist das Internationale Jugendfestival von Medjugorje am Samstagabend mit einem Grußwort des Pontifex eröffnet worden. Die Veranstaltung trage dazu bei, "eine andere Lebensweise zu entdecken, die sich von der Kultur des Vergänglichen unterscheidet, nach der nichts endgültig sein kann, sondern nur das Genießen des gegenwärtigen Augenblicks zählt", erklärte Papst Franziskus in seiner Botschaft. Der Nuntius von Bosnien und Herzegowina, Luigi Pezzuto, verlas die Nachricht zum Auftakt des zum 31. Mal stattfindenden "Mladifest". Das diesjährige Leitwort des Festivals "Kommt und seht" (Joh 1,39) sei in dem derzeitigen "Klima des Relativismus, in dem es schwierig ist, wahre und sichere Antworten zu finden" ein Segen, heißt es weiter im päpstlichen Schreiben.

"Kommt und seht" richte sich auch an "zukünftige Jünger", so Franziskus. Jesus lade auch die Jugendlichen ein, ihm zu begegnen und ihn zu erfahren, wofür das Jugendfestival eine Möglichkeit sei. Durch den Herrn könne man "den vollen und endgültigen Sinn unserer Existenz" erkennen. Er hob zudem die Rolle Mariens hervor. Ihre Bereitschaft zeige, was geschieht, wenn Menschen sich in ihrer Freiheit in Gottes Hände übergeben. "Möge dieses Beispiel Sie faszinieren und leiten", appelliert der Pontifex an die Jugendlichen. Die Kirche brauche ihren Antrieb, ihre Inspiration und Glauben. Aufgrund der Corona-Pandemie kann das Jugendfestival nach eigener Aussage nur im kleineren Rahmen stattfinden. Das Programm kann digital verfolgt werden.

Medjugorje ist ein Ort mit 5.000 Einwohnern südlich von Sarajewo. 1981 wurden die ersten Berichte von Marienerscheinungen in dem bosnischen Ort bekannt; schnell folgten zahlreiche Pilger. Die katholische Kirche erkannte die Erscheinungen jedoch nicht an, woraufhin ein zähes Ringen um den Status als Marienwallfahrtsort zwischen der Amtskirche und den Franziskanern, die die Seelsorge in Medjugorje innehaben, entbrannte. In den 1990er Jahren verbot der Vatikan offizielle Pilgerfahrten in das Dorf. Von 2010 bis 2014 untersuchte eine päpstliche Kommission die Marienerscheinungen und den Wallfahrtsort. Die Ergebnisse wurden nicht veröffentlicht, doch 2019 hob Papst Franziskus das Verbot der Pilgerfahrten auf. Jährlich besuchen etwa 2,5 Millionen Pilger Medjugorje. Zuletzt hatte eine der angeblichen Seherinnen bekanntgegeben, dass ihr Maria nicht mehr monatlich erscheinen werde. (mpl)