Bischofskonferenz: Keine Überlegungen, die Kirchensteuer zu reduzieren
Nach Vorschlag von EKD-Ratsvorsitzendem Bedford-Strohm

Bischofskonferenz: Keine Überlegungen, die Kirchensteuer zu reduzieren

EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm hat eine Absenkung der Kirchensteuer für bestimmte Gruppen wie Berufseinsteiger ins Gespräch gebracht. Die Deutsche Bischofskonferenz stellt keine derartigen Überlegungen an – und begründet das auch.

Bonn/Berlin - 03.08.2020

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) plant keine Absenkung der Kirchensteuer für bestimmte Gruppen. "Bei uns gibt es keine Überlegungen, die Kirchensteuer für Berufseinsteiger zu reduzieren", erklärte die DBK auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Montag in Bonn. Basis für die Berechnung der Kirchensteuer sei die staatliche Lohn- und Einkommensteuer. Das bedeute, es zahlten grundsätzlich nur diejenigen Kirchenmitglieder Kirchensteuer, die hierzu aufgrund ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in der Lage seien, hieß es. "Dies sind knapp die Hälfte der Katholiken." Wer keine Lohn- und Einkommensteuer zahle, sei grundsätzlich auch kein Kirchensteuerzahler. Das gelte für Geringverdiener, meistens auch Rentner, Arbeitslose, Kinder sowie Schüler und Studierende, so die Bischofskonferenz.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hatte zuvor eine Absenkung der Kirchensteuer ins Gespräch gebracht. "Wir diskutieren darüber, ob es vernünftig ist, für die Gruppe der Berufseinsteiger mit der Kirchensteuer eventuell noch zu warten oder sie zu reduzieren", sagte er der Zeitung "Welt". Auch werde darüber diskutiert, "generell flexibler zu sein, bei der Kirchensteuer Rücksicht auf bestimmte Lebenssituationen zu nehmen, die das Kirchenrecht bisher nicht vorsieht, die menschlich aber nachvollziehbar sind".

Kirchensteuer-Rekord in 2019

Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben 2019 so viel Kirchensteuer erhalten wie nie. Trotz sinkender Mitgliederzahlen erreichten diese Einnahmen im Vorjahr mit insgesamt rund 12,7 Milliarden Euro ein Rekordhoch. Davon erhielt die katholische Kirche 6,76 Milliarden und die evangelische 5,95 Milliarden Euro. Fachleute machten dafür vor allem die gute Konjunktur verantwortlich. Für das laufende Jahr rechnen beide Kirchen mit starken Einbrüchen aufgrund der durch die Corona-Pandemie verursachten Wirtschaftskrise.

In Deutschland ist die Kirchensteuer eine gesetzlich festgelegte Abgabe der Kirchenmitglieder. Ihre Höhe orientiert sich am Lohn oder Einkommen. Die Finanzämter ziehen das Geld ein und geben es an die Kirchen weiter. Dafür erhält der Staat etwa drei Prozent des Steuereinkommens. Die Kirchensteuer ist die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle der Kirchen. Die Kirchen finanzieren aus den Einnahmen vor allem die laufenden Kosten für ihr Personal in Seelsorge, Schulen und sozialen Einrichtungen. Beide Kirchen verloren 2019 so viele Mitglieder wie nie zuvor. (tmg/KNA)