Standpunkt

Auf YouTube ist die Kirche sprachlos

Aktualisiert am 10.08.2020  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ In den Sozialen Medien kann es für die Kirche eigentlich nur besser werden, findet Pater Nikodemus Schnabel. Momentan werde sie dort nur mit Themen wie Missbrauch und Geld in Zusammenhang gebracht. Hier müsse die Kirche gegensteuern.

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YouTube ist mit Abstand (nach dem Messenger-Dienst WhatsApp) das wichtigste Soziale Medium im deutschen Sprachraum: Niemand anders kommt auf eine vergleichbare Reichweite, auch wenn Instagram, TikTok und LinkedIn gerade rasant an Bedeutung zunehmen. YouTube ist gerade ganz klar der Goldstandard. YouTube ist aber nach seinem Mutterkonzern Google auch die zweitgrößte Suchmaschine im Netz! YouTube ist schließlich eine der wichtigsten Informationsressourcen im Internet, welche in der jüngeren Generation die ehemalige Nummer 1 Wikipedia abgelöst hat.

Nutzt man nun diese Suchmaschine und Informationsquelle, indem man auf ihr – nach Aufrufen gefiltert – die Begriffe "Sinn des Lebens", "Religion", "Glaube", "Gott", "Spiritualität" oder "Meditation" eingibt, findet man dort alles Mögliche und Unmögliche – aber nichts von relevanter Reichweite von der katholischen Kirche. Gibt man nun aber gezielt "Kirche", "Katholisch" oder "Katholische Kirche" ein, findet man Vieles über Missbrauch, Finanzgebaren oder Priesterkinder, wobei die Videos der Giordano-Bruno-Stiftung sich hier großer Reichweite erfreuen – neben einem völlig verschwurbelten Verschwörungsvideo von Xavier Naidoo – nur weder von der Kirche selbst noch etwas, was im Entferntesten mit Spiritualität zu tun hat, findet man irgendetwas unter den am häufigst aufgerufenen Videos. Um ein schonungsloses Fazit zu ziehen: Für jemand, der sich über YouTube informiert, hat Kirche nichts mit Gott, Glaube und Spiritualität zu tun, dafür aber umso mehr mit Missbrauch, Geld und Heuchelei.

Dieser Befund hat einen riesengroßen Vorteil: Es kann für die Kirche wirklich nur ausschließlich besser werden. Eines wird nämlich sehr deutlich: Glaube, Meditation und Spiritualität sind gesuchte Stichworte auf YouTube. Sollte die katholische Kirche hier wirklich das Feld den Neureligiösen Gemeinschaften, den Freikirchen – die hier hervorragend aufgestellt sind – und den Persönlichkeitsentwicklungsgurus überlassen? Warum so sprachlos? Immerhin: Bei den Suchworten "Beten" und "Gebet" gibt es einige Lichtblicke. Hieran gilt es mit Elan, Kreativität und Substanz anzuknüpfen. – Und übrigens: Auf ein mögliches Rezo-Video "Die Zerstörung der katholischen Kirche" sollte man sich jetzt schon vorbereiten: Das Nachdenken über den möglichen Inhalt und die Machart eines solchen Rezo-Videos könnte zu einem sehr konstruktiven Reflexionsprozess führen!

Von Pater Nikodemus Schnabel

Der Autor

Pater Nikodemus Schnabel OSB ist Benediktinermönch der Dormitio-Abtei in Jerusalem und Direktor des Jerusalemer Instituts der Görres-Gesellschaft (JIGG).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.