Frauenrechtlerin über Katholizismus: Potential für Gewalt gegen Frauen
Patriarchalische Strukturen seien nicht geringer als im Islam

Frauenrechtlerin über Katholizismus: Potential für Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen ist ein weltweites Problem, das auch in der deutschen Gesellschaft zu finden ist. Die feministische Aktivistin Kristina Wolff sieht zudem im Katholizismus ein großes Gewaltpotential – besonders in seiner konservativen Spielart.

Berlin - 17.08.2020

Die feministische Aktivistin Kristina Wolff sieht in der katholischen Kirche ein gegen Frauen gerichtetes Gewaltpotential. Im Katholizismus gebe es "nicht weniger Gewalt gegen Frauen und patriarchalische Strukturen als im islamischen Glauben", sagte Wolff der Zeitung "Die Welt" am Montag. "Im konservativen Katholizismus finden wir zum Beispiel eine komplette Aberkennung sexueller Selbstbestimmung." Auf den Einwand, dass die Bibel das Töten von Frauen verdamme und Jesus die Steinigung einer "Ehebrecherin" verhinderte, erwiderte die Frauenrechtlerin: "Das ändert leider nichts daran, dass die Frau in der katholischen Weltanschauung minderwertig ist."

Gewalt gegen Frauen ziehe sich quer durch die deutsche Gesellschaft, so Wolff. Dass die Täter häufig Migrationshintergrund hätten, lasse sich aus den Statistiken nicht herauslesen. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik handle es sich in zwei von drei Fällen um Deutsche. Zudem fordert Wolff mehr Schutzräume für Frauen. Laut Dachverband Frauenhauskoordinierung fehlten bundesweit 14.000 Plätze. Zudem beklagte die Frauenrechtlerin ein "täterfreundliches Vokabular". Wer von "Familiendramen" oder "Beziehungstaten" rede, verharmlose die Verbrechen, an deren Folgen allein in diesem Jahr in Deutschland bereits 125 Frauen gestorben seien. Wolff hat am Wochenende mit der Gruppe "Femen Deutschland" eine Protestaktion gegen Femizide vor dem Brandenburger Tor organisiert. (rom/KNA)