"Das ist eine Regel, die uns allen gut tut"

Erzbischof Koch betont Bedeutung des Sonntagsschutzes

Aktualisiert am 26.08.2020  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ Mit Blick auf Forderungen des Einzelhandels nach mehr verkaufsoffenen Sonntagen betont Berlins Erzbischof Heiner Koch die Bedeutung dieses Tages als "Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung". Zudem spricht er eine Konsumempfehlung aus.

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Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hat die Bedeutung des Sonntagsschutzes betont und sich damit gegen Forderungen des Einzelhandels nach mehr verkaufsoffenen Sonntagen gewandt. "Der Sonntag als 'Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung' wird immer wichtiger. Es ist der letzte Termin, auf den man sich als Familie und als Gesellschaft verständigen, an dem man sich verabreden kann. Deswegen bleiben am Sonntag auch die Läden geschlossen. Das ist die Regel, die uns allen gut tut", schreibt Koch in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Gastbeitrag in der Berliner Boulevardzeitung "B.Z.". Die Einigung auf einen gemeinsamen siebten Tag der Ruhe scheine sich – über Religionen, Kulturen und Epochen hinweg – bewährt zu haben.

Mit Blick auf die Forderungen des Einzelhandels betont Koch in seinem Text, dass er gerade auch angesichts der massiven Umsatzeinbrüche durch die Corona-Krise die Existenzangst und die Sorge um viele Arbeitsplätze ernst nehme. "Es ist aber ein Irrtum, eine weitergehende oder generelle Ladenöffnung am Sonntag könne die Krise lösen. Denn viele Menschen haben durch die Corona-Krise weniger und nicht mehr im Portemonnaie, Sorgen um Arbeitsplätze, Gesundheit, Kinder und die Betreuung von Angehörigen dämpfen die Lust zum Konsum", so der Erzbischof wörtlich.

Die Bibel empfehle, am siebten Tag zu ruhen, "damit wir 'zu Atem kommen'". Diese Sichtweise sei modern und aktuell zugleich. Atemnot werde als eines der schwersten Symptome beschrieben, wenn jemand an Covid-19 erkrankt sei, Lüften und Atem holen als Prophylaxe empfohlen. "Wir sollten daher nicht versuchen, die unbestrittene Krise durch kurzatmigen und kurzfristigen Aktivismus zu lösen, denn der Sonntag ist für den Menschen und die Gesellschaft da. Er ist lebenswichtig für alle Menschen, wir dürfen ihn nicht einfach abschaffen", so Koch, der zudem empfahl, beim Konsum stärker den lokalen Einzelhandel zu fördern. So könne man seine Bücher im "Buchladen um die Ecke" kaufen oder den Wein beim Händler mit der kompetenten Beratung, "und nicht alles online bestellen". (stz)