Papst emeritus Benedikt XVI. segnet die neuen Kardinäle des Jahres 2019
Staatssekretär Parolin weist Mutmaßungen über Divergenzen zurück

Kardinal betont Kontinuität von Franziskus und Benedikt XVI.

Divergenzen zwischen Papst Franziskus und seinem Vorgänger Benedikt XVI.? Von wegen! Ihre Beziehung sei vielmehr gekennzeichnet von "Kontinuität im Lehramt und Besonderheiten im pastoralen Umgang", betont Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.

Rom - 02.09.2020

Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat Mutmaßungen über Divergenzen zwischen Papst Franziskus und seinem Vorgänger Benedikt XVI. zurückgewiesen. Ihre Beziehung sei vielmehr gekennzeichnet von "Kontinuität im Lehramt und Besonderheiten im pastoralen Umgang", schreibt der zweite Mann des Vatikan in einem neuen Buch über die beiden Päpste, das am Dienstag im Italien erschienen ist.

In erster Linie bestehe zwischen Franziskus und seinem Vorgänger eine "lebendige gegenseitige Zuneigung", so Parolin im Vorwort des Buches "Eine einzige Kirche". Das Werk enthält jeweils 16 nebeneinander gestellte zumeist katechetische Ansprachen von Franziskus und Benedikt XVI. Behandelt werden Themen wie Glaube, Kirche, Familie, Gebet, Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Liebe. Viele der Texte sind den wöchentlichen Generalaudienzen beider Päpste entnommen. Erschienen ist das 270 Seiten umfassende Buch im Verlag Rizzoli.

Buchidee entstand 2014

Die Idee zu dem Projekt sei bereits 2014 entstanden, sagte der frühere Leiter der Vatikanischen Verlagsanstalt, Giuseppe Scotti, der Zeitung "Avvenire" (Dienstag). Auslöser seien die oft sehr unterschiedlichen Reaktionen vieler Gesprächspartner auf den damals neuen Papst gewesen. Begeistert von dessen persönlichem Umgangsstil, seien etliche Beobachter verwundert gewesen über vermeintliche Brüche des Argentiniers zum Lehramt seiner Vorgänger.

Weil er damals gleichzeitig bei der vatikanischen Stiftung Benedikt XVI./Joseph Ratzinger war, so Scotti, habe er gut Texte des emeritierten Papstes mit denen von Franziskus vergleichen können. Allerdings sei das Projekt damals nach ersten Gesprächen mit dem Verlag ins Stocken geraten.

Beneditk XVI. selbst hat die Kontinuität und eine große Wertschätzung für seinen Nachfolger Franziskus mehrfach zum Ausdruck gebracht. So schrieb er etwa im Jahr 2018: Es sei ein "törichtes Vorurteil, demzufolge Papst Franziskus nur ein Praktiker ohne besondere theologische oder philosophische Bildung wäre, während ich einzig ein theoretischer Theologe gewesen sei, der wenig vom konkreten Leben eines heutigen Christen verstanden hätte". Im vergangenen Jahr hatte auch der Dekan der Römischen Rota, des vatikanischen Berufungsgerichts, die lehramtliche Kontinuität zwischen Franziskus und seinem Vorgänger betont. "Das Denken und die Theologie dieser beiden Päpste sind in Kontinuität", so Pio Vito Pinto. (tmg/KNA)