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Synodaler Weg: Ob diese Art der Debatte zu einem guten Ergebnis führt?

Corona-bedingt traf sich der Synodale Weg vergangene Woche bei fünf Regionenkonferenzen. Während Steffen Zimmermann die Atmosphäre bei den Treffen lobt, sieht er bei der Art der Debatte und den Arbeitstexten der Synodalforen Handlungsbedarf.

Von Steffen Zimmermann |  Berlin - 09.09.2020

Die Regionenkonferenzen des Synodalen Wegs liegen nun schon ein paar Tage zurück. Und doch denke ich immer noch darüber nach, ob das aus der Corona-Not geborene Format mit fünf parallelen Treffen den Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland vorangebracht hat oder nicht. Sicher, nach den Monaten der Pandemie-bedingten Kontaktbeschränkungen war den Synodalen die Freude darüber anzumerken, endlich wieder in größerer Runde zusammenkommen und gemeinsam diskutieren zu können. Und ja: Mindestens in Berlin, wo ich vor Ort dabei war, war die Debatte der rund 50 Teilnehmer von gegenseitigem Respekt und einer hohen Ernsthaftigkeit geprägt. Wenn Atmosphäre ein Wert an sich ist, dann waren die Regionenkonferenzen ein Erfolg.

Doch natürlich kann es beim Synodalen Weg nicht nur um die Atmosphäre gehen – dafür ist der Reformbedarf in der Kirche viel zu groß. Inhaltlich aber brachten die Konferenzen den Prozess kaum voran, vielmehr legten sie deutlich dessen Schwächen offen. Das zeigte sich vor allem bei der Diskussion über die Arbeitstexte der Synodalforen "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" und "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft". Bei beiden Texten verhakten sich die Teilnehmer in eine ebenso kleinteilige wie mühsame Debatte über einzelne Textpassagen, die draußen vor dem Konferenzsaal wohl niemand verstanden hätte. Natürlich kann man jetzt einwenden, dass eine Synode (beziehungsweise ein Synodaler Weg) nun mal genauso funktioniert. Ob diese Art der Debatte angesichts des hohen Erwartungs- und Reformdrucks aber noch weitere eineinhalb Jahre tragen und am Ende ein gutes Ergebnis hervorbringen kann, daran muss man Zweifel haben.

Zumal auch die Arbeitstexte selbst kaum Anlass zur Hoffnung bieten. Natürlich, es sind nur Arbeitstexte, die noch einige Schleifen drehen werden. Aber der grundsätzliche "Sound" der Texte scheint gesetzt zu sein – und ist wenig ermutigend. Bei vielen Textpassagen, über die bei den Konferenzen diskutiert wurde, konnte man den Elfenbeinturm förmlich vor sich sehen, in dem die Texte offenbar formuliert wurden. Der Soziologe und Sozialphilosoph Hans Joas sprach in Berlin wohl nicht nur für sich, als er anmerkte, er habe einen Absatz des Arbeitstextes des Forums "Leben in gelingenden Beziehungen" seiner Frau vorgelesen – aber weder ihr noch ihm sei klar geworden, was diese Sätze eigentlich bedeuten sollten. Wenn hier nicht noch eine deutliche Veränderung erreicht werden kann, werden die Texte (und damit auch die darauf aufbauenden Beschlüsse) des Synodalen Wegs wohl nicht einmal innerhalb der Kirche Relevanz entfalten können – weil kaum jemand sie inhaltlich und sprachlich verstehen wird.

Von Steffen Zimmermann

Der Autor

Steffen Zimmermann ist Redakteur im Korrespondentenbüro von katholisch.de in Berlin.

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