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Standpunkt

Wo ist eigentlich die Maske von Papst Franziskus?

Bilder des Papstes mit Mund-Nasen-Schutz gibt es kaum, beobachtet Gabriele Höfling. Sie wünscht sich, dass sich das ändert – auch um katholischen Verschwörungstheoretikern ein deutliches Zeichen zu senden.

Von Gabriele Höfling |  Bonn - 02.10.2020

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Das Corona-Gebet des Papstes Ende März auf dem menschenleeren Petersplatz war das große Symbol relativ zu Beginn der Corona-Krise. Umso mehr verwundert es, dass Franziskus sich in der Folgezeit nicht stärker eines "kleinen", aber gängigen Symbols des Kampfes gegen die Pandemie bedient und in der Öffentlichkeit demonstrativ eine Maske trägt.

Tatsächlich muss schon suchen, wer ein Foto des Papstes mit Maske finden will. Ein Schnappschuss vom 9. September, der Franziskus in einem Auto zeigt, wird von Agenturen als erstes Mal überhaupt bezeichnet, bei dem sich der Pontifex in der Öffentlichkeit mit Maske präsentiert. Sonst ist der Papst etwa bei Privataudienzen meist zwar mit Abstand, aber ohne Maske zu sehen, genauso im größeren Kreis bei Begegnungen mit Gläubigen bei den jetzt wieder gestarteten Generalaudienzen. Vergangene Woche küsste Franziskus sogar fünf Neupriestern die Hand. Diese Bilder stehen in einem seltsamen Kontrast zu anderen Personen der weltlichen und kirchlichen Öffentlichkeit, wie zwei Beispiele aus Deutschland zeigen: Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel oder auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing sind immer wieder mit Maske zu sehen.

Gründe für die weitgehende Unsichtbarkeit eines Mund-Nasenschutzes bei Franziskus könnte es viele geben: Falls der Papst, der ja nur noch einen Lungenflügel hat, etwa zu denjenigen gehört, die aus medizinischen Gründen keine Maske tragen müssen, sollte das der Vatikan offensiv kommunizieren.

Im anderen Fall wäre es aus meiner Sicht wünschenswert, dass der Pontifex diese Geste offensiver nutzt, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Die Unterzeichnung von "Fratelli tutti", seiner Enzyklika über die Auswirkungen der Corona-Krise am Samstag wäre eine ideale Gelegenheit. Schließlich ist Franziskus ein moralisches Vorbild wie kein Zweiter – und könnte so auch den Verschwörungstheoretikern unter den Katholiken ganz klar zeigen, dass es sich bei der Maskenpflicht nicht um unnötige Panikmache handelt.

Von Gabriele Höfling

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei katholisch.de.

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