Ein Richterhammer und eine Waagschale als Symbole für das Gerichtswesen.
Bischof: Schritt gewährleiste faires und gerechtes Ergebnis für alle Beteiligten

Wegen Missbrauchsklagen: Bislang größte US-Diözese meldet Konkurs an

Wegen einer neuen Gesetzeslage sind viele US-Diözesen mit einer Flut an Missbrauchsklagen konfrontiert. Das Bistum Rockville Centre hat wegen der hohen Entschädigungskosten nun Insolvenz angemeldet. Der Schritt hat auch taktische Gründe.

New York - 02.10.2020

Die US-Diözese Rockville Centre (Bundesstaat New York) hat wegen stark angestiegener Missbrauchsklagen Konkurs angemeldet und damit verbunden eine Restrukturierung seiner Schulden beantragt. Sie werde gemäß dem Insolvenzrecht ein Konkursgericht bitten, alle Fälle auf Eis zu legen, damit sie gemeinsam beigelegt werden können, teilte die Diözese am Donnerstag mit. Der Antrag sei notwendig, um Prozesskosten zu verwalten, Rechtsstreitigkeiten mit den Versicherern der Diözese zu regeln und Vergleiche mit Opfern zu erleichtern. Mit 1,4 Millionen Gläubigen ist Rockville Center die bislang größte Diözese in den Vereinigen Staaten, die diesen Schritt eingeleitet hat.

Hintergrund ist der starke Anstieg von Missbrauchsklagen seit dem Inkrafttreten eines neuen Gesetzes im Bundesstaat New York im vergangenen Jahr. Dieses gibt Opfern von sexuellen Übergriffen beispielsweise durch Kleriker das Recht, Fälle auch nach Jahrzehnten noch anzuzeigen. Zuvor war die Verjährungsfrist in den schwerwiegendsten Fällen ausgelaufen, wenn das Opfer das 23. Lebensjahr erreichte. Bislang wurden mehr als 200 Klagen gegen die Diözese eingereicht. In ihrem Antrag führte das Bistum bis zu 500 Millionen Dollar an geschätzten Verbindlichkeiten aus Klagen auf. Zudem verweist es auf seine finanzielle Belastung durch die Folgen der Corona-Krise: Ungefähr 40 Prozent der jährlichen Einnahmen stammen aus Kollekten, deren Ertrag wegen der gesunkenen Teilnahme an der Sonntagsmesse stark zurückgegangen sei.

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In einer Videobotschaft erklärte Bischof John O. Barres, dass das Bistum diese Entscheidung nicht "leichtfertig" getroffen habe. Durch die Anzahl der bisher eingereichten Klagen sei allerdings klar geworden, "dass die Diözese nicht in der Lage sein würde, ihre geistlichen, karitativen und pädagogischen Aufgaben fortzusetzen und gleichzeitig die zunehmend schwere Last der Prozesskosten, die mit diesen Fällen verbunden sind, zu schultern." Die Konkursanmeldung ist laut Barnes der einzige Weg, um ein faires und gerechtes Ergebnis für alle Beteiligten zu gewährleisten, "einschließlich der Missbrauchsopfer, deren Entschädigungszahlungen von den Gerichten geregelt werden". Der Bischof betonte zudem, dass der reguläre Betrieb in der Diözese größtenteils weitergeführt werde. Auch die Angestellten bekämen weiterhin ihr Gehalt. Auf Pfarreien und Schulen des Bistums habe der Schritt keine Auswirkungen.

Auch andere US-Bundesstaaten haben zuletzt eine ähnliche Verschärfung der Gesetzeslage vorgenommen. Dadurch kam es in anderen Bistümern ebenfalls zu einem starken Anstieg von Klagen. Experten gehen davon aus, dass dadurch mehrere US-Diözesen von einem Konkurs bedroht sind. Bereits in der Vergangenheit mussten einige aufgrund von hohen Entschädigungszahlungen Insolvenz beantragen. (mal)