Kirchen protestieren gegen Streichung von Religions-Sendungen im Radio
Gemeinsame Petition von Christen, Juden und Muslimen in der Schweiz

Kirchen protestieren gegen Streichung von Religions-Sendungen im Radio

Gleich drei Religions-Sendungen will der öffentlich-rechtliche Radiosender SRF aus seinem Programm streichen. Das wollen sich die Kirchen nicht bieten lassen. Gemeinsam mit Vertretern des Judentums und des Islams protestieren sie per Online-Petition.

Zürich - 09.10.2020

Christen, Juden und Muslime in der Schweiz wehren sich mit einer Online-Petition gegen den Wegfall von drei Religions-Sendungen des öffentlich-rechtlichen Radiosenders SRF. "Wir leben in Zeiten, in denen Extremisten, Verschwörungstheorien und religiöse Scharlatane Konjunktur haben", sagte der Präsident des Trägervereins Katholisches Medienzentrum, Odilo Noti, am Donnerstag laut dem Portal kath.ch. "Bei Religionssendungen zu kürzen, ist gefährlich." Am Dienstag hatte SRF-Direktorin Nathalie Wappler angekündigt, dass die Sendungen "Zwischenhalt", "Blickpunkt Religion" und "Morgengeschichte" ab kommenden Sommer gestrichen werden sollen. Fernsehsendungen sind demnach nicht betroffen.

Zu den rund 40 Unterstützern der Petition gehören neben dem katholischen Medienbischof Alain de Raemy und dem Basler Bischof Felix Gmür auch Vertreter der reformierten und der memonitischen Kirche sowie von Judentum und Islam. Darunter sind der Rabbiner und Holocaust-Überlebende Tovia Ben-Chorin, der Professor für Islamische Theologie Amir Dziri, die Politologin Elham Manea und Nationalrätin Sibel Arslan (Grüne).

Sendungen mit Wissensvermittlung über und Auseinandersetzungen mit Religionen erfüllten einen Grundauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, heißt es in der Petition. "Die Religionssendungen von Radio SRF ordnen das religiöse Leben in der Schweiz kompetent ein. Wissen über Religion verhindert Extremismus und Ideologien." Kompetenter Religionsjournalismus sei ein "Dienst an der Demokratie". Der Sender SRF spare an der falschen Stelle und verletze seinen Auftrag. Laut Konzession müsse er "das Verständnis, den Zusammenhalt und den Austausch unter den Landesteilen, Sprachgemeinschaften, Kulturen, Religionen und gesellschaftlichen Gruppierungen" fördern, hieß es.

Rücknahme der Entscheidung gefordert

Weiter fordert der Appell SRF-Direktorin Wappler zur Rücknahme ihrer Entscheidung auf. "Religion ist ein Schlüsselthema für das 21. Jahrhundert. Hierfür braucht es Sendeplatz und kompetente Fachjournalistinnen und Fachjournalisten", so die Verfasser der Petition. "Religionsjournalisten leisten einen wichtigen Beitrag für den Religionsfrieden in der Schweiz. Der Kahlschlag bei der Religion muss verhindert werden!"

Am Dienstag hatte sich der Präsident der Medienkommission der Schweizer Bischofskonferenz, Mariano Tschuor, über die Ankündigung verärgert gezeigt. Von Sparmaßnahmen seien "immer die Falschen betroffen", sagte er kath.ch. Das religiöse Angebot werde stark eingeschränkt, obwohl es im Gesamtprogramm des SRF ohnehin schon ein "kleines Nischenprodukt" sei.

SRF-Direktorin Wappler bedauerte die Entscheidung zur Streichung der Sendungen. Zu den bereits angekündigten 50 Millionen Franken (46,4 Millionen Euro) seien bis 2024 noch 16 Millionen Franken (14,8 Millionen Euro) Einsparungen bis 2022 hinzugekommen. Auch wegen rückläufiger Werbeeinnahmen streiche der SRF Sendungen. Entgegen einer vorherigen Ankündigung bleibt das Glockenläuten im öffentlich-rechtlichen Schweizer Radio doch erhalten. Die Sendung "Glocken der Heimat", die am Samstagabend zu hören ist, werde nicht gestrichen, erklärte SRF-Sprecherin Andrea Wenger laut kath.ch. (tmg/KNA)