Studie: Christen und Muslime schätzen Umgang mit Andersgläubigen
Religionswechsel innerhalb eigener Familie jedoch ungern gesehen

Studie: Christen und Muslime schätzen Umgang mit Andersgläubigen

Wie blicken Christen und Muslime auf die jeweils andere Religion? Mit hoher Akzeptanz, wie eine Studie herausgefunden hat – solange niemand in der eigenen Familie konvertiert. Beim Blick auf das Judentum werden allerdings Unterschiede deutlich.

Berlin - 17.10.2020

Christen und Muslime in Deutschland verbindet einer Studie zufolge eine hohe Akzeptanz der jeweils anderen Religion. Zudem befürworten beide mehrheitlich den Kontakt mit Andersgläubigen, wie die am Samstag veröffentlichte Publikation der Konrad Adenauer Stiftung mit dem Titel "Im Glauben vereint? – Eine repräsentative Studie über Christen und Muslime in Deutschland" ergab. Befragt wurden dafür zwischen Oktober 2018 und Februar 2019 insgesamt 3.003 Katholiken, Protestanten, orthodoxe Christen und Muslime.

Konkret zeigen die Ergebnisse auf die Frage "Wie finden Sie es, wenn jemand aus Ihrer engen Familie Kontakt zu Andersgläubigen hat?": Bei Katholiken (94 Prozent), Protestanten (97 Prozent), Orthodoxen (98 Prozent) und Muslimen (91 Prozent) findet sich jeweils eine große Mehrheit für die beiden Antwortkategorien "finde ich gut" und "ist mir egal". Lediglich wenige Befragte sind dagegen, dass jemand aus der engen Familie Kontakt zu Andersgläubigen hat. Den höchsten Wert verzeichneten dabei Muslime mit 7 Prozent.

Interreligiöse Heirat stößt auf Ablehnung

Auf etwas mehr Ablehnung stößt dagegen der Religionswechsel eines Familienmitglieds oder die interreligiöse Heirat der eigenen Tochter. 43 Prozent der Muslime in Deutschland fänden es nicht gut, wenn ein Familienmitglied Christ werden würde. Die Konvertierung eines Familienmitglieds zum Islam sähen 31 Prozent der Katholiken, 27 Prozent der Protestanten und 23 Prozent der Orthodoxen kritisch. Noch stärker sind die Unterschiede in Bezug auf den Wechsel eines Familienmitglieds zum Judentum. 44 Prozent der Muslime fänden einen solchen Schritt nicht gut, wohingegen die christlichen Konfessionen dem weniger ablehnend gegenüberstünden (Katholiken: 20 Prozent, Protestanten: 17 Prozent, Orthodoxe: 26 Prozent).

Ähnliche Ergebnisse finden sich in der Beantwortung der Frage nach einer interkonfessionellen Heirat der eigenen Tochter. 36 Prozent der Muslime fänden es nicht gut, wenn ihre Tochter einen Christen heiraten würde. Orthodoxe weisen mit 34 Prozent einen ähnlichen Wert bei der entsprechenden Frage nach der Heirat ihrer Tochter mit einem Muslim auf. Katholiken (28 Prozent) und Protestanten (27 Prozent) sähen dies zu einem geringeren Anteil als Problem an.

Mit Blick auf das Judentum werden erneut Unterschiede zwischen Christen und Muslimen deutlich. Hier fänden es 42 Prozent der Muslime nicht gut, wenn ihre Tochter einen Juden heiratet, während dies bei nur 12 Prozent der Katholiken und Protestanten und bei 27 Prozent der Orthodoxen auf Kritik stößt. (KNA)

Studie "Im Glauben vereint?"

Die vollständige Studie finden Sie auf der Internetseite der Konrad-Adenauer-Stiftung.