Auf dem Platz der Republik in Paris drückten Trauernde ihre Solidarität mit dem von Islamisten ermordeten Lehrer Samuel Paty aus.
Gebet, Solidarität und Einsatz für Dialog

Frankreichs Kirche trauert um von Islamisten ermordeten Lehrer

Nach dem islamistischen Mord an dem Lehrer Samuel Paty trauert ganz Frankreich. Die Kirche versichert den Angehörigen ihr Gebet – und kündigt an, weiter für Dialog und Frieden zu kämpfen. Auch muslimische Verbände äußern sich.

Versailles/Paris - 19.10.2020

Die Kirche in Frankreich spricht den Angehörigen des von einem Islamisten ermordeten Lehrers Samuel Paty ihr Mitgefühl aus und betont, dass katholische Schulen sich für gesellschaftlichen Frieden und Dialog einsetzen werden. Der Bischof von Versailles, Eric Aumonier, sagte am Samstag, dass der Mord "uns wie alle Bürger, die an den Werten von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" festhalten, empöre. "Wir beten für ihn und seine Familie, seine Kollegen, seine Schüler und all jene, die diese abstoßende Tat zutiefst schmerzt", heißt es in der zusammen mit dem Weihbischof des Bistums unterzeichneten Erklärung. Conflans-Sainte-Honorine, der Ort des Verbrechens, gehört zum Bistum Versailles. Am Sonntag wurde in den Pfarreien des Bistums für das Opfer und seine Angehörigen gebetet.

In einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme zeigte sich auch der Präsident des Generalsekretariats für katholische Bildung betroffen. "Das Greuel dieses Verbrechen erfüllt uns mit Trauer und Grauen", so die Erklärung. Die Daseinsberechtigung katholischer Schulen sei, gegen "Ignoranz in zwei Formen" zu stehen: "gegen einen Mangel an Bildung und einen Mangel an Empathie". Man werde nicht vom Einsatz für Brüderlichkeit abrücken, der sich "aus dem Dialog zwischen gesellschaftlichen Gruppen, Religionen und Kulturen, zwischen Wissen, Glauben und Vernunft" speist. Gegenüber dem Islam betont das Generalsekretariat, dass man am Dialog festhalte und nicht alle Muslime mit "Fanatikern, Extremisten und Terroristen" gleichsetzen werde.

Auch der Bischof von Rouen drückte sein Mitgefühl aus. Dort war 2016 der Priester Jacques Hamel in Saint-Étienne-du-Rouvray von zwei Attentätern des Islamischen Staats ermordet worden. "Der Fanatismus hat getötet. Noch einmal. Es ist immer noch unerträglich", beginnt das von Bischof Dominique Lebrun zusammen mit den Beauftragten für das katholische Bildungswesen unterzeichnete Schreiben vom Samstag, das ein gemeinsames Gebet von Vertretern unterschiedlicher Religionen in der Nähe des Todesorts Hamels ankündigt. "Mögen der Mörder und diejenigen, die den Fanatismus nähren, Licht in einer echten Begegnung mit Gott finden", schließt der Brief: "Gott will niemals den Tod, auch nicht den Tod der Bösen."

Muslime wenden sich gegen Gewalt im Namen des Islams

Auch muslimische Vertreter verurteilten das Attentat deutlich. Die "Fédération nationale des musulmans de France" bezeichnete die Tat am Freitag als "barbarisch und schockierend" und betonte den Einsatz der Organisation für die Meinungsfreiheit. Es sei "in keiner Weise zu rechtfertigen, dass hasserfüllte Menschen den Islam direkt oder indirekt als Vorwand für ihren mörderischen Wahnsinn benutzen". Der Mord sei eine Tragödie für die ganze Nation: "Wir werden nicht aufhören, die Opfer des Terrorismus zu unterstützen und jeden Angriff, der im Namen unserer Religion ausgeführt wird, anzuprangern." Der Großimam von Bordeaux, Tarek Oubrou, verteidigte das Recht, die Mohammed-Karikaturen zu zeigen, die Paty in seinem Unterricht zur Diskussion über die Meinungsfreiheit genutzt hatte. "Gott hat dem Menschen die Erlaubnis gegeben, das Göttliche zu karikieren", betonte Oubro laut dem Fernsehsender BFM. Schüler müssten Toleranz und Offenheit lernen.

Paty war am Freitag auf offener Straße mit einem Messer von einem islamistisch motivierten 18-Jährigen ermordet worden. Im Oktober hatte er in seinem Unterricht am Beispiel der im Satiremagazin Charlie Hebdo veröffentlichten Mohammed-Karikaturen Redefreiheit thematisiert. (fxn)

19. 10. 2020, 13.15 Uhr: Ergänzt um Stellungnahme aus Rouen.