Schachfigur
Standpunkt

Ohne Ehrenamtliche wäre Heiligabend tatsächlich "stille Nacht"

Gottesdienste können an Weihnachten stattfinden – wenn auch unter Corona-Bedingungen. Bei der Diskussion um Verbote kommt für Christoph Brüwer allerdings der Blick auf eine Gruppe zu kurz: die Ehrenamtlichen in den Gemeinden.

Von Christoph Brüwer |  Bonn - 16.12.2020

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Seit dem Wochenende ist klar: An Weihnachten wird es Gottesdienste geben – wenn auch unter Pandemie-Bedingungen, mit Abstand, Mundschutz und ohne Gemeindegesang. Die pastoralen Mitarbeiter standen in den vergangenen Monaten deshalb vor großen Herausforderungen. Doch in der gesamten Debatte um Gottesdienstverbote wird eine Gruppe kaum in den Blick genommen: die Ehrenamtlichen in den Gemeinden.

Ihnen gilt ein riesiges Dankeschön, denn auch wenn viele von ihnen das Weihnachtsfest lieber mit ihren Familien zu Hause feiern würden, sorgen sie an der Seite von Hauptamtlichen als Ordner in den Gottesdiensten für die Einhaltung der Regeln – auch wenn das schmerzhafte Begegnungen bedeutet, wenn beispielsweise Gläubige aus Platzgründen an der Kirchentür abgewiesen werden müssen.

Sie sorgen bei Gottesdiensten im Freien trotz Minusgraden oder Regen für den Aufbau von Bühnen oder das Bereitstellen von Technik oder Desinfektionsspendern. Sie planen seit Monaten Krippenspiele und proben dafür mit Kindern unter sich immer wieder ändernden Vorgaben und Schutzverordnungen. Trotzdem versuchen sie mit kreativen Lösungen die Botschaft des Weihnachtsfestes zu vermitteln.

Viele kümmern sich ehrenamtlich um alleinstehende und alte Menschen, deren Situation sich durch die Corona-Pandemie noch einmal verschlechtert hat und die über die Feiertage zu vereinsamen drohen. Sie sprechen in den geöffneten Kirchen mit Menschen, die ihnen ihre Sorgen und Nöte anvertrauen. Auch wenn die Corona-Pandemie ihre Arbeit erschwert, versuchen sie dennoch kontaktlose Wege zu finden, das zu tun, wofür sie brennen: das Engagement um und für Menschen.

Diskussionen darüber, ob Gottesdienste an Weihnachten stattfinden sollten und wie sinnvoll Ausnahmen von Corona-Beschränkungen für Kirchen sind, sind fraglos wichtig. Diejenigen, die mit ihren kreativen Ideen und ihrem Einsatz dafür sorgen, dass die Frohe Botschaft des Weihnachtsfests in dieser Pandemie-Zeit auch anders verkündet wird, sollte man darüber aber nicht vergessen. Ihnen gilt der Dank dafür, dass Heiligabend in diesem Jahr nicht tatsächlich zur "stillen Nacht" wird.  

Von Christoph Brüwer

Der Autor

Christoph Brüwer ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.