Bertram Meier im Portrait
Es brauche in der Ökumene mehr als "Symbolhandlungen"

Bischof Meier gegen formale Rücknahme der Exkommunikation Luthers

Vor genau 500 Jahren hat Papst Leo X. Martin Luther aus der Kirche verbannt. Forderungen, das formal zurückzunehmen, erteilt der Augsburger Bischof Bertram Meier eine Absage. Für ihn gibt es in der Ökumene wichtigere Aufgaben.

Bonn - 03.01.2021

Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat Forderungen nach der Rücknahme der Exkommunikation Martin Luthers zurückgewiesen. "Die Exkommunikation des Reformators wurde bereits mit seinem Tod aufgehoben. Einen formalen Akt braucht es also nicht mehr", sagte Meier am Samstagabend in Augsburg.

Gleichzeitig gelte es, in der Ökumene nach vorn zu schauen. Sie sei eine "Zukunftsaufgabe". Zwar seien beide Konfessionen schon viele Schritte aufeinander zugegangen, aber noch seien nicht alle Differenzen überwunden: "Bei aller Dankbarkeit für das Gemeinsame müssen wir uns theologisch redlich mit den Fragen beschäftigen, die uns noch trennen", so Meier. Er erinnerte daran, dass sich sowohl Papst Franziskus, Benedikt XVI. als auch Johannes Paul II. positiv über den deutschen Reformator geäußert hätten. Zuletzt sei Franziskus nach Schweden gereist, um das Gedenken an 500 Jahre Reformation zu begehen.

Evangelischer Bischof Meister für ökumenische Gemeinden

Der evangelische Landesbischof von Hannover, Ralf Meister, rief die Kirchen auf, konfessionelle Unterschiede zugunsten einer engeren Zusammenarbeit zurückzustellen. Nur in ökumenischer Verbundenheit bleibe die Kirche eine erkennbare Kraft in einer immer säkularer werdenden Gesellschaft, sagte der evangelische Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Ohne starke Ökumene wird die Stimme des Christentums signifikant schwächer werden." Für viele Menschen sei nicht mehr die Fragen nach der Konfession wichtig, sondern die Frage, ob man überhaupt glaube oder nicht. Langfristig kann sich Meister auch ökumenischen Kirchengemeinden vorstellen, die auf vielen Ebenen bis hin zu den Gottesdiensten zusammenarbeiteten.

Vor 500 Jahren, am 3. Januar 1521 hatte Papst Leo X. mit der Bannbulle "Decet Romanum Pontificem" Martin Luther exkommuniziert, nachdem dieser nicht bereit gewesen war, seine 95 Thesen zu widerrufen. Die sogenannte "Bannandrohungsbulle" hatte der Reformator in einem symbolträchtigen Akt verbrannt. Unter anderem die Theologin Johanna Rahner hatte sich nun dafür ausgesprochen, den Bann formal zurückzunehmen und das als "wichtiges ökumenisches Zeichen" bezeichnet. Bischof Bertram Meier engagiert sich seit Jahren in der Ökumene. Aktuell steht er der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern vor. (gho/epd)