US-Präsident Donald Trump
Twitter sperrt Account des scheidenden US-Präsidenten

US-Kirchenvertreter fordern sofortigen Trump-Rücktritt

Nach der gewaltsamen Erstürmung des US-Kongresses durch Trump-Anhänger fordern Religionsvertreter in den USA einen sofortigen Rücktritt des scheidenden Präsidenten. Auch Twitter ist aktiv geworden – und hat das Konto Trumps dauerhaft gesperrt.

Washington - 09.01.2021

Führende US-amerikanische Kirchenvertreter haben Präsident Donald Trump zum sofortigen Rücktritt aufgefordert. Trump habe mit seinen "Handlungen und Worten" die Sicherheit der USA und die staatlichen Institutionen gefährdet, hieß es in einem am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten offenen Brief nach der gewaltsamen Erstürmung des US-Kongresses durch Trump-Anhänger am 6. Januar. Trump hatte die Demonstranten zuvor zu Protesten ermuntert.

Zu den Unterzeichnern zählen der Präsident des ökumenischen Nationalen Kirchenrates, Jim Winkler, die leitende Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika, Elizabeth Eaton, der leitende Bischof der anglikanischen Episkopalkirche, Michael Curry sowie Franklyn Richardson, der Vorsitzende der Konferenz nationaler schwarzer Kirchen.

Sollte Trump nicht gehen, müssten gesetzliche Wege gefunden werden, seinen Rücktritt zu bewirken, heißt es in dem offenen Brief an US-Vizepräsident Mike Pence, das Kabinett und den Kongress weiter. Auch im Kongress mehren sich Stimmen für Trumps Rücktritt. Die Demokraten bereiten Medienberichten ein Amtsenthebungsverfahren vor. Bei dem Ansturm am Mittwoch kamen fünf Menschen ums Leben, unter ihnen ein Polizist.

"Könnten Sie bitte zurücktreten und unser Land heilen lassen?"

Die Kirchenvertreter verlangten auch, Personen zur Rechenschaft zu ziehen, die Trumps "falsche Behauptungen über die Wahlen" verbreiteten. Der Präsident hat immer wieder öffentlich behauptet, er habe die Präsidentschaftswahl im November gegen den Demokraten Joe Biden gewonnen.

Auch der Präsident der Kommission für Ethik und Religionsfreiheit im Südlichen Baptistenverband, Russell Moore, verlangte Trumps Rücktritt. "Menschen sind tot", schrieb Moore auf Twitter. "Könnten Sie bitte zurücktreten und unser Land heilen lassen?" Die Southern Baptist Convention ist die größte protestantische Kirche der USA. Trumps Amtszeit geht am 20. Januar zu Ende. Katholische Vertreter sind nicht unter den Unterzeichnern des offenen Briefs

Auch Papst Franziskus hat den Angriff auf das Kapitol in Washington verurteilt. Er sei angesichts der Bilder "erstaunt" gewesen, sagte er im Exklusiv-Interview des italienischen Senders "Canale 5". Auch in reifen Gesellschaften gebe es Menschen, "die einen Weg gegen die Gemeinschaft, gegen die Demokratie, gegen das Gemeinwohl wählen", so das Kirchenoberhaupt.

Eine solche Bewegung und die damit verbundene rücksichtslose Gewalt seien strikt abzulehnen. Immerhin habe jeder diese Taten sehen können – "so kann Abhilfe geschaffen werden". Gewalt gebe es in jeder Gesellschaft, betonte der Papst. Umso wichtiger sei es, aus der Geschichte zu lernen, um derlei Vorfälle künftig zu vermeiden.

Pax Christi USA: "Wer Wind sät, erntet Sturm"

Ein Mob von Unterstützern des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump hat das Parlament in der Hauptstadt Washington gestürmt. Während die Sicherheitskräfte zurückhaltend agieren, rufen Vertreter der Religionen zum Frieden auf – und benennen teilweise klar den Verantwortlichen.

Ähnlich wie die US-Religionsführer hatte sich am Freitag auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick geäußert. Diejenigen, die in das Kapitol eingedrungen seien, "müssen vor Gericht", so Schick. "Davon kann auch der Präsident nicht ausgenommen sein."

Unterdessen hat der Online-Kurznachrichtendienst Twitter das Konto Donald Trumps wegen "des Risikos einer weiteren Anstiftung zur Gewalt" dauerhaft gesperrt. Nach dem Sturm des US-Kapitols am Mittwoch hatte Twitter den Account @realdonaldtrump bereits vorübergehend für zwölf Stunden gesperrt, eine Löschung mehrerer Tweets des Präsidenten gefordert und eine dauerhafte Sperrung bei weiteren Verstößen gegen die Richtlinien des Unternehmens angedroht.

Am Freitag setzte Trump dann zwei Tweets ab, die nach Darstellung von Twitter vom Freitag (Ortszeit) gegen die Richtlinie zur Verhinderung von Gewaltverherrlichung verstießen. Am Samstag war der Account Trumps nicht mehr aufrufbar. Der abgewählte US-Präsident hatte bei Twitter mehr als 88 Millionen Follower.

Auch Facebook und Instagram sperren Trumps Konten

Bereits am Donnerstag hatten Facebook und Instagram Trumps Konten gesperrt. "Die schockierenden Ereignisse der vergangenen zwölf Stunden zeigen klar, dass Präsident Donald Trump seine verbleibende Amtszeit dafür nutzen will, die friedliche und gesetzmäßige Machtübergabe an seinen gewählten Nachfolger Joe Biden zu untergraben", erklärte Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Die Sperre gelte "auf unbestimmte Zeit", mindestens in den Wochen bis zur Amtsübergabe an den Demokraten Joe Biden am 20. Januar.

Trump erklärte laut einem Bericht der "New York Times", Twitter wolle ihn zum Schweigen bringen. Er verhandele nun mit anderen Plattformen und sprach von einer baldigen "großen Ankündigung". (cbr/epd/KNA)

09.01., 16.55 Uhr: Ergänzt um Aussage von Papst Franziskus.