Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI.
Pontifikat dauert bislang 2.874 Tage

Ab heute: Papst Franziskus länger im Amt als Benedikt XVI.

Nach dem historischen Rücktritt von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2013 folgte ihm Franziskus als Pontifex nach. Ab heute dauert das Pontifikat des amtierenden Kirchenoberhaupts länger als das seines Vorgängers.

Von Roland Müller |  Vatikanstadt - 23.01.2021

Es war eine Aussage, die nicht nur Vatikan-Experten aufhorchen ließ: "Ich habe das Gefühl, dass mein Pontifikat kurz sein wird. Vier oder fünf Jahre", sagte Franziskus in einem Fernseh-Interview im März 2015. Viele Gläubige und Kirchenjournalisten begannen zu spekulieren, was der Papst, der nach dem historischen Rücktritt von Benedikt XVI. seit 2013 auf dem Stuhl Petri sitzt, damit meine. Rechnete er aufgrund einer Krankheit mit seinem baldigen Tod? Fühlte sich das Kirchenoberhaupt amtsmüde und wollte es seinem Vorgänger gleichtun und abdanken? Franziskus selbst schien das auch nicht genau zu wissen. Es sei lediglich eine Ahnung: "Ich habe das Gefühl, dass der Herr mich für eine kurze Sache eingesetzt hat", so der argentinische Papst. Doch er könne sich auch irren, räumte er ein.

Und genau das hat Franziskus getan. Inzwischen hat seine Amtszeit an der Spitze der katholischen Kirche eine Dauer von fast acht Jahren – exakt sind es am heutigen Samstag 2.874 Tage. Damit hat er das Pontifikat Benedikts überholt und ist einen Tag länger im Amt als sein Vorgänger aus Deutschland. Nach Angaben des Vatikan haben beide ein gutes Verhältnis zueinander und besuchen sich gelegentlich. Kein Wunder, denn der Weg zum kleinen Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten, in dem der Papa emeritus mit seinem Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein und einigen Ordensschwestern lebt, ist von Franziskus' Zimmer im Gästehaus Santa Marta nur einige hundert Meter entfernt. Zu einer festen Einrichtung sind mittlerweile die Besuche des amtierenden Papstes in Mater Ecclesiae mit den neuen Kardinälen nach einem Konsistorium geworden.

Dass Franziskus sagt, sein Vorgänger sei für ihn wie ein "Großvater", in dessen Gegenwart er die Tradition der Kirche spüre, kann jedoch nicht über die Problematik des Amtes eines emeritierten Papstes hinwegtäuschen. Benedikt – der nun länger Emeritus ist als er amtierender Papst war – muss sich von Kritikern anhören, sich nicht genügend an sein Versprechen zu einem Leben in Zurückhaltung und Gebet zu halten. Immer wieder meldet sich der 93-Jährige in Interviews oder Gastbeiträgen öffentlich zu Wort. Auch der fortgesetzte Gebrauch seines bei der Wahl 2005 angenommenen Namens und der weißen Papst-Soutane wird nicht von allen Beobachtern gutgeheißen. Doch der Vatikan betont, dass dies alles in Absprache mit Franziskus geschehe.

Inzwischen ist es eine Tradition: Die neu ernannten Kardinäle besuchen mit Papst Franziskus den emeritierten Papst Benedikt XVI. im Vatikan-Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan, wie hier am 28. November 2020.

Franziskus hat bei seinem Amtsantritt einige Baustellen aus dem Pontifikat Benedikts übernommen. So muss er den von seinem Vorgänger nur zaghaft angefangenen Kampf gegen Kindesmissbrauch in der Kirche weiterführen. Der 2019 stattgefundene Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan ist dabei sicherlich ein Meilenstein. Ein Erfolg in administrativer Hinsicht ist auch, dass die Disziplinarabteilung in der Glaubenskongregation, die sich mit Missbrauchsfällen befasst, heute die größte des Dikasteriums ist. Auch hatte Franziskus gleich nach seiner Wahl zum Papst eine umfassende Kurienreform angestoßen und dafür eigens das heute als K9-Rat bekannte Kardinalsgremium eingesetzt. In diesem Jahr soll die schwierige Erneuerung des behäbigen Verwaltungsapparats des Kirchenstaats abgeschlossen werden – ein für die Kirche notwendiger, aber unangenehmer Weg, wie die zahlreichen Skandale um die Vatikanbank und dubiose Finanzgeschäfte von leitenden Kurienmitarbeiter in den vergangenen Jahren gezeigt haben.

Kommt es nach Abschluss der Kurienreform, die Franziskus als eine seiner Hauptaufgaben ansieht, vielleicht doch zu einem weiteren Papstrücktritt? Diese Annahme ist nicht ganz von der Hand zu weisen, zumal der amtierende Pontifex vor dem Schritt Benedikts hohe Achtung bekundet hat: "Ich glaube, Benedikt hat mit viel Mut eine Tür für emeritierte Päpste geöffnet." Daher solle man einen Papstrücktritt künftig "nicht als Ausnahme sehen". Zudem ist Franziskus bereits 84 Jahre alt und es gibt gerade in der Corona-Krise immer wieder Spekulationen über seine angeschlagene Gesundheit.

Doch Franziskus hat auch immer wieder betont, wie viel Freude ihm sein Amt trotz aller Mühen macht. Sichtbar wird das etwa, wenn er bei einer Audienz auf dem Petersplatz durch die Reihen der Gläubigen fährt und ihnen zuwinkt oder Kinder segnet. Auch seine zahlreichen Papstreisen rund um den Globus und die Begegnungen vor Ort absolviert der Papst trotz der Strapazen gerne – auch wenn beides während der aktuellen Pandemie nicht möglich ist. So wird Franziskus mit dem seinem Orden eigenen Jesuiten-Gehorsam das ihm von den Kardinälen im Konklave 2013 anvertraute Amt wohl noch viele weitere Tage ausüben.

Von Roland Müller