Neues Buch zur römischen Inquisition erschienen

Ruf wie ein Donnerhall

Aktualisiert am 12.12.2013  –  Lesedauer: 
Geschichte

Köln ‐ Sie ruft Assoziationen an Daumenschrauben, dunkle Verliese im Vatikan und lodernde Scheiterhaufen hervor: Die Anfänge der römischen Inquisition beleuchtet das gleichnamige Buch von Herman H. Schwedt.

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Nicht unwesentlich hat Papst Paul IV. zu dem fragwürdigen Ruf beigetragen. Ihm wird die Aussage zugeschrieben: "Selbst wenn mein eigener Vater Häretiker wäre, würde ich das Holz zusammentragen, um ihn verbrennen zu lassen." Nach seinem Tod feierten die Römer Freudenfeste, befreiten die Gefangenen der Inquisition und steckten das Gebäude in Brand.

Index der verbotenen Bücher

Einen neuen Blick auf die Anfänge der berühmt-berüchtigten Kurienbehörde wirft Herman H. Schwedt, einer der international renommiertesten Experten für die vatikanischen Institutionen und Archive, besonders für das Archiv der Römischen Inquisition und der Indexkongregation. Sein Buch "Die Anfänge der römischen Inquisition: Kardinäle und Konsultoren 1542 bis 1600" wurde am Dienstagabend in Köln vorgestellt.

Gegründet wurde die Behörde am 21. Juni 1542 von Papst Paul III., der sechs Kardinäle zu Inquisitoren in Rom ernannte, wie Schwedt ausführt. Im gleichen Jahr berief er auch das Konzil von Trient ein, das die Tridentinische Epoche in der Kirche einleitete, die bis zum Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils 1962 andauerte. Ursprünglich war die Inquisition gar nicht als dauerhafte Einrichtung gedacht, erläutert Schwedt in seiner Einleitung, sondern sie sollte als Ad-hoc-Maßnahme gegen das Eindringen der protestantischen Reformation in Italien wirken. Daher erschien ein Index der verbotenen Bücher wirksamer als das Feuer.

Das Kardinalsgremium hatte laut Schwedt anfänglich weder einen eigenen Namen noch einen festen Ort für ihre Zusammenkünfte, geschweige denn Geld für die zugewiesene Aufgabe. Die Institutionalisierung schritt jedoch dank Papst Pius V. (1566-1572) rasch voran. Kein Wunder, war er doch selbst vor seiner Wahl Inquisitor gewesen. Er stellte die Behörde auf eine solide finanzielle Grundlage und kaufte den Palazzo an, in dem erst die Inquisition, dann das Heilige Offizium und heute die Glaubenskongregation residiert. Aus der Inquisition wurde dann die älteste der neun Kongregationen der Kurie.

Karl Borromäus war Kardinal-Inquisitor

Schwedt will nicht eine weitere Geschichte der Inquisition schreiben. Sein Interesse liegt auf der Personenforschung, der Prosopographie. Nach einem vorformuliertem Raster erfasst er die rund 200 Mitglieder und Mitarbeiter der Inquisition zwischen 1542 und 1600. Dabei tauchen Personen auf, die man aus einem anderen Kontext kennt, darunter Karl Borromäus , der schon im jungen Alter von 25 Jahren Kardinal-Inquisitor in Rom wurde. Als Erzbischof von Mailand diente er schon zu Lebzeiten als Ideal eines Kirchenfürsten, seine Heiligsprechung erfolgte 1610. Die Inquisition konnte als Sprungbrett für die Karriere dienen; gleich zwei der frühen Mitglieder nahmen auf dem Stuhl Petri Platz: Paul IV. und Paul V.

1908 hat Papst Pius X. den Namen der Behörde in Heiliges Offizium (Sanctum Offizium) umbenannt. Im Dezember 1965 machte Papst Paul VI. nach massiver Kritik, die vom damaligen Kölner Kardinal Josef Frings auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil geäußert wurde, aus der ehemaligen Inquisitionsbehörde die Kongregation für die Glaubenslehre ein. Damals wie heute die Nummer eins unter den Kongregationen sieht sie sich in der Aufgabe, die katholische Glaubens- und Sittenlehre zu fördern und zu schützen.

Von Christiane Neuhausen (KNA)