"Wem fällt dies noch auf, außer mir?"

Meier: "Fake News" haben längst in kirchlichen Kreisen Einzug gehalten

Aktualisiert am 27.01.2021  –  Lesedauer: 

Augsburg ‐ Die "Dreistigkeit und Unverfrorenheit" von "Fake News" und "Lügengebäuden" in den Medien und im Alltag machen Bischof Betram Meier nachdenklich. Er fordert mehr Einsatz von Christen für die Wahrheit. Sie sollten sich "diesem Zeitgeist" widersetzen.

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Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat vor der Gefahr alternativer Fakten gewarnt. Was "heutzutage an Halbwahrheiten und sogenannten Fake News in manchen Ländern in Politik und Gesellschaft salonfähig wird, hat längst auch in kirchlichen Kreisen, auf Internet-Plattformen und in einschlägigen Publikationen Einzug gehalten", betonte Meier in seiner Predigt bei einem Pontifikalamt zum Thomas-von-Aquin-Fest der Katholischen Hochschulgemeinde am Dienstag in Augsburg.

Es werde mit Vermutungen und Unterstellungen gearbeitet, überzeichnet und verabsolutiert, so Meier weiter. "Transparenz, ein notwendiges Attribut der Wahrheit – Fehlanzeige! Information und Kommentar, Meinung und Bericht werden kaum mehr unterschieden, Begriffsdefinitionen unterlassen und Zusammenhänge allenfalls gestreift", kritisierte der Augsburger Oberhirte. "Wo führt das hin, frage ich mich – und: Wem fällt dies noch auf, außer mir?"

Die "Dreistigkeit und Unverfrorenheit von alternativen Fakten und Lügengebäuden in den Medien und im Alltag" machten ihn nachdenklich, betonte Meier. "Haben wir nicht alle in der Schule gelernt, dass Argumente aus drei Teilen bestehen müssen, aus Behauptung, Begründung und Beispiel?" Das menschliche Zusammenleben basiere auf logischer Wahrheit, sie sei eine Voraussetzung für Kooperation und gelingendes Miteinander. Wer sie vorsätzlich und für einen längeren Zeitraum unterlaufe, hebe die Gesellschaft aus den Angeln.

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"Wenn also menschliche Interaktion fruchtbar sein soll, setzt sie größtmögliche Eindeutigkeit, den größtmöglichen Konsens über das, was wahr ist, voraus. Denn Wahrheit und Vertrauen sind eineiige Zwillinge." Wahrheit fordere heraus, man könne ihr gegenüber nicht gleichgültig bleiben und müsse Stellung beziehen. "Denn nicht ich habe die Wahrheit, sondern die Wahrheit hat mich", so der Bischof. Wahrheit dulde keine Neutralität, sondern brauche Bewährung.

Meier rief alle Christen dazu auf, sich "diesem Zeitgeist" zur Wehr zu setzen und nicht aus Gründen von "Denkfaulheit" einer "verbreiteten Schwarz-Weiß-Malerei" anheim zu fallen. Vielmehr gelte es, der Wahrheit im Leben neu und bewusst Raum zu geben: "Nicht nur der logischen, abstrakten Wahrheit, sondern der Wahrheit in Person, Jesus Christus."

Meier äußerte vor Studierenden und Mitarbeitern der Katholischen Hochschulgemeinde, der Katholisch-Theologischen Fakultät und dem Bistum Augsburg. Thomas von Aquin ist der Schutzpatron der Studierenden. (cbr)