Nach Vertuschungsvorwürfen gegen ehemaligen Oberhirten

Trier: Stadtrat vorerst gegen Umbenennung von Bischof-Stein-Platz

Aktualisiert am 28.01.2021  –  Lesedauer: 
Der ehemalige Bischof von Trier Bernhard Stein
Bild: © KNA-Bild

Trier ‐ Im vergangenen Jahr hatte die Betroffeneninitiative "MissBit" schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Trierer Bischof Bernhard Stein erhoben und forderte eine Umbenennung des Bischof-Stein-Platzes. Der Stadtrat hat sich nun dagegen entschieden – fürs Erste.

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Der Trierer Stadtrat hat die Umbenennung des Bischof-Stein-Platzes abgelehnt. In seiner Sitzung am Mittwochabend stimmte der Rat gegen einen Antrag der Grünen-Fraktion, den nach dem ehemaligen Bischof Bernhard Stein (1967-1980) benannten Platz vor dem Dom umzubenennen und ihm die Ehrenbürgerwürde abzuerkennen. In der Debatte sprach sich die Mehrheit der Redner dafür aus, die Ergebnisse der vom Bistum Trier eingerichteten unabhängigen Kommission abzuwarten.

Der Antrag mit dem Titel "Aus der Vergangenheit lernen Sexuellen Missbrauch ächten Opferwillen respektieren" geht auf ein Anliegen der Betroffenen-Initiative "MissBit" zurück. "Auch aus der Bürgerschaft und selbst aus dem Bereich der katholischen Kirche wurde der Wunsch vorgebracht, in diesem Sinne tätig zu werden", hieß es zur Begründung.

Alle Fraktionen offen für Umbenennung

Stein wird die Vertuschung von sexualisierter Gewalt während seiner Amtszeit vorgeworfen. "MissBit" hatte im Februar 2020 Ergebnisse eigener Recherchen vorgestellt. Demzufolge hat Stein als Bischof von verschiedener Seite Informationen zu Taten von Priestern im Bistum erhalten. Anstatt Strafverfahren einzuleiten, habe der Bischof die Beschuldigten gedeckt, Priester systematisch versetzt und teilweise befördert.

In der Debatte betonte der grüne Ratsherr Richard Leuckefeld, dass Stein das Ansehen der Kirche wichtiger gewesen sei als das Leiden der Opfer. Möglich gewesen sei die Vertuschung nur durch das Schweigen der Gesellschaft, das erst von den betroffenen selbst gebrochen wurde. "Fallen wir nicht in die Zeit des Schweigens zurück", so Leuckefeld. "Verstecken wir uns nicht hinter der Arbeit einer Kommission des Bistums." Auch der Vertreter der CDU, Thomas Albrecht, ging davon aus, dass die Vorwürfe nicht ohne Substanz sind. Man brauche jedoch zunächst ein geordnetes Verfahren, bevor man entscheiden könne. "Das gesamte Ausmaß ist zu bewerten und aufzuarbeiten", so Albrecht. Ähnlich äußerten sich auch Vertreter von SPD, Linke und der "Unabhängigen Bürgervertretung Trier". Für eine Umbenennung im Fall erwiesener Schuld sprachen sich alle Redner aus. Die SPD-Fraktion forderte zudem das Bistum auf, den Fall zügig aufzuklären.

Bischof Ackermann will Fall Stein prioritär aufklären

Das Bistum Trier erklärte auf Anfrage, dass man die Vorwürfe sehr ernst nehme. Bischof Stephan Ackermann werde die unabhängige Aufarbeitungskommission bitten, die Vorwürfe gegen Stein mit Priorität zu behandeln. Das habe er auch in einem Schreiben an die Mitglieder des Stadtrats betont. Vor dem Ergebnis der Untersuchung sei eine Umbenennung des Platzes allerdings verfrüht, hatte das Bistum bereits im vergangenen Jahr mitgeteilt.

In der Antragsbegründung bezeichnet die Fraktion die Aufarbeitung des Bistums als "notwendig und wichtig". Für den Rat der Stadt gebe es jedoch keinen Grund, auf die Ergebnisse dieser Aufarbeitung zu warten. Stein wurde 1975 zum Ehrenbürger der Stadt Trier ernannt. Die Ehrenbürgerschaft erlischt zwar mit dem Tod des Geehrten, die Aberkennung sei aber ein wichtiger symbolischer Akt, so die Fraktion. Bisher gab es in Trier zwei Fälle, in denen Ehrenbürgerwürden aberkannt wurden, bei Adolf Hitler und Paul von Hindenburg. In der Debatte betonte der Vertreter der CDU, dass es eine solide Grundlage brauche, um Stein in diese Reihe stellen.

Der heutige Bernhard-Stein-Platz liegt nordöstlich des Doms. 2012 wurde der Straßenabschnitt "Hinter dem Dom" saniert und anlässlich der Heilig-Rock-Wallfahrt umbenannt. Für einen neuen Namen hatte der Antrag eine Beteiligung des zuständigen Ortsbeirats vorgesehen. Neben der Möglichkeit, den alten Platznamen wieder zu verwenden, brachte "MissBit" im vergangenen Jahr den Namen "Platz der Menschenwürde" ins Spiel. (fxn)