Ergebnisse zu Philippus-Reliquien nicht belastbar

Kein echter Jakobus: Römische Reliquien stammen wohl nicht vom Apostel

Aktualisiert am 05.02.2021  –  Lesedauer: 

Rom ‐ Seit mehr als 1.000 Jahren werden in Rom die Reliquien der Apostel Philippus und Jakobus verehrt – dachte man zumindest bisher. Forschungen weisen nun nach, dass zumindest die Jakobus-Gebeine nicht auf den Gefährten Jesu zurückgehen können.

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Die dem Apostel Jakobus dem Jüngeren zugeschriebenen Reliquien in der römischen Kirche Santi Apostoli stammen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht von Jakobus. Das ergab eine Untersuchung eines internationalen Forscherteams, die Ende Januar in der Fachzeitschrift "Heritage Science" veröffentlicht wurde. Untersucht wurden Knochen und mumifizierte Gewebe, die den Aposteln Jakobus und Philippus zugeschrieben werden, sowie Teile der Reliquiare und Verzierungen der Reliquien. Die Proben wurden aus einem steinernen Reliquienschrein unter dem Hochaltar entnommen. Mit verschiedenen Methoden wie der Radiokarbondatierung konnte für die Oberschenkelknochen-Reliquien des Jakobus mit hoher Wahrscheinlichkeit festgestellt werden, dass sie auf die Jahre 214 und 340 zurückgehen. Der Apostel Jakobus ist jedoch bereits um 62 gestorben.

Eine chemische Analyse der Knochen deutet darauf hin, dass es sich bei den Jakobus-Knochen um die Überreste eines Europäers handelt: Die Bleiwerte ähneln denen anderer europäischer Funde aus der Spätantike. Niedrige Strontium- und Bariumwerte deuten zudem auf eine fleischreiche Ernährung hin. Damit könnte es sich um einen Angehörigen einer höheren Schicht handeln.

Die Nische, in der sich die Reliquien unter dem Hochaltar befanden.
Bild: ©Kaare Lund Rasmussen/Simone Schiavone (CC BY 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)

Die Nische, in der sich die Reliquien unter dem Hochaltar befanden.

Für die Reliquien des um 81 gestorbenen Philippus konnte keine genaue Datierung vorgenommen werden. Begleitfunde deuten aber auch hier auf einen frühchristlichen Ursprung hin. Die chemische Untersuchung zeigt Ähnlichkeiten zu Funden in einem antiken Friedhof in Qumran im Westjordanland. "Wenn die frühen Kirchenoberen nach dem Leichnam eines vor ein paar hundert Jahren gestorbenen Apostels suchten, taten sie das in alten Grabstätten, wo die körperlichen Überreste heiliger Männer zur Ruhe gelegt worden sein könnten", erläutern die Forscher, wie Überreste aus dem Nahen Osten in die römische Kirche gelangt sein könnten..

Kirche seit der Spätantike mit den Aposteln verbunden

Die Untersuchung des Reliquiars und einer Keramikscherbe aus dem Hochaltar ist dagegen anders als die Reliquien mit der Überlieferung zur Baugeschichte konsistent: Der Bau der heutigen Kirche und die Übertragung der Reliquien geht auf Papst Pelagius I. (556–561) zurück. Die Datierung der Materialien ist damit vereinbar.

Die Kirche Santi Apostoli liegt im historischen Zentrum Roms. Bereits im vierten Jahrhundert wurde an diesem Ort von Papst Julius eine erste Basilika erbaut. Seit dem fünften Jahrhundert wird sie als Ort der Reliquien von Philippus und Jakobus bezeichnet. Sie ist eine Basilica minor und Titelkirche, derzeit von Kardinal Angelo Scola. Das Gemälde des Hauptaltars des Malers Domenico Mutatori aus dem Jahr 1704 zeigt das Martyrium von Philippus und Jakobus und gilt als das größte Tafelbild Roms.

Die beiden Apostel werden im Neuen Testament erwähnt. Jakobus, Sohn des Alphäus, und Philippus tauchen in den Apostellisten der synoptischen Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas sowie in der Apostelgeschichte auf. Zur Unterscheidung von dem gleichnamigen Sohn des Zebedäus trägt Jakobus den Beinamen "der Jüngere". Philippus kommt weiterhin im Johannesevangelium als Mittler zu den Griechen, aber auch als Jünger, der nicht alles versteht, was Jesus tut, beschrieben. Aufgrund des seit alters her gemeinsamen Festtags, der heute am 3. Mai (früher 1. Mai) begangen wird, werden die beiden Apostel oft gemeinsam genannt. (fxn)