Mitglieder der traditionalistischen Piusbruderschaft bei einem Gottesdienst.
Französische Bischofskonferenz behandle Traditionalisten nicht angemessen

"Una Voce" übt Kritik an Ablehnung "Alter Messe" durch Bischöfe

Die französischen Bischöfe sehen in der Messe in ihrer außerordentlichen Form vor allem die Gefahr einer Spaltung der Kirche: Mit dieser Einschätzung sind die Freunde der "Alten Messe" jedoch nicht einverstanden. Sie fordern mehr Wertschätzung.

Paris - 16.02.2021

Die internationale Una-Voce-Bewegung wendet sich gegen die negative Beurteilung der Messe in der außerordentlichen Form durch die französische Bischofskonferenz. In einer Stellungnahme beklagte die Organisation, die die Förderung der Liturgie der "Alten Messe" zum Ziel hat, in der vergangenen Woche den "durchweg feindlichen Ton" in den Rückmeldungen der Bischöfe auf die Umfrage des Vatikans zur Umsetzung des Motu Proprios "Summorum Pontificum", mit dem Papst Benedikt XVI. 2007 die Feier der Messe nach dem letzten vor der Liturgiereform geltenden Messbuch von 1962 wesentlich erleichtert hatte. Die Rückmeldungen hätten "erhebliche Verletzungen unter den französischen Katholiken, die dieser Tradition verbunden sind" bewirkt. 

In der Stellungnahme der Bischöfe vermisse die Organisation "die Worte von Hirten und Vätern" gegenüber diesen "Söhnen und Töchtern der Kirche". Die Bischofskonferenz müsse die Folgen bedenken, die sich aus dem Anschein einer "abweisenden Haltung gegenüber Katholiken, die sich von der alten liturgischen Tradition angezogen" fühlten, ergäben.. "Wenn sich traditionsbewusste Katholiken an den Rand gedrängt fühlen, liegt das in weiten Teilen an der feindseligen Haltung, die dieses Dokument zeigt, das sie eher als Ärgernis denn als Söhne und Töchter ihrer Bischöfe sieht", so Una Voce.

Die Bewegung verweist auf die Worte von Papst Benedikt XVI., der in seinem Begleitschreiben zum Motu Proprio die Bischöfe dazu aufforderte, dafür zu sorgen, "daß alles friedlich und sachlich geschieht". Friede und Sachlichkeit würden durch eine offene Haltung befördert, die sie in den Rückmeldungen der Bischofskonferenz vermisse. Viele eigentlich positive Effekte der Messe in der außerordentlichen Form, die die Bischöfe benennen, würden mit einem "beispiellosen Fehlen von Wohlwollen" geschildert, etwa die Attraktivität für kinderreiche Familien und spirituell nach Halt Suchenden sowie Seminaristen, die sich auf eigene Faust mit der außerordentlichen Form vertraut machen.

Papst Franziskus forderte Rückmeldungen zur außerordentlichen Form an

Zuvor hatte sich auch die französische Sektion von Una Voce mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet. Darin zeigte sich die Organisation fassungslos angesichts der "Schlussfolgerung, dass die außerordentliche Form nicht missionarisch sei, wenn man weiß, dass die Messen in den Pfarreien immer mehr verwaisen, während die traditionellen Messen voller junger Leute und einer nicht unbedeutenden Zahl von Konvertiten sind".

Im Januar waren die Rückmeldungen der französischen Bischofskonferenz zu einer Umfrage bekannt geworden, die die Glaubenskongregation im Vorjahr im Auftrag von Papst Franziskus an die Bischöfe der Weltkirche gerichtet hatte. Darin sollten die Bischöfe Auskunft zur Umsetzung von "Summorum Pontificum" geben. Unter Befürwortern der außerordentlichen Form wurde die Umfrage mit Sorge aufgenommen. Die Rückmeldungen der französischen Bischöfe, die nicht offiziell veröffentlicht wurden, zeichneten ein Bild einer sich vom Leben der Pfarreien abschottenden Gemeinschaft und von Spaltungen innerhalb der Kirche durch einen de facto entstehenden "Bi-Ritualismus" in der Kirche. Unter den Gläubigen gebe es häufig monarchistische und rigoristische Tendenzen, so die Bischöfe.

Die Una-Voce-Bewegung hatte im vergangenen Jahr selbst unter Vertretern der außerordentlichen Form eine weltweite Erhebung organisiert, deren Ergebnisse der Glaubenskongregation übergeben wurden. Die Abfrage kam zu dem Ergebnis, dass vor allem Familien und Männer stärker erreicht würden. Die Bewegung setzt sich für die Erhaltung und Pflege der Messe in der außerordentlichen Form ein. Sie wurde als Gegenbewegung zur Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) gegründet. Nach der Reform war es erst ab 1984 durch ein päpstliches Indult wieder ausdrücklich erlaubt, die Messform von 1962 zu feiern, allerdings nur aus pastoralen Gründen und mit bischöflicher Sondergenehmigung. 2007 hatte Papst Benedikt XVI. die Feier der "Alten Messe" mit dem Motu Proprio "Summorum Pontificium" als "außerordentliche Form" des römischen Ritus wesentlich erleichtert. Schätzungen zufolge zelebrieren etwa ein Prozent der Priester weltweit die Messe in außerordentlicher Form. (fxn)