Priesterkragen auf einem Tisch
Weihe beider Geschlechter "symboltheologisch angebrachter"

Hilberath: Kirche hat Vollmacht, Frauen zu Priesterinnen zu weihen

Für Johannes Paul II. war die Sache klar: Die Kirche hat keine Vollmacht, Frauen zu weihen – aber viele Katholiken sind davon nicht überzeugt. Der Tübinger Dogmatiker Bernd Jochen Hilberath hält Priesterinnen für möglich – und sogar angebracht.

Tübingen - 26.02.2021

Die Kirche hat nach der Überzeugung des emeritierten Tübinger Dogmatikers Bernd Jochen Hilberath die Vollmacht, Frauen zu Priesterinnen zu weihen. In einem Beitrag für das Online-Feuilleton "Feinschwarz" (Freitag) betont der Theologe, dass eine "Symboltheologie des priesterlichen Amts", mit der die Männern vorbehaltene Weihe begründet wird, auf "schwachen theologischen Füßen" stehe.

Hilberath führt dazu verschiedene Argumente ins Feld. Der neutestamentliche Befund lege nahe, dass die Berufung von zwölf Männern die Stammväter des Volks Israel repräsentierten, Folgerungen für das kirchliche Amt könne man daraus aber nicht ziehen. Jesus und später Paulus hätten auch Frauen berufen, etwa die Apostelin Junia. Historisch weist Hilberath darauf hin, dass der "eine Ordo" und das dreigliedrige Amt eine Fiktion seien. Über die Urgeschichte des Christentums hinaus kenne die Geschichte viele Beispiele dafür, dass Frauen Aufgaben übernahmen, die heute eine Weihe erfordern würden. Daher könne die heutige Gestalt des Weihesakraments nicht zwingend sein: "sonst wären die historischen Beispiele als 'unorthodox' einzustufen", so der Dogmatiker.

Priester ahmt Jesus nicht wie Schauspieler nach

Das Handeln von Priestern "in persona Christi capitis", also "in der Person Christi des Hauptes" sei nicht wie ein "Nachahmen Jesu wie etwa bei Passionsspielen" zu verstehen. "Persona" bezeichne vielmehr die Rolle, die der Priester ausübt: "der Priester handelt in der Rolle Jesu Christi, der es ist – wie schon Augustinus lehrte – , der tauft, der uns die verwandelten Gaben von Brot und Wein reicht, von Sünden losspricht", so Hilberath weiter. Auch die symboltheologische Deutung des Verhältnisses von Kirche zu Christus als Verhältnis von Braut und Bräutigam trage nicht. Heute sei dieses Verhältnis eines der Gleichberechtigung, symbolisch gemeint sei mit dem theologischen Bild aber ein Verhältnis der Über- und Unterordnung. Das Geschlecht Jesu sei auch kein Argument dafür, dass Gott nur als Mann Mensch werden könne. "In den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen war das der 'leichtere' Weg, um bei den Menschen anzukommen, wenn auch nur eine von zwei Möglichkeiten", argumentiert der Dogmatiker: "Erlöst sind wir jedenfalls nicht durch Gott in einem Mann, sondern durch den menschgewordenen Gott." Es wäre sogar "symbolisch angebrachter" Männer wie Frauen zu weihen, um einer Verwechslung von Jesus Christus und dem Amtsträger vorzubeugen.

Hilberath wendet sich mit seinem Plädoyer gegen die 1994 von Papst Johannes Paul II. mit höchster Autorität vorgetragene Entscheidung, dass die Kirche nicht die Vollmacht zur Weihe von Frauen habe. In seinem Apostolischen Schreiben Ordinatio Sacerdotalis hatte Johannes Paul II. betont, dass die Weihe in der Kirche "von Anfang an ausschließlich Männern vorbehalten" gewesen sei und diese Lehre auch der göttlichen Verfassung der Kirche entspreche. Obwohl das Schreiben einschärft, dass "sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben", wird die Frage nach der Frauenweihe weiterhin weltweit kontrovers in der Theologie, in der Kirche und in der Gesellschaft diskutiert. Auch einzelne Bischöfe haben sich jüngst für eine offene Diskussion ausgesprochen. (fxn)