Heiner Wilmer, der ernannte Bischof von Hildesheim
Bischof äußert sich nach Kritik an seinem damaligen Handeln als Schulleiter

Wilmer: Eltern waren mit Vorgehen nach Belästigungsfall einverstanden

In seiner Zeit als Schulleiter soll der jetzige Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer einen Fall sexueller Belästigung durch einen Lehrer heruntergespielt haben. Wilmer hat sich nun zu den Vorwürfen geäußert – und sich auch selbstkritisch gezeigt.

Handrup/Hildesheim - 12.03.2021

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer hat auf Kritik einer ehemaligen Schülerin reagiert, als Schulleiter auf die von ihr geschilderten Vorwürfe sexueller Belästigung durch einen Lehrer nicht angemessen reagiert zu haben. "Gegenüber den Eltern haben sowohl ich als auch mein Stellvertreter die körperlichen und verbalen Übergriffe des Lehrers sehr deutlich verurteilt und als nicht hinnehmbar kritisiert", sagte Wilmer laut Mitteilung des Bistums am Donnerstag. Mit den Eltern sei vereinbart worden, dass er ein Disziplinargespräch mit dem Lehrer führen werde. "Die Eltern gaben meinem Stellvertreter und mir am Ende des Gesprächs die Rückmeldung, dass sie mit diesem Vorgehen so einverstanden waren. Auch später wurde dieses Einverständnis nie relativiert", so Wilmer.

Konkret geht es um einen im Februar 2007 an den damaligen Schulleiter Wilmer herangetragenen Fall: Eine damals 15-jährige Schülerin wurde demnach von einem inzwischen verstorbenen Lehrer am Gymnasium Leoninum im emsländischen Handrup sexuell belästigt. Über den Fall hatte die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" am Donnerstag (online) berichtet. Demnach wurde die Schülerin mehrfach belästigt, indem er sie etwa zu Hause angerufen, ihr seine Hand auf den Oberschenkel gelegt oder anzügliche Bemerkungen über ihre Unterwäsche gemacht habe. Laut Mitteilung des Bistums habe die Schülerin ihren Eltern geschildert, sie sei "von einem Lehrer an der Schulter und an der Hüfte berührt und anzüglich angesprochen" worden. Daraufhin hätten sich die Eltern mit der Bitte um ein Gespräch an Wilmer gewandt. 

Nach Ansicht der Mutter habe Wilmer die Vorfälle nicht entschieden genug verfolgt. In dem Gespräch habe er auch den Lehrer hereingerufen, der nichts abgestritten, sondern die Vorfälle zugegeben hätte. "Wilmer gab sich damit zufrieden", zitierte die Zeitung die Mutter der Schülerin.

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"Unverzüglich" nach dem Gespräch mit den Eltern habe Wilmer auch mit dem Lehrer gesprochen, der die Vorwürfe eingeräumt habe und mündlich abgemahnt worden sei, heißt es in der Mitteilung des Bistums. Er habe ihm mitgeteilt, dass er "ab sofort unter meiner strengen Beobachtung und der meines Stellvertreters steht", sagte Wilmer. "Dies hat dazu geführt, dass er sein Verhalten nach meiner Kenntnis abgestellt hat." Bis heute gebe es keine Hinweise auf weiteres Fehlverhalten des Lehrers.

Aus heutiger Sicht hätte er die damalige Schülerin "trotz des Gesprächs mit den Eltern und der schulrechtlich korrekten Disziplinarmaßnahmen gegenüber dem Lehrer" mit einer Vertrauenslehrerin oder einer Pädagogin aus der Schulseelsorge in Kontakt gebracht. "Innerhalb des Schulbetriebs hätte ich eine psychologische oder seelsorgliche Betreuung veranlasst oder zumindest vorgeschlagen", so der Hildesheimer Bischof. "Das ist damals nicht geschehen. Das bedauere ich."

Heiner Wilmer war von 1998 bis 2007 Schulleiter in Handrup. Anschließend wurde er Provinzial für die deutsche Provinz der Herz-Jesu-Priester in Bonn. 2015 wählte ihn das Generalkapitel seiner Ordensgemeinschaft in Rom zum Generaloberen. Seit September 2018 ist Wilmer Bischof von Hildesheim. (cbr)

12.3.21, 12:05 und 14.30 Uhr: Ergänzt um weitere Details.