Pakistanischer Christ lebt seit zwölf Jahren in Sachsen

Abschiebung droht: Bistum Dresden-Meißen engagiert sich für Katholiken

Aktualisiert am 15.03.2021  –  Lesedauer: 

Dresden ‐ Sachsen will einen aus Pakistan stammenden Katholiken nach zwölf Jahren aus Deutschland abschieben – doch dagegen regt sich Widerstand. Auch das Bistum Dresden-Meißen und Bischof Heinrich Timmerevers engagieren sich für den betroffenen Mann.

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Das Bistum Dresden-Meißen hat sich in den Fall des in Sachsen lebenden pakistanischen Katholiken Faisal Jahangir eingeschaltet, der an diesem Mittwoch nach zwölf Jahren in Deutschland in sein Heimatland abgeschoben werden soll. Bischof Heinrich Timmerevers habe Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) am Montag in einem persönlichen Schreiben um die Aussetzung der Abschiebemaßnahmen gegen den 41-Jährigen gebeten, erklärte das Bistum auf Anfrage von katholisch.de. Zuvor habe sich am vergangenen Donnerstag bereits der Leiter des Katholischen Büros Sachsen, Diakon Daniel Frank, in der gleichen Angelegenheit an den sächsischen Innenminister Roland Wöller gewandt.

Bischof Timmerevers besucht Pakistaner im Abschiebegefängnis

Zudem hätten Timmerevers und Frank den von Abschiebung bedrohten Jahangir am Montagvormittag im Abschiebegefängnis in Dresden besucht und sich ein Bild von dessen Befinden gemacht, so das Bistum weiter. Dabei hätten der Bischof und der Diakon auch gemeinsam mit dem Pakistaner gebetet und ihm Mut und Zuversicht zugesprochen.

Jahangir war am vergangenen Dienstag bei einem regulären Termin in der Ausländerbehörde Meißen überraschend festgenommen und in Abschiebehaft genommen worden. Voraussichtlich am Mittwoch soll er nach München gebracht und von dort nach Pakistan abgeschoben werden. Die Behörden werfen Jahangir vor, seine Identität vorsätzlich verschleiert zu haben, indem er bei seiner Registrierung in Meißen einen falschen Nachnamen angegeben habe. Laut seinem Anwalt hat Jahangir bei einer ersten Befragung in Deutschland tatsächlich den Nachnamen seines Vaters angegeben – dies sei in Pakistan jedoch üblich.

Jahangir: Ich bete jeden Tag ein Vaterunser nach dem anderen

Jahangir sei 2008 nach Deutschland geflüchtet, weil er als Katholik im mehrheitlich muslimischen Pakistan um sein Leben gefürchtet habe, erklärte das Bistum Dresden-Meißen. Pakistan stehe weltweit an fünfter Stelle unter den Ländern, in denen Christen verfolgt und bedroht würden. Bei einer Abschiebung drohten Jahangir in seinem Herkunftsland sofortige Haft und womöglich auch Folter und Lebensgefahr. Die Diözese betonte, dass Jahangir in den zurückliegenden Jahren spürbare Anstrengungen unternommen habe, die deutsche Sprache zu lernen und sich gesellschaftlich zu integrieren. "Er geht einer geordneten Arbeit im Gastronomiebereich nach, ist Gemeindemitglied der katholischen Pfarrei St. Benno Meißen und auch darüber hinaus sozial gut integriert", so das Bistum. Während der gesamten Zeit seines Aufenthalts in Deutschland habe sich Jahangir nichts zuschulden kommen lassen. Im August 2019 habe er zudem in Meißen kirchlich geheiratet, die standesamtliche Trauung sei im November vergangenen Jahres gefolgt.

Nach seiner Festnahme habe Jahangir über seinen Anwalt beim Verwaltungsgericht Dresden einen Eilantrag auf Aussetzung der Abschiebemaßnahmen gestellt, dieser sei jedoch einen Tag später abschlägig beschieden worden, teilte das Bistum mit. In seiner Begründung habe das Gericht erläutert, dass der Pakistaner die Möglichkeit habe, nach seiner Abschiebung von Pakistan aus erneut einen Aufnahmeantrag zu stellen. Jahangir selbst äußerte sich in einem Telefonat mit den "Dresdner Neuesten Nachrichten" (DNN) zu seiner drohenden Abschiebung. "Ich weiß nicht, was hier passiert", zitierte die Zeitung den 41-Jährigen. Und weiter: "Ich bete jeden Tag ein Vaterunser nach dem anderen." (stz)