Eine Mappe mit dem Logo des Synodalen Wegs
Forum will "Zwischenruf" der Glaubenskongregation eingehend diskutieren

Synodalforum nach römischem "Nein": Kirchliche Lehre weiterentwickeln

Die Stellungnahme der Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Paare zielt laut Beobachtern auch auf den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland ab. Vertreter des Prozesses haben am Dienstag auf das römische "Nein" reagiert.

Bonn - 16.03.2021

Nach dem "Nein" der Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Paare haben die Vorsitzenden des Forums "Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft" des Synodalen Wegs, Birgit Mock und Aachens Bischof Helmut Dieser, eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre im Dialog mit der Lebenswirklichkeit der Menschen und den Einsichten der Humanwissenschaften gefordert. Dies sei auch eine bleibende Aufgabe des Synodalen Wegs. "Unser Forum wird diesen römischen Zwischenruf eingehend diskutieren", erklärten die beiden Vorsitzenden am Dienstag. Und weiter: "Dass das aktuelle Dokument aus Rom ganz überwiegend dynamische Begrifflichkeiten vorweist, lässt auch auf eine mögliche Weiterentwicklung der Lehre der Kirche hoffen. Dieser geistlichen Übung fühlen wir uns im Synodalen Weg verpflichtet."

Bischof Dieser sieht positive Einschätzungen

Bischof Dieser betonte, er sehe in der Stellungnahme der Glaubenskongregation wichtige positive Einschätzungen zur Lebenswirklichkeit homosexueller Menschen: "Zum einen wird vorausgesetzt und damit anerkannt, dass es homosexuelle Paarbeziehungen gibt. Zum anderen wird gesagt, dass in ihnen positive Elemente vorhanden seien, die zu schätzen und hervorzuheben seien, so dass ihnen mit Respekt und Takt begegnet werden müsse." Das Synodalforum diskutiere die gewichtige Frage, wie homosexuelle Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit die Nachfolge Christi verwirklichen könnten. Dazu fordere die römische Stellungnahme auch ausdrücklich auf.

Es gehe darum, homosexuelle Personen anzunehmen, sie zu begleiten und ihnen Wege des Glaubenswachstums aufzuweisen, so dass sie frei und verantwortungsbewusst die eigene Taufberufung annehmen könnten, so Dieser weiter. "Dabei wird sogar Verständnis dafür angedeutet, dass der seelsorgliche Wunsch, homosexuelle Verbindungen zu segnen, diesem aufrichtigen pastoralen Willen entspringen könne. Dennoch wird diese Möglichkeit auf dem Stand der heutigen Lehrentwicklung strikt abgelehnt", sagte der Bischof wörtlich.

Mock: Sexuallehre der Kirche neu bewerten

Mock verdeutlichte, dass das Synodalforum den Auftrag habe, die Sexuallehre der Kirche vor dem Hintergrund der heutigen Zeit neu zu bewerten. "Um diesem Auftrag gerecht zu werden, ziehen wir verschiedene Bezeugungsinstanzen des Glaubens heran. Zu diesen Quellen gehören eine zeitgemäße Auslegung der Heiligen Schrift, die Tradition und das Lehramt. Ebenso speisen sich unsere Überlegungen aus aktuellen theologischen und humanwissenschaftlichen Erkenntnissen sowie dem sensus fidelium, dem Glaubenssinn der Gläubigen", so die familienpolitische Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

"Wenn wir über Menschen und deren vielfältige Beziehungen sprechen, dann müssen wir die Person um ihrer Person willen würdigen", so Mock weiter. Dabei sei es nicht möglich, die Sexualität einer Person außen vor zu lassen. Sie gehöre untrennbar zur Identität eines jeden Menschen. Das gelte auch, wenn Menschen ihre Sexualität verantwortungsvoll und unter unbedingter Achtung der Würde des anderen in Beziehungen lebten. "So heißt unser Forum: 'Leben in gelingenden Beziehungen'. Dazu zählen nicht nur Beziehungen zwischen Frau und Mann in einer sakramental geschlossenen Ehe, sondern auch in Liebe, Treue und Verantwortung gelebte gleichgeschlechtliche Beziehungen. Segen ist unverfügbar, das ist richtig. Wir sollten es daher nicht verpassen, in der Liebe dieser Paare Fundstätten Gottes zu erkennen", betonte Mock. (stz)