Ein Mann hält das Papstschreiben "Amoris laetitia" in der Hand
Papst Franziskus will für katholisches "Ideal der Liebe" werben

"Amoris laetitia reloaded": Kirche beginnt Aktionsjahr zu Familie

Lange Zeit war es ruhig um das Papstschreiben "Amoris laetitia" zu Ehe und Familie aus dem Jahr 2016. Nun holt Franziskus es wieder hervor und will die Diskussion weiterführen. Anders als bisher – vor allem mit Familien selber.

Von Roland Juchem (KNA) |  Vatikanstadt - 19.03.2021

Franziskus will, dass seine Schreiben keine bloßen Buchstaben bleiben. Zu einigen schiebt er fünf Jahre später ein ganzes Aktionsjahr hinterher - damit "Butter bei die Fische" kommt. Das ist nun auch für "Amoris laetitia" geplant. Mit dem am 19. März, dem Tag des heiligen Josef, unterzeichneten Schreiben fasste der Papst 2016 die Ergebnisse der beiden Familien-Synoden von 2014 und 2015 zusammen.

Bekannt wurde "Amoris laetitia" aber auch, weil es Franziskus den öffentlichen Tadel von vier Kardinälen eintrug - sogenannte "Dubia". Später warfen ihm etliche mehr oder weniger prominente, konservative Theologen und Intellektuelle gar "Häresie" vor: Der Papst zersetze traditionelle katholische Lehren zu Ehe und Familie.

Eine berühmte Fußnote

Auslöser der Empörung: In einer Fußnote eröffnete Franziskus die Möglichkeit, dass geschiedene und wieder verheiratete Paare nach Rücksprache mit einem Seelsorger unter Umständen wieder zur Kommunion zugelassen werden. Kein allgemeiner Freibrief, sondern ein Fall für die von Franziskus geforderte "geistliche Unterscheidung". Mit ihrer Hilfe gelte es herauszufinden, was in der jeweiligen konkreten Lage Gottes Wille ist.

Weil aber das knapp 300 Seiten starke Schreiben über die "Freude der Liebe" in der Familie viel mehr enthält, gibt es nun ein ganzes "Amoris laetitia"-Familien-Jahr. Genauer gesagt sind es 15 Monate; enden soll das Aktionsjahr beim katholischen Weltfamilientreffen am 26. Juni 2022 in Rom. Die zunächst für Dienstag angesetzte Vorstellung verschob der Vatikan auf Donnerstag; man wollte wohl, dass sich der Rauch um das Nein der Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Paare etwas verzieht.

Die federführende Vatikanbehörde für "Laien, Familie und Leben" unter Kardinal Kevin Farrell und der Theologin Gabriella Gambino denkt dabei in ganz großen Linien. "Jede Familie weltweit" will man mit "geistlichen, seelsorglichen und kulturellen Angeboten" für Gemeinden, Diözesen, Universitäten und kirchlichen Vereinigungen erreichen. "Die Familie", so heißt es, verdiene ein solches Festjahr, damit sie ins Zentrum kirchlichen Engagements rückt.

Papst Franziskus vor einem Weihnachtsbaum

Kurz nach Weihnachten 2020 hat Papst Franziskus am Fest der Heiligen Familie ein Aktionsjahr zu "Amoris laetitia" angekündigt.

Ziele des "Amoris laetitia"-Jahres sind: 1. das Papstschreiben bekannter zu machen, 2. für das "Sakrament der Ehe als Geschenk" zu werben, 3. Familien an der Gemeindeseelsorge zu beteiligen, 4. jungen Menschen zu vermitteln, wie wichtig Bildung und menschliche Reife für Liebe und Sexualität sind - sowie 5. das Verständnis von Familienseelsorge bereichsübergreifend zu erweitern. Neben Ehepaaren und Kindern sollen auch Jugendliche, ältere Menschen sowie Familienkrisen in den Blick kommen.

Franziskus selbst sprach bei der Ankündigung davon, "das Ideal der ehelichen und familiären Liebe neu vor Augen zu führen". Dieses Ideal allerdings soll so vermittelt werden, dass es Paaren und Familien angesichts ihrer eigenen Lebensverhältnisse und Schwierigkeiten wirklich hilft.

Katholische Ehelehre soll raus aus der Mief-Ecke

Der Papst will die katholische Auffassung von Ehe, Liebe und Sexualität aus der Mief-Ecke von Lebensfeindlichkeit und rigider Lehre, in der viele sie sehen, herausholen. Der christliche Glaube bietet seiner Ansicht nach viel mehr dazu, ohne dass es großer Änderungen in der Morallehre bedarf.

Für Aufmerksamkeit dürfte ein internationales Forum vom 9. bis 12. Juni sorgen: "Wo stehen wir mit 'Amoris laetitia'? Strategien zur Umsetzung des Apostolischen Schreibens von Papst Franziskus". Angesprochen sind Experten für Familienpastoral in Bischofskonferenzen, internationalen Bewegungen und Familienverbänden. Zudem soll monatlich ein Video erscheinen, in dem Franziskus den Angehörigen verschiedenster Familien die einzelnen Kapitel seines Schreibens noch einmal erklären will.

In weiteren Video-Projekten geht es um den Glauben und das Leben geistig und körperlich behinderter Menschen. Im Angebotspaket der Vatikanbehörde von Kardinal Kevin Farrell sind des weiteren ein Dutzend Ideen für familienseelsorgliche Projekte, etwa der von Franziskus ebenfalls neu eingeführte "Welttag für Großeltern und Senioren" im Juli. Rund um den Valentinstag 2022 gibt es Aktionen für Verliebte - und am Ende das große Weltfamilientreffen mit dem Papst in Rom.

Von Roland Juchem (KNA)