Kardinal Kevin Joseph Farrell im Porträt
"Jahr der Familie" solle Herausforderungen weltweit bewusster machen

Kurienkardinal: Katholische Familienseelsorge vielerorts noch veraltet

Am 19. März beginnt das von Papst Franziskus angekündigte "Jahr der Familie". Kurienkardinal Kevin Farrell beklagt vorab Probleme in der kirchlichen Familienseelsorge – und eine verkürzte Rezeption des Papstschreibens "Amoris laetitia".

Rom - 12.03.2021

Katholische Seelsorge wird nach Ansicht eines leitenden Kurienkardinals vielerorts den veränderten Herausforderungen und Lebenslage von Paaren und Familien nicht mehr gerecht. Auch um diese Herausforderungen weltweit bewusster zu machen, rufe der Papst ab dem 19. März zu einem Jahr der Familie auf, sagte der Leiter der Vatikanbehörde für Ehe, Familien, Leben, Kardinal Kevin Farrell, der Zeitschrift "Famiglia Cristiana" (aktuelle Ausgabe).

Familien erlebten seit Jahrzehnten "eine Phase großer Herausforderungen und Schwierigkeiten", so Farrell. Seiner Ansicht nach schwächt zunehmender Individualismus familiäre Bindungen, haben junge Menschen Schwierigkeiten, den wesentlichen Unterschied zwischen Ehe als rechtliche wie sakramentale Institution und bloßem Zusammenleben zu verstehen. Die von Franziskus einberufenen Familiensynoden 2014 und 2015 sowie sein Schreiben "Amoris laetitia" hätten die Dringlichkeit dieser Herausforderungen deutlich gemacht.

Insbesondere in Europa und Nordamerika sei eine größere Rezeption von "Amoris laetitia" leider durch die Diskussion um das achte Kapitel, in dem es unter anderem um Scheidung geht, bisher verhindert worden. Auch aus diesem Grund habe der Papst nun ein "Amoris laetitia"-Familienjahr ausgerufen. Dieses könne der dringend erforderlichen "Erneuerung der Seelsorge weiteren Schwung geben". Eine erneute Lektüre des umfangreichen Textes biete Hinweise zu Strategien und Vorschlägen zu viel mehr Themen. Dazu gehören laut Farrell die Bedeutung der Ehe, Kindererziehung, Krankheit, Armut, Behinderung, Gewalt in der Familie, Abhängigkeit, Einsamkeit. Als besonders dringliche Aufgabe von Familienpastoral nannte der Kardinal Vorbereitung und Begleitung junger Ehepaare sowie die Beteiligung von Familien und Paaren in der Seelsorge selbst.

Erzbischof Koch eröffnet "Jahr der Familie" in Deutschland

Das von Franziskus ausgerufene Ehe- und Familien-Jahr beginnt am 19. März mit einem Online-Symposium, bei dem auch der Papst selbst sprechen will. Es endet im Juni 2022 beim Weltfamilientreffen in Rom. Das Aktionsjahr soll die Anliegen des nachsynodalen Papstschreibens zu Ehe und Familie fünf Jahre nach dem Erscheinen erneut ins Bewusstsein heben. In Deutschland eröffnet der Berliner Erzbischof Heiner Koch das Jahr mit einem Familiengottesdienst am 19. März. Der Gottesdienst aus der Gemeinde St. Josef wird auf den Seiten des Erzbistums und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sowie den entsprechenden Social-Media-Kanälen gestreamt, wie die Bischofskonferenz am Donnerstag in Bonn ankündigte.

Die Inhalte von "Amoris laetitia" sollen im Aktionsjahr noch bekannter gemacht werden, hieß es. Zudem sollen Familien gestärkt und junge Menschen für die Bedeutung einer christlich verstandenen Ehe und Familie sensibilisiert werden. Das Aktionsjahr richte sich an Kirchenvertreter und Familienverbände, vor allem aber an die Familien in aller Welt.

In Zeiten der Corona-Pandemie sei "die Bedeutung der Familie als Hauskirche noch einmal gewachsen", betonte Koch. Daher wolle er einen "liturgischen Begleiter" ins Zentrum des Jahres stellen: unterstützende Angebote für Familien zu besonderen Anlässen. Neben Predigt- oder Andachtsvorschlägen sind etwa Stationen für einen Kreuzweg, Familien- und Kinderkatechesen, (Bild-)Meditationen und Gedichte geplant. (tmg/KNA)