Thomas Brezina veröffentlicht eine "Bibel in Reimen"

Kinderbuchautor: Vielen Menschen fehlt ein Zugang zur Bibel

Aktualisiert am 27.03.2021  –  Lesedauer: 
Kinderbuchautor: Vielen Menschen fehlt ein Zugang zur Bibel
Bild: © Lukas Beck

Bonn/Wien ‐ Eine "Bibel in Reimen" hat der österreichische Kinderbuchautor Thomas Brezina nun veröffentlicht. Denn er denkt, dass viele Menschen die Bibel zwar kennen, ihnen aber ein Zugang fehlt. Bei dem Prozess des Schreibens hat er auch selbst vieles gelernt, wie er im katholisch.de-Interview erzählt.

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Thomas Brezina gehört zu den bekanntesten deutschsprachigen Kinderbuchautoren. Sein neuestes Werk: Die "Bibel in Reimen". Warum der Österreicher sich mit der Bibel auseinandergesetzt hat und warum er denkt, dass viele keinen richtigen Zugang zu ihr finden, erklärt er im Interview.

Frage: Herr Brezina, Ihre "Bibel in Reimen" erscheint inmitten der Corona-Pandemie. Wie ist sie entstanden und warum gerade jetzt?

Brezina: Das Thema Bibel hat mich schon lange interessiert und fasziniert. Ich habe mir immer wieder überlegt, wie ich diese Geschichten erzählen kann. Der Auslöser war dann eine Freundin, die mir erzählte, dass sie eine Kinderbibel für ihre Tochter bekommen und begonnen hat, sie mit ihr zu lesen. Dabei sind sie aber auf viele Fragen gestoßen und konnten sie zum überwiegenden Teil nicht beantworten. Da dachte ich: Das ist ein interessanter Hinweis, denn mir geht es auch bei vielen Dingen so. In Reinem schreiben ist etwas, was ich gerne mache – auch in anderen Projekten schon. Dabei muss man sich auf das Wesentlichste, das Stärkste konzentrieren, um es in dieser knappen Form ausdrücken zu können. Ich habe mir ein Team aus Experten gesucht: Den Dompfarrer von St. Stephan in Wien, Toni Faber, habe ich als erstes angesprochen, weil ich ihn kenne. Hinzu kamen zwei Religionspädagoginnen und ein Bibelexperte, ein ehemaliger Fachinspektor der Erzdiözese Wien. Der Zeitpunkt war nicht geplant, aber ich glaube, er könnte nicht besser sein: Denn es ist eine Zeit, in der es stark um Glauben, um Vertrauen auf das Leben, um Respekt und Liebe geht, sowie um ein Verständnis, mit sich und in dieser Zeit Ruhe zu finden und zu leben.

Frage: Wie sah die Zusammenarbeit mit dem Team aus?

Brezina: Wir haben besprochen, welche Geschichten wir in das Buch aufnehmen wollen, welche gut und möglich sind. Ich habe mich mit dem Inhalt auseinandergesetzt und eine sehr lange Liste an Fragen gehabt. Mir geht es immer darum, die Dinge wirklich begreifen zu können. Damit meine ich, dass ich ein Bild vor Augen habe und es beschreiben kann. Deswegen war es für mich wichtig, ein Team zu haben, dem ich diese vielen Fragen stellen kann: Der Bibelexperte ist im Ruhestand und hat Unglaubliches gegeben. Auch den beiden Religionspädagoginnen war es ein Bedürfnis, Menschen diese Inhalte näher zu bringen, sodass sie sie berühren. Sie konnten mit mir auch ihre Erfahrungen aus dem Religionsunterricht teilen, wie man Kindern die Erzählungen und Themen schildern kann, dass sie verständlich und nicht abschreckend wirken. Mit dem Team habe ich auch besprochen, was alles in der Bibel drin sein soll und eine große Liste erstellt. Immer wieder gab es Dinge, die ich ehrlich nicht begriffen habe. Und bei einer Bibel in Reimen kann ich mich über nichts drüber mogeln: Wenn ich das nicht zu 100 Prozent begreife, kann ich es nicht beschreiben. Das würde mich nicht befriedigen und alle, die es lesen, genauso wenig. In intensiven Gesprächen bekam ich aber Antwort auf meine Fragen. Die Experten waren auch begeistert, weil ich oft einen Blickwinkel hineingebracht habe, den sie ich ihrer alltäglichen Arbeit nicht immer so haben. Wenn meine Texte dann fertig waren, sind sie wieder zu den Experten gegangen – genauso wie die Illustrationen.

Frage: Was hat Ihnen das persönlich gebracht?

Brezina: Das Projekt hat mich an meine Grenzen geführt, und ist auch immer größer und größer geworden als geplant. Ich habe dabei – das gebe ich ehrlich zu – viele Dinge erfahren, die mir den Inhalt der Bibel näherbringen konnten – und zwar so, dass es für mich selbst eine tiefe emotionale Auswirkung gehabt hat.

Frage: Was haben Sie denn konkret gelernt oder für sich neu entdeckt?

Brezina: Ich habe vieles in mir verstärkt und etwa Beruhigung und Vertrauen im Glauben gefunden. Ich meine Glaube als großen Begriff, dass man sich immer wieder darauf besinnt: in Wirklichkeit eines Gebets, eines inneren Gesprächs, in jeder Form, die stärkt, hilft und Klarheit schafft. Das habe ich immer stärker gespürt, je mehr ich mich damit beschäftigt habe. Das ist kein neues Thema für mich, aber es hat sich in mir gefestigt. Ich war lange in den Prozess des Schreibens vertieft. Es hat sich bald herauskristallisiert, dass das offensichtlich nicht nur Kinder interessiert, sondern prinzipiell Menschen. Darum heißt es eben "Bibel in Reimen".

Bild: ©edition a

Ein Auszug aus der "Bibel in Reimen" über das letzte Abendmahl.

Frage: Ist es also ein Buch für Menschen, die gar nichts mit der Bibel zu tun haben oder für diejenigen, die schon immer in der Bibel lesen wollten, aber denen diese vielleicht zu kompliziert ist – oder auch für beide?

Brezina: Genau, für beide Gruppen – und für Kinder speziell. Ich habe Wissenssendungen für Kinder gemacht. Da war die Rückmeldung, dass viele Erwachsene zugesehen haben und Kommentare kamen wie: In der Schule habe ich das nie so verstanden, zum ersten Mal ist mir jetzt klar geworden, was das eigentlich ist. Ich glaube, dass das Buch einen ähnlichen Effekt haben könnte.

Frage: Es gibt bereits viele Kinderbibeln, Jugendbibeln und Bibeln in leichter Sprache. Welchen anderen Zugang bieten Sie nun?

Brezina: Ich glaube, dass unsere Bibel in einer Familie gut geeignet ist, da Reime etwas Wunderschönes zum Vorlesen sind. Während der Entstehung habe ich die Texte immer wieder verschiedenen Menschen gegeben. Da wurde mir gesagt: "Du, so habe ich das noch nie verstanden." Ich habe mir andere Kinder- und Jugendbibeln angeschaut. Mit einigen konnte ich nicht viel anfangen. Es werden oft allgemeine Sätze verwendet. Das wollte ich vermeiden und immer auf das Wesentliche und Starke dahinterkommen.

Fragen: Nach welchem Kriterium lief die Auswahl der Texte? Haben Sie Beispiele, welche Texte es hereingeschafft haben?

Brezina: Das sind Texte, die man landläufig vor allem aus dem Religionsunterricht oder der Kindheit kennt, aber sich oft im Detail nicht erinnert. Die Freundin, die der Anstoß war, hat ihrer Tochter die Geschichte von Adam und Eva im Paradies vorgelesen. Ihre Tochter hatte viele Fragen, vor allem, wie es möglich sei, dass alle von denen abstammen, weil wir dann ja alle miteinander verwandt wären. Die Freundin wusste nicht, wie sie ihr darauf antworten soll. Das war eine Frage, die ich dem Experten-Team gestellt habe. Sie erklärten es mir. Auch wenn es den Menschen noch so gut geht: Kommt eine Verlockung, ist es menschliche Natur, nicht widerstehen zu können. So sind wir quasi alle mit Adam und Eva verwandt, das ist das Bild dahinter. Denn diese Verlockung, diese Schlange, das kennt jeder Erwachsener – und auch jedes Kind.

„Ich finde zum Beispiel dieses Gleichnis so schön vom Haus, das auf Felsen und auf Sand gebaut wird: Es ist ja schön, über vieles zu reden, doch es ist ein Haus auf Sand. Jeder kann überlegen, was er für sich und für andere tun kann. Diesen Prozess halte ich heute für wichtiger als je zuvor.“

—  Zitat: Thomas Brezina

Frage: Im Ankündigungstext steht, die Bibel soll zum Nachdenken anregen. Inwiefern?

Brezina: Jeder Mensch, der sich mit der Bibel auseinandergesetzt hat, weiß, dass sie zum Nachdenken darüber anregt, wie wir in der Welt stehen und wie wir miteinander umgehen wollen. Christliche Werte werden von einigen Leuten zwar sehr hochgehalten, auf der anderen Seite fragt man sich: Wie werden sie dann umgesetzt. Es gibt klare Worte: In "Barmherzigkeit" steckt schon "Herz" drin: Wie gehen wir auf Menschen zu? Wie gehen wir mit Situationen um, im engen, weiten und politischen Umfeld? Ich finde zum Beispiel dieses Gleichnis so schön vom Haus, das auf Felsen und auf Sand gebaut wird: Es ist ja schön, über vieles zu reden, doch es ist ein Haus auf Sand. Jeder kann überlegen, was er für sich und für andere tun kann. Diesen Prozess halte ich heute für wichtiger als je zuvor.

Frage: Vielleicht gibt es auch Kritiker, die finden, das Buch sei ein Weg, den Glauben aufzuzwängen. Wie sehen Sie das?

Brezina: Ich erzähle hier Geschichten, die mich persönlich begeistern, in denen ich eine Kraft sehe. Das möchte ich erzählen – auf meine Art und Weise.  Darum habe ich immer Menschen an meiner Seite, denen ich voll vertrauen kann, fachlich, inhaltlich, menschlich. Mit diesen Menschen arbeite ich zusammen, auf sie höre ich. Ich lege Wert darauf, dass Sie ein scharfes Auge haben, sie ein offenes Gespräch mit mir führen und dass wir gemeinsam schauen, das Beste zu schaffen. Und das haben wir hier gemacht.

Von Melanie Ploch

Live-Lesung

Am Montag, 29. März gibt es auf dem Instagram-Kanal von katholisch.de ab 18:30 Uhr eine Live-Lesung mit Thomas Brezina und seiner "Bibel in Reimen".