Kirchenoberhaupt war in 1950er-Jahren Mitglied in Anbetungsbruderschaft

"Venite adoremus": Papst erinnert sich an durchwachte Nächte in Jugend

Aktualisiert am 09.04.2021  –  Lesedauer: 

Madrid/Vatikanstadt ‐ Zum Erwachsenwerden gehört für viele Jugendliche die Erfahrung von durchgemachten Nächten – so auch bei Papst Franziskus. Doch statt mit Tanz und Alkohol verbrachte er diese Phase seines Lebens bei der nächtlichen Anbetung.

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"Venite adoremus": Dieser Satz erinnert Papst Franziskus an durchwachte Nächte, die er als Jugendlicher in Anbetung vor dem Allerheiligsten verbracht hat. In einem am Donnerstag von der spanischen Zeitung "Alfa y Omega" veröffentlichten Brief des Pontifex erinnert dieser sich an seine Zeit als Mitglied einer Anbetungsbruderschaft in den 1950er-Jahren in seiner argentinischen Heimatstadt Buenos Aires. Während der Anbetung in der Basilika des Allerheiligsten Sakraments wechselten sich die Beter ab, so der heutige Papst, der sich damit erstmals zu diesem Detail seines Lebens äußerte. Einige Stunden der Nacht hätten sie sich deshalb in einem Raum im ersten Stock des Gotteshauses auf Betten ausruhen können. Mit der lateinischen Version des Bibelzitates "Kommt, lasset uns anbeten" weckten sich die Jugendlichen zu der ihnen zugeteilten Anbetungsstunde. Die Erinnerung daran "bewege" ihn heute noch, so Franziskus.

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Anlass für den handgeschriebenen Brief aus dem Vatikan war ein Foto, das den bürgerlichen Namen des Papstes in einem Mitgliederverzeichnis der Bruderschaft zeigt. Jorge Bergoglio wurde demnach unter der Mitgliedsnummer 9195 geführt. Das Foto hatte ihm der Journalist Lucas Schaerer geschickt, woraufhin sich der Pontifex mit seinem Brief bei ihm dafür bedankte. Dort schildert der Papst zudem, dass er in den Jahren 1954 und 1955 gemeinsam mit seinem Bruder Óscar und einem Nachbarn die nächtlichen Anbetungsstunden gestaltete. "Die Anbetung begann um neun Uhr abends, nach der Predigt von Padre Aristi", so der Papst. Auch später als Bischof der argentinischen Hauptstadt habe er sich mit seinen Freunden regelmäßig zur Anbetung getroffen.

Der spanische Geistliche José Ramón Aristi, der die nächtlichen Anbetungsstunden in der Basilika begonnen hatte, wird von Franziskus nach dessen Tod 1996 auch heute noch sehr geschätzt. "Aristi war ein berühmter Beichtvater in Buenos Aires. Fast der ganze Klerus beichtete bei ihm", sagte der Papst bereits 2014. Es habe immer eine lange Schlange vor seinem Beichtstuhl gegeben. Zur Zeit von Aristis Tod war das heutige Kirchenoberhaupt Weihbischof von Buenos Aires. Bei einem ruhigen Moment während der Totenwache für den Pater habe Bergoglio das Kreuz des Rosenkranzes in den Händen von Aristi entfernt. Dabei soll er zu dem Toten gesagt haben: "Gib mir die Hälfte Deiner Barmherzigkeit." Mit seinem Rosenkranz in den Händen habe Aristi schließlich unzählige Male bei der Beichte die Absolution ausgesprochen, so der Papst. Seit 25 Jahren trägt das Kirchenoberhaupt das kleine Kreuz des Rosenkranzes Aristis nun bei sich. (rom)