Ein Polizeiwagen steht mit eingeschaltetem Blaulicht in einer Stadt.
Attacken gegen religiöse Repräsentanten in 2020 sogar vervierfacht

BKA: Angriffe auf Religionsgemeinschaften haben deutlich zugenommen

Zahlen, die Anlass zur Sorge geben: Laut BKA-Bericht sind Religionsgemeinschaften in Deutschland 2020 deutlich häufiger als früher Ziel extremistischer Angriffe geworden. Fast vervierfacht haben sich demnach die Angriffe auf religiöse Repräsentanten.

Berlin - 04.05.2021

Religionsgemeinschaften, vor allem ihre Repräsentanten, sind 2020 in Deutschland deutlich häufiger als früher zum Ziel extremistischer Angriffe geworden. Wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten Statistik politisch motivierter Kriminalität des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht, zählten die Behörden im vergangenen Jahr fast 3.000 (genau 2.985) Angriffe gegen Religionsgemeinschaften. Das war ein Anstieg um 39 Prozent. Fast vervierfacht haben sich der Statistik zufolge Angriffe auf religiöse Repräsentanten - von 559 im Jahr 2019 auf 2.217 im vergangenen Jahr.

70 Prozent dieser Angriffe richteten sich den Angaben zufolge gegen Vertreter jüdischer Gemeinschaften, rund ein Viertel gegen Repräsentanten muslimischer Religionsgemeinschaften. 90 Prozent der Straftaten seien rechtsextrem motiviert gewesen. Gegen religiöse Repräsentanten gab es der Statistik zufolge 87 Gewalttaten, davon 81 Körperverletzungen.

Kategorie "Hasskriminalität"

Die Angriffe gegen Religionsgemeinschaften werden als Sonderaspekt in der Kategorie "Hasskriminalität" in der Statistik aufgeführt. BKA-Präsident Holger Münch sagte, in diesem Gesamtkontext sei der Anstieg zu sehen. Die Zahl der sogenannten Hassstraftaten ist 2020 insgesamt um 19,3 Prozent auf 10.240 gestiegen.

Die Gesamtzahl der antisemitischen Straftaten stieg laut Bericht um 15,7 Prozent auf 2.351 Straftaten. Hiervon wurden knapp 95 Prozent als rechtsmotiviert eingestuft. Die antisemitischen Gewalttaten gingen insgesamt hingegen um knapp 22 Prozent zurück.

Auch im Bereich der religiösen Ideologie verzeichnete das BKA mit 477 Straftaten einen Zuwachs um 12,2 Prozent, vor allem beim Islamismus. Der Anteil der Gewalttaten reduzierte sich hingegen mit 43 Fällen um zehn Prozent. Zum 1. April dieses Jahres hätten die Behörden 579 Personen als Gefährder und 533 als sogenannte Relevante Personen eingestuft. Zudem seien mehr als 1.200 Ermittlungsverfahren gegen 1.300 Beschuldigte im Bereich des islamistischen Terrorismus geführt worden. Deutschland sei weiter Teil eines einheitlich europäischen Gefahrenraums und die Bedrohung durch den Islamismus weiter hoch, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bei der Vorstellung. (tmg/epd/KNA)