Pater Klaus Mertes im Porträt
Bezugnahme auf Kritik an Ackermann und Aussetzung von EKD-Beirat

Jesuit Mertes sieht Konzept kirchlicher Betroffenenbeiräte kritisch

Die derzeitigen Konfrontationen zwischen Missbrauchsbetroffenen und den Kirchen zeigten, dass die Strukturen zur Missbrauchsaufarbeitung im kirchlichen Raum nicht ausreichten, betont Jesuit Klaus Mertes.

Freiburg - 18.05.2021

Für den Jesuiten Klaus Mertes zeigen die Konfrontationen zwischen Missbrauchsbetroffenen und den Kirchen, dass die Strukturen zur Missbrauchsaufarbeitung im kirchlichen Raum nicht ausreichen. "Es mehren sich die Zeichen, dass die mangelnde Rollenklärung beim Beteiligungskonzept, wie es zwischen dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vereinbart worden ist, die Konfrontation verschärft und zu neuerlichen Verletzungen auf mehreren Seiten führt", schreibt Mertes auf der Internetseite "feinschwarz.net" (Dienstag).

Kritik an Ackermann und Aussetzung von EKD-Beirat

Der Jesuit bezog sich auf die Kritik an Äußerungen des DBK-Missbrauchsbeauftragten Bischof Stephan Ackermann beim Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) sowie auf die Aussetzung des Betroffenenbeirats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Ackermann hatte gesagt, bei der Zusammenarbeit zwischen Kirchenführung und Betroffenenbeiräten sei es nicht hilfreich, wenn ein Beirat "mehrheitlich durch Aktivisten besetzt wäre", die ihre Rolle darin sähen, "immer nur im klaren Gegenüber zur Kirche" zu bleiben und politisch-öffentlich "den Finger in die Wunde zu legen". Betroffene wie die Theologin Doris Reisinger kritisierten daraufhin auf Twitter Ackermanns Aussagen als "skandalös". Es folgte Kritik vom Verein "Missbrauchsopfer im Bistum Trier" (Missbit) und des Münsteraner Kirchenrechtlers Thomas Schüller. Ackermann selbst hatte es im Nachgang bedauert, im Zusammenhang mit Missbrauchsbetroffenen von "Aktivisten" gesprochen zu haben.

Die EKD-Entscheidung zum Aus des Betroffenenbeirats war von Betroffenen scharf als erneuter Machtmissbrauch verurteilt worden. Mertes sprach sich nun für eine vollständig unabhängige, ohne kirchliche Beteiligung eingerichtete Aufarbeitungskommission aus. Parallel dazu müssten Betroffene dabei unterstützt werden, sich selbst zu organisieren, um so den Kirchen und der unabhängigen Aufarbeitungskommission "gegenüberzutreten".

Das Konzept der Betroffenenbeiräte, die derzeit in vielen Bistümern eingerichtet werden und die Kirche bei der Aufarbeitung unterstützen sollen, bezeichnet Mertes als problematisch. Es bestehe die Gefahr, dass Betroffene letztlich wieder instrumentalisiert würden. Zudem entstünden neue Konflikte zwischen den Betroffenen selbst. Grundlage der Aufarbeitung von Missbrauch und sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche ist eine Vereinbarung zwischen Bischöfen und UBSKM. Diese sieht unabhängige Aufarbeitungskommissionen und Betroffenenbeiräte vor. (tmg/KNA)