Thema auch in katholischer Kirche präsent

Theologin: Evangelische Kirche braucht eine Quote für People of Color

Aktualisiert am 24.05.2021  –  Lesedauer: 

Wuppertal ‐ Sind Gläubige mit Migrationsgeschichte und People of Color in der Kirche ausreichend repräsentiert? Die evangelische Theologin Sarah Vecera glaubt das nicht und fordert für ihre Kirche deshalb eine entsprechende Quote.

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Die Theologin Sarah Vecera hat die evangelische Kirche aufgefordert, über eine Quote für People of Color nachzudenken. Diese seien in Kirchenvorständen, Pfarrhäusern und kirchlichen Leitungsämtern nicht repräsentiert, sagte Vecera dem Evangelischen Pressedienst (epd). Eine Quote könne daran etwas ändern, so die Bildungsreferentin mit Schwerpunkt "Rassismus und Kirche", die für die Vereinte Evangelische Mission (VEM) mit Sitz in Wuppertal arbeitet. Als People of Color bezeichnen sich Menschen mit Rassismuserfahrung, die nicht als weiß, deutsch und westlich wahrgenommen werden.

40 Prozent aller in Deutschland lebenden Kinder unter fünf Jahren hätten eine Migrationsgeschichte, sagte Vecera. Auch vor dem Hintergrund sinkender Kirchenmitgliedszahlen sei es entscheidend, dass People of Color mit ihrer Lebenswirklichkeit in der Kirche abgebildet würden. Es sei eine große Chance der Kirchen, Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zu integrieren und trotzdem eine Gemeinschaft zu sein.

Die evangelische Theologin erklärte, dass sich weiße, westlich geprägte Gottesbilder manifestiert hätten. Sie selbst habe als Person of Color Schwierigkeiten, sich Gott nicht als "weißen Mann" vorzustellen, sagte sie. "Dieses Bild habe ich internalisiert. Das kommt auch daher, dass Theologie oft von weißen Männern gelehrt und vermittelt wird." In vielen Kinderbibeln werde Jesus als weiß und europäisch dargestellt, obwohl er das höchst wahrscheinlich nicht gewesen sei. "In Kinderbibeln begegnen uns nicht nur rassistische Stereotype, sondern auch sexistische und antisemitische."

Diskussion auch in katholischer Kirche

Seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt in Minneapolis am 25. Mai vergangenen Jahres erreichten sie viele Anfragen auch aus kirchlichen Institutionen, sagte Vecera. Für weiße Menschen sei es häufig schwer, sich mit dem eigenen Rassismus auseinanderzusetzen. Kirche werde oft zum Raum erklärt, in dem Rassismus keinen Platz habe. Erführen Menschen dann Rassismus in der Kirche, werde das Problem oft geleugnet.

"Wir stehen als Kirche am Anfang eines rassismuskritischen Wegs", sagte Vecera. "Wir müssen noch viel häufiger die Perspektive von Menschen hören, die von Rassismus betroffen sind, und weiße Menschen müssen lernen sich zurückzunehmen." Es falle schwer, eine Haltung einzunehmen, die nicht gleich ein "Aber" entgegensetzen wolle. Soziale Medien könnten dabei helfen, die Perspektive von People of Color sichtbarer zu machen und weiße Menschen in Kontakt mit ihnen zu bringen.

Auch in der katholischen Kirche gibt es eine Diskussion um die Stellung von People of Color. So sprach sich im vergangenen Jahr der Kölner Priester Regamy Thillainathan mit Blick auf die deutsche Theologie dafür aus, im Studium auch außereuropäische Ansätze zu behandeln, wie die Mujerista- oder die Womanistische Theologie. Der Benediktiner Pater Nikodemus Schnabel wies im vergangenen Monat auf katholisch.de darauf hin, dass es im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) nur wenige Mitglieder mit Migrationshintergrund gebe. (rom/epd)